So, nun gibt’s wieder ein bisschen was Neues zu berichten und deswegen einen neuen Post.
Ich (Johanna) hab meine erste richtig giftige Spinne gesehen - eine sogenannte „Redback-Spider“. Montags müssen auf der Farm die Zählerstände der Brunnen, Stromanlagen und Sprinkleranlagen überprüft werden. Dazu fährt man mit dem Auto rund um die Farm und guckt in die ganzen Boxen hinein, die hier so herumstehen. Als ich den Deckel des einen Brunnens öffnete saß sie da, ganz schwarz und mit einem roten Streifen auf dem Rücken. Zum Glück war meine Kollegin Kaylie bei mir und hat mich auf die Spinne aufmerksam gemacht, denn ich hätte die Gefahr nicht wