Donnerstag, 30. Oktober 2008

Zurück in der Rasenindustrie

Nachdem wir nun schon über zwei Wochen zurück im Rasenbusiness sind, wollen wir doch mal einen Bericht in die Heimat schicken.
Wir sind also am Montag, den 13.10. zur Farm gefahren, nachdem wir uns in unserm angestammten Shoppingcenter 70 km vor der Farm mit Lebensmitteln eingedeckt hatten. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, die altbekannte Strecke wieder zu fahren.

Wir kamen kurz nach der Mittagspause an und wurden von den alten Kollegen herzlich begrüßt. Vor allem von Patrick und Kaylie natürlich. Und da es ein Tag war, an dem die morgendlich Ernte länger gedauert hatte als sie sollte, haben wir gleich angefangen, mitzuarbeiten. Unseren neuen Chef Trevor haben wir natürlich auch gleich kennen gelernt. Er ist so ziemlich das Gegenteil unserer früheren Chefs. Er ist ein richtiger Aussie mit dreifach gepiercten Ohren, immer einen polternden Fluch auf den Lippen, ein entspannter Typ mit unstillbarem Bierdurst. Somit gibt es mittlerweile auch nicht nur freitags ein (oder mehr) von der Firma gesponsertes Feierabendbier, sondern jeden Tag der Woche und das manchmal auch vor Feierabend. Manchmal hat man mehr damit zu tun, Trevor davon zu überzeugen, dass man gerade kein Bier will als man mit Arbeiten zu tun hat.

Momentan gibt es hier viel Arbeit, wir ernten jeden Tag den ganzen Truck voll, manchmal mehr, und haben alle Hände voll zu tun. So sind auch die ersten zwei Wochen sehr schnell vergangen.

Die erste Woche haben wir hier in einem Caravan gewohnt – immerhin schon besser als im Zelt – aber seit dieser Woche leben wir im ungewohnten Luxus. In unserer Abwesenheit wurde hier ein Donga aufgestellt, das hat ein Wohnzimmer mit Küchenzeile, ein Schlafzimmer und ein eigenes Bad! Und darin wohnen wir jetzt.

Ansonsten gibt es nicht viel Neues zu berichten, außer dass das Wetter hier Kapriolen schlägt. Als wir ankamen hatten wir mehrere Tage, an denen es bis zu 38°C heiß und sonnig war. Dann kam ein Tag Regen. Es folgten mehrere Tage, an denen der Himmel von einer dunkelgrauen Wolkendecke bedeckt war, heftige Windböen bliesen und man trotzdem vor schwüler Hitze das Gefühl hatte in einer Waschküche zu stehen. Und in den letzten Tagen war es ziemlich kalt, es regnete hin und wieder und wir haben morgens ganz schön gefroren. Australien ist also auf jeden Fall nicht immer sonnig.

An den nächsten Wochenenden wollen wir dann mal wieder Patricks Familie, Alana und Greville und unseren ehemaligen Chef Todd besuchen. Da haben wir dann wahrscheinlich wieder etwas zu erzählen.

So, nun werden wir wieder früh ins Bett gehen, auch morgen wartet wieder in der Frühe die Rasenernte auf uns.

Montag, 13. Oktober 2008

Bundaberg nach Perth – Überraschende Planänderung

Montag
Wir fahren wie geplant nach Bundaberg. Das ist ein nettes kleines Städtchen, in dem unser mittlerweile so geliebtes Ginger Beer gebraut wird. Bundaberg Rum machen sie hier natürlich auch. Nachdem in Townsville und in den anderen Fruitpicking-Zentren an der Ostküste nicht ein Job zu bekommen war, haben wir uns hier auf einem „Working Caravanpark“ eingemietet. Unsere Reisekasse ist langsam leer und wir müssen wieder ran an die Arbeit. Wir checken also auf dem Campingplatz ein und bekommen schon an der Rezeption ein schlechtes Gefühl. Das mit dem Arbeit besorgen könne ein paar Tage dauern sagt uns die ziemlich unmotivierte Dame. Der Platz ist furchtbar, kein Gras, merkwürdige Gestalten laufen durch die Gegend und spätestens nach dem Blick in den Dusch- und Toilettenblock habe ich einen dicken Kloß im Hals. Ich bekomme Beklemmungen hier. Ich versuche, meine Abscheu herunter zu schlucken und denke mir: „Es ist nur ein paar Wochen zum Arbeiten, reiß dich zusammen!“ Wir bauen unser Zelt auf und dann gehe ich mal zur Informationsbeschaffung rüber zu unseren Backpacker-Nachbarn, von denen einer sogar aus Berlin kommt. Wir können also auf Deutsch quatschen. Die drei Jungs sind seit Cairns (1000 km nördlich) auf der Suche nach einem Job und sind schon seit ein paar Tagen in Bundaberg aber einen richtigen Job haben sie hier auch noch nicht. Morgens um fünf und um sechs kommen wohl immer Busse von den umliegenden Farmen vorbei und sammeln Arbeiter ein, aber da kommt man nur schwer mit. Sie erzählen uns, dass sie bis jetzt Zucchini pflücken waren. Den ganzen Tag vornüber gebeugt stehen und man wird nach gepflückten Eimern bezahlt. Jeder Eimer bringt $2.50. Jeder von den Jungs hat 10 Eimer geschafft… nicht pro Stunde… pro Tag. Ich schaue mir die muskulösen Oberkörper von denen an und bekomme noch mehr Beklemmungen. $25 am Tag Verdienst und dann muss man auch noch $7 für den Bustransport bezahlen. Die Tränen der Verzweiflung lassen sich nur schwer zurückhalten. Wir haben eine gewagte Idee. Was ist, wenn sie auf „unserer“ Turffarm gerade Leute brauchen… es ist Saison. Ich rufe an und tatsächlich (!!!) sie suchen gerade händeringend. Allerdings muss das noch mit dem Chef abgesprochen werden etc. Patrick und Kaylie rufen mich alle zwei Stunden an und halten mich auf dem Laufenden, wie es aussieht. Am Abend kommt leider kein Anruf mehr. Also zittern bis Dienstag.

Dienstag
Wir stehen früh auf, schmieden Pläne für den Fall, dass es mit der Turffarm nicht klappt und für den Fall dass es klappt. Um halb neun unserer Zeit (also halb sieben auf der Turffarm) ruft mich der neue Manager Trevor an und sagt, wir können kommen. Ich könnte hüpfen vor Glück. Auf dem Platz neben uns kommen gerade die Jungs von ihrem „Arbeitstag“ zurück. Sie sind 115km zu einer Farm gefahren, weil ihnen das Camping-Platz-Büro gesagt hat, dort würden heute Leute gebraucht. Als sie dort ankamen wurden sie wieder weggeschickt, weil sie keine Sonnenhüte dabei hatten. Wie deprimierend… das wollen wir uns nicht antun. Wir packen alles ein, und begeben uns auf den wohl sieben Tage dauernden und ca. 4.800 km langen Trip nach Perth zurück. Wir wollen, wenn alles nach Plan verläuft dann dort bis Anfang Januar arbeiten und dann den Teil touristisch „abarbeiten“, an dem wir jetzt nur vorbeidüsen. Also dann im Januar die Südküste über Adelaide, Melbourne, Sydney und Brisbane und dann von der Ostküste aus nach Hause fliegen.
Wir gucken uns schnell in Bundaberg noch die Ginger Beer Brauerein und die Rum Distillerie an und dann rauf auf den Highway. Heute kommen wir bis Toowoomba, laut Wikipedia „nach Canberra die zweitgrößte australische Stadt, die im Inland gelegen ist und keinen Strand aufzuweisen hat“.

Mittwoch
Früh aufstehen, Zelt abbauen, alles einpacken und wieder losfahren. 720 km Strecke nach Dubbo (400 km westlich von Sydney) liegen vor uns. Unterwegs überqueren wir die Grenze nach New South Wales. Unser vierter Bundesstaat, auch wenn wir ihn im Eilverfahren durchqueren werden. Dort kommen wir um 16:30 Uhr an, denken wir zumindest. Nachdem wir im Caravanpark eingecheckt und unser Zelt aufgebaut haben, fahren wir noch mal los zum Einkaufszentrum und wundern uns, warum die meisten Geschäfte schon geschlossen haben obwohl es noch nicht 17:30 Uhr ist. Wir beschließen, das erstmal zu ignorieren und kaufen fürs Abendessen ein. Und auf dem Bon steht dann 17:59 Uhr… auf unseren Uhren ist es 16:59 Uhr. Merkwürdig! Wir sind doch nach Westen gefahren, wie können denn dann die Uhren schon wieder nach vorn gestellt werden? Und außerdem hat doch Australien nur drei Zeitzonen, die wir alle schon durchquert hatten… wir sind ratlos. Mir lässt das Rätsel keine Ruhe und ich frage auf dem Campingplatz einen Nachbarn… es ist tatsächlich hier eine Stunde später als auf unseren Uhren, denn am Sonntag hat die Winterzeit geendet und die Uhren wurden um eine Stunde nach vorn gestellt. Das hatten wir irgendwie zwei Tage lang verpasst. Dachten wir. Aber nein, nach Recherche im Reiseführer ergibt sich Folgendes: Um das Zeitzonen-Chaos in Australien nun noch perfekt zu machen, haben Western Australia, Northern Territory und Queensland keine Winter- und Sommerzeit-Umstellung. Deswegen hatten wir die Umstellung in Queensland auch nicht bemerkt. Herr im Himmel!!!
Wir beschließen, bis zur Ankunft in WA nicht mehr allzu viel auf Uhrzeiten zu geben, essen und gehen ins Bett.

Donnerstag
Die übliche Morgenprozedur… nachdem wir nach durchfrorener Nacht aus dem Zelt gekrochen kommen, Frühstück, Abbau und los. 760 km bis Broken Hill. Auf der Fahrt sehen wir viele frei auf dem Highway laufende Ziegen und Echsen. Ansonsten verläuft die Fahrt ruhig und wir kommen am späten Nachmittag in Broken Hill an. Dies übrigens nachdem wir die Uhr eine halbe Stunde zurück gestellt haben, obwohl wir die Grenze zu South Australia noch nicht überfahren haben. Broken Hill liegt zwar in New South Wales, will aber viel lieber zu South Australia gehören (warum auch immer) und hat deswegen die Telefonvorwahl und Zeitzone von South Australia „adoptiert“. Jaja… die Australier!
Broken Hill selbst ist eine Bergbaustadt und das Bemerkenswerteste ist, dass die Hauptstraßen hier „Chloride Street“, „Sulphide Street“, „Oxide Street“, „Iodid Street“ und so weiter heißen.

Freitag
Heute liegen 870 km vor uns. Wir wollen bis nach Ceduna kommen. Morgens ist es in Broken Hill saukalt und wir sind heilfroh, als wir alles eingepackt haben und uns ins warme Auto setzen können. Auf der Hälfte der Strecke halten wir in Port Augusta und bekommen live einen Gefängnisaufstand mit. Das Gefängnis von Port Augusta liegt direkt am Highway und wir können eine beachtliche Menge Einsatzfahrzeuge und Fernsehübertragungswagen sehen. Später erfahren wir, dass sich die Gefangenen etwa vier Stunden, nachdem wir vorbei kamen ergeben haben und der Aufstand somit friedlich beendet wurde. In der Kleinstadt Ceduna, wo wir unser Zelt aufschlagen, gibt es einen Wegweiser, auf dem schon Perth angezeigt ist. Leider steht dahinter 1960 km.

Samstag
Nach der langen Fahrt gestern wollen wir heute einfach so weit fahren wie wir kommen. Unser Weg wird uns dabei durch die Nullarbor-Wüste führen, die direkt auf die Steilküste des Ozeans trifft. Außerdem bekommen wir ja heute auch 2 ½ Stunden „wieder“, wenn wir die Grenze zu Western Australia überqueren. Und so fahren wir und fahren wir und werden am Ende des Tages 1005 km geschafft haben…
Der Beginn der Fahrt durch die Wüste stimmt mich erstmal ziemlich traurig, denn es liegen viele, viele tote Wombats am Straßenrand. So hatten wir das mit dem Blogtitel nicht gemeint. Ich hoffe, wir bekommen irgendwann noch mal ein lebendiges Wombat zu Gesicht. Entschädigen tut einen für diesen Verlust auf jeden Fall der Anblick, der sich an einigen Stellen an der Küste bietet. Türkisfarbene Wellen klatschen an felsige Steilküsten. Hier endet schroff der Kontinent und in die Richtung in die man guckt kommt nur noch die Antarktis. Wunderschön und beeindruckend.
Die Nacht verbringen wir in Balladonia, einem Roadhouse am Highway. Als ich mir gerade die Zähne putzen gehen will, werde ich von unseren Campingnachbarn auf ein direkt neben mir stehendes Känguru aufmerksam gemacht. Ich hocke mich hin, um es zu betrachten und es kommt noch einen Schritt auf mich zu, steht ca. 50 cm vor mir, schaut mich an und…. lutscht am Daumen! Dabei guckt es ganz versonnen und man hat das Gefühl, es fallen ihm jeden Moment die mit langen Wimpern versehenen Augendeckel zu. Es ist wirklich ein zu niedlicher Anblick. Als ich vom Zähneputzen wiederkomme, ist es immer noch da. Als ich mich hinhocke, kommt es wieder auf mich zugehoppelt. Ich kann diesem niedlichen Wesen einfach nicht widerstehen und bitte Sebastian, einen Reiscracker aus dem Auto zu holen. Das kleine Känguru lässt sich von uns füttern und Sebastian streichelt es sogar ein bisschen.

Sonntag
… ist ein ziemlich ereignisloser Tag. Wir fahren so vor uns hin und sind erstaunt, dass wir um 17 Uhr bereits Perth’ Skyline vor uns sehen und wir somit heute fast 900 km geschafft haben. Wir werden in Perth unsere vorerst letzte Nacht im Zelt verbringen und uns dann am Montag in Ruhe zur Farm aufmachen und vorher groß einkaufen fahren. Jetzt müssen wir uns ja wieder daran gewöhnen, dass man nur einmal, maximal zweimal pro Woche einkaufen fahren kann und deswegen vorausplanen muss.
Aber wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit „unserer alten Farm“.

Montag, 6. Oktober 2008

Alice Springs bis Bundaberg – vom Outback zurück in die Zivilisation

Freitag
Wir starten früh, denn heut stehen ca. 700 km auf dem Programm. Allerdings wird uns der heutige Weg erst einmal in Richtung Norden und nicht in Richtung Osten führen. Eine andere, direktere Verbindung von Alice Springs aus zur Ostküste gibt es nur für Allrad-Fahrzeuge. Öl- und Kühlwasserstand schnell kontrolliert und schon fahren wir den Stuart Highway in die Richtung zurück, aus der wir gekommen sind. Und es ist ganz schön heiß heute. Keine Wolke am Himmel. Dank Tempomat, Lendenwirbelstütze und leerem Highway ist das im neuen Auto aber kein Problem. Ab und zu erlauben wir uns, die Klimaanlage einzuschalten, denn selbst, wenn man das Fenster aufmacht bei 120 km/h, kommt nur warme Luft hinein.

Unterwegs begegnen uns wieder die beeindruckenden, riesigen Keilschwanz-Adler, die sich aber meist vom Känguru-Kadaver erheben, bevor Johanna sie mit der Kamera fokussieren kann. „Meist“ deswegen, weil einer der Adler vom frischen Känguru-Fleisch nicht lassen kann, und erst in letzter Sekunde und auch noch unsere Richtung los fliegt. Natürlich erhebt sich so ein Kavenzmann nicht flink wie ein Spatz in die Lüfte und ich muss schon ein wenig mehr als üblich ausweichen, damit er nicht in unseren Dachgepäckträgern hängen bleibt.

Nach ca. 400 km erreichen wir die Devil’s Marbles (Karlu Karlu) ein Gebiet, dass für die hier lebenden Ureinwohner heilig ist und aus vielen, von der Witterung rund geformten Felsen besteht, die Teil eines riesigen unterirdischen Granitmassivs sind. Leider ist es brütend heiß hier, so dass wir keine Wanderung unternehmen, sondern nur die obligatorischen Tourifotos knippsen und uns weiter auf den Weg machen. Ureinwohner treffen wir, wie am Uluru und den Kata Tjuta übrigens auch, nicht an. Komisch!

Nach weiteren rund 300 km kommen wir an unserem heutigen Nachtlager an, einem kleinen Roadhaus mit angeschlossenem Campingplatz am bereits nach Osten führenden Barkly Highway. Wir schlagen unser Zelt auf und lassen bei Spaghetti Bolognese und einem kühlen Ginger Beer den Tag ausklingen. Abends wird es angenehm kühl und wir könnten sehr gut schlafen, wäre da nicht eine störende aber notwendige Sache: ein Dieselgenerator (die meisten Roadhäuser im Outback sind elektrisch autark) rund fünfzig Meter entfernt vom Zelt sorgt zwar für Licht, jedoch auch dafür, dass an Tiefschlafphasen des nächtens nicht zu denken ist.

Samstag
Der Dieselgenerator lässt uns früh aufstehen und nach Kaffe und Sandwich/Müsli machen wir uns auf die heutige Etappe, die uns nach Mount Isa führen soll, die nach australischen Angaben flächenmäßig größte Stadt der Welt. Wir haben im Vorfeld recherchiert und wissen, dass der Begriff Stadt sehr unterschiedlich definiert ist und es in der Welt auch flächenmäßig größere Städte als Mount Isa gibt. Also erwarten wir uns nicht zu viel und freuen uns vor allem auf niedrige Lebensmittel- und Spritpreise, die größere Städte im Outback mit sich bringen. Auf der Fahrt überqueren wir die Grenze nach Queensland, unserem dritten Bundesstaat bis jetzt (unsere Zeitverschiebung beträgt ab jetzt +8 Stunden). Anfangs ist die Landschaft flach und weitläufig mit eher spärlicher Vegetation. Ca. 100 km vor Mt. Isa wird es wieder bergiger, grüner und es gibt ein auch ein paar Kurven für Howard Holden. Wir sehen unseren ersten Dingo, leider haben wir die Kamera nicht zur Hand. Ist aber eh kein Prachtexemplar, so ausgehungert und ausgedürrt, wie er über die Straße schleicht. Tatsächlich reißt uns Mount Isa nicht von Hocker, als wir ankommen. Aber der Campingplatz bietet ein schattiges Plätzchen und Ruhe für die kommende Nacht.

Sonntag
Die Fahrt heute führt uns nach Hughenden, einem kleinen verschlafenen und typischen Ort, mit schnuckeliger Einkaufstraße, auf der man am Sonntag außer seinem eigenen Schatten niemanden antrifft. Der Campingplatz liegt am örtlichen Güterbahnhof und bietet überraschenderweise dennoch Ruhe in der Nacht zum Montag.

Montag
Heute wollen wir es bis Townsville schaffen. Auf dem Weg kommen wir in Charters Towers vorbei, einem niedlichen und keineswegs verschlafen Städtchen rund 100 km vor Townsville. Wir nehmen uns ein wenig Zeit und schlendern die Hauptstraße mit ihren vielen kleine Boutiquen, Cafés und hübsch verzierten Häusern entlang. Man merkt, dass man sich dem dicht besiedelten Osten Australien nähert. Auch auf dem Highway nach Townsville ist mehr los und wir fühlen uns ob der Verkehrsdichte an Brandenburgs Landstraßen erinnert, wenngleich die hügelige, sehr grüne Landschaft der Great Dividing Range eher dem Südosten Chinas gleicht.

Dienstag
Unser Campingplatz in Townsville, den wir am Nachmittag des Vortages bezogen haben, bietet zwar Schatten und Internet, liegt dafür aber leider an einem Stück des Highways, das gerade ausgebaut wird. Die Geräuschkulisse wird daher vornehmlich vom Verkehr und dem stetigen „Gepiepe“ rückwärts fahrender Baufahrzeuge geprägt (dieses Warnsignal ist hier Pflicht für größere Fahrzeuge). Wir beschließen, heute Ausschau nach einem Job zu halten und klappern erst einmal die Hostels in der Innenstadt Townsvilles ab. Das Zentrum vom Townsville bietet durchaus eine moderne Stadtkulisse und vom Castle Hill, dem 300 m hohen „Hausberg“ der Stadt, hat man einen wunderbaren Ausblick über die Stadt, den Pazifik und das vorgelagerte Magnetic Island. Leider erweist sich unsere Job-Suche hier als ergebnislos, selbst ein großes, landesweites Zeitarbeitsunternehmen kann uns nichts anbieten. Wir klappern telefonisch noch die umliegenden Rasenfarmen ab, die aber auch kein Personal benötigen. Weiter im Süden, so lesen wir in einer Backpacker-Broschüre, gibt es aber eine Menge Fruit-Picking und so beschließen wir, am nächsten Tag Richtung Süden aufzubrechen.

Mittwoch
Wir folgen dem Highway Richtung Bundaberg, wo wir in Airlie Beach aber nach 250 km unser Lager aufschlagen. Airlie Beach ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Kreuzfahrten zum Great Barrier Reef und den vorgelagerten Trauminseln, den Whitsunday Islands. Der Ort selbst ist äußerst touristisch und so buhlt ein Kreuzfahrt-Reisebüro am nächsten um die Gunst williger Insel-Kreuzfahrer. Nachdem wir uns heute ausnahmsweise ein Abendessen aus der Büchse besorgt haben, verbringen wir den Abend auf unserem ausgebuchten Campingplatz. Dort machen wir die Bekanntschaft mit einer netten Familie aus Adelaide, es sind im ganzen Land gerade Schulferien und viele Kinder auf dem Campingplatz.

Donnerstag
Wir wachen auf und es regnet. Also beschließen wir kurzer Hand, den Tag zu nutzen, um nach einer Werkstatt zu suchen, denn das Auto quietscht ein wenig, eigentlich quietscht der Keilriemen, obwohl er straff sitzt. Zunächst fahren wir erst einmal zum Autoteilehandel, denn unsere Scheibenwischer sind schon sehr verschlissen (was wir bisher mangels Regen nicht bemerkt haben) und vermögen es nicht, den Regen von unserer Windschutzscheibe zu wischen und für klare Sicht zu sorgen. Um die Zeit totzuschlagen fahren wir ins Landesinnere nach Proserpine, wo wir die Haupt- und Einkaufsstraße gemütlich entlang schlendern. Danach verschlägt es uns erneut nach Airlie Beach, wir spazieren ein wenig am Strand entlang und beobachten einen Kite-Surfer, der in der Bucht verzweifelt versucht gegen den böigen Wind zu kreuzen. Am Nachmittag klart es ein wenig auf und wir fahren zurück zum Campingplatz. Vorher natürlich noch schnell zur Werkstatt. Der Inhaber hat eigentlich keinen Termin mehr frei. Nachdem ich ihm meine Vermutung mit dem Riemen schildere, guckt er kurz unter die Haube und verschwindet in der Werkstatt, um schließlich mit einem kleinen Sprüher Siliconspray dem quietschenden Riemenproblem ein Ende zu machen. Dafür berechnet er nichts. Cool! Glücklich und vor allem leise kehren wir zum Campingplatz zurück. Nach Kartoffelbrei mit leckerem Rosenkohl gehen wir früh schlafen, denn am nächsten Tag haben wir einiges vor.

Freitag
Heute wollen wir die Whitsunday-Inseln erkunden, die von James Cook am Pfingstsonntag 1770 besegelt wurden und nach selbigem Tag benannt sind. Leider können wir es James Cook nicht gleichtun, da ein Segelturn durch die Whitsundays auf einer gecharterten Yacht unser Budget sprengen würde. Wir haben uns für eine etwas modernere, preiswertere und noch dazu flexiblere Art des Kreuzfahrens entschieden. Mit einem Hopperticket kann man die regelmäßig verkehrenden Fähren zwischen den Inseln eine ganzen Tag lang pauschal nutzen. So stehen wir schon um halb sechs morgens auf um die erste Fähre um sieben Uhr zu erwischen, die uns nach Daydream-Island trägt. Diese Insel ist die kleinste der Inseln die wir heute besichtigen werden. Als wir um halb acht ankommen, ist in den beiden Hotelresorts noch alles ruhig und wir können die Insel erst einmal ohne Menschenkontakt erkunden. Nach einer Stunde sind wir einmal um die Insel gelaufen und versuchen uns vor dem gerade einsetzenden Nieselregen im Resort in Sicherheit zu bringen. Das Wetter scheint sich heute wieder von seiner feuchten Seite zu zeigen. Auf der Erkundungstour haben wir einen großen weißen Kakadu und ein seltenes Rock-Wallabie gesehen. Wildlife pur. Im Resort ist mittlerweile schon alles lebendig und viele Leute sind unterwegs. Bemerkenswert ist das ressorteigene kleine künstliche Riff mit Rochen und Riffhaien und vielen bunten Fischen. Wir bummeln noch ein wenig durch das Ressort, bevor wir uns gegen halb elf am Anlegesteg (Jetty) sammeln um die Fähre nach Long Island zu nehmen. Dort angekommen begeben wir uns auf Wanderschaft, um die wirklich einsamen Strände zu finden, was uns mit Palm Bay auch fast gelingt – nur das abgeriegelte Ressort dort stört ein wenig. In einem Mangroven-Strändchen beobachten wir witzigen kleine Fische, die über den Kiesstrand hüpfen und scheinbar auch für längere Zeit außerhalb des Wassers existieren können. Vielleicht weiß jemand, wie man diese Fische nennt (Fotos im Album) und kann es als Kommentar posten. Letzte Insel ist South-Molle-Island, die ruhigste aller besichtigten Inseln. Leider haben wir nur ca. ein Stunde Zeit zur Erkundung, wir müssen die letzte Fähre bekommen, denn eine unfreiwillige Übernachtung würde uns im günstigsten Fall 400 $ kosten. Blöderweise entdecken wir hier unseren einsamen Traumstrand, haben jedoch keine Zeit zur Rast und beschließen deswegen, noch einmal wiederzukommen, wenn wir im Lotto gewonnen haben sollten. Um sechs Uhr abends sind wir wieder im Hafen von Airlie Beach, kaufen noch schnell fürs Abendessen ein und gehen relativ erschöpft vom Island-Hopping früh schlafen. Angemerkt sei, dass wir nicht in den Genuss der Hauptinsel Whitsunday Island mit dem Whitehaven Beach (weißester Strand der Welt, bekannt aus der „Australien-Kinowerbung“) gekommen sind, da die Insel weiter weg vom Festland liegt und von den regelmäßigen Fähren nicht angefahren wird.

Samstag
Wir bauen unser Zelt nach einem stärkenden Frühstück ab und machen alles für die Weiterreise klar. Bei der Verabschiedung von unseren Nachbarn, schwatzen wir noch ein wenig. Craig und Lisa, so heißen die beiden, laden uns zu Bier und Pool-Billiard ein, sobald wir nach Adalaide kommen. Klasse. Einmal mehr zeigt sich, dass man mit den Einheimischen eher auf Campingplätzen als in Backpacker-Hostels ins Gespräch kommt. Die 450 km-weite Fahrt bringt uns kurz vor sechs Uhr abends ans Ziel. Wir checken kurz vor Feierabend der Rezeption auf einem ruhigen Campingplatz in Strandnähe zwischen Yeppoon und Emu Park ein und machen uns nach selbstgemachtem Cheeseburger-Abendbrot einen gemütlichen DVD-Abend.

Sonntag
Da wir am Montag nach Bundaberg weiterreisen werden, wo wir wahrscheinlich schon am Dienstag wieder Arbeiten werden, beschließen wir, den Sonntag mit Nichtstun zu verbringen. Wir schauen uns die Strände an, sammeln Muscheln, fotografieren, schreiben Blog und räumen unser Auto auf. Highlight des Tages ist ein kleiner (ca. 40 cm langer) Waran, der etwas unbeholfen aussehend, über den Campingplatz kriecht. Johanna kann er jedenfalls keinen Schreck mehr einjagen. Eigentlich ist er niedlich. (Kommentar von Johanna: Nicht wirklich!!!)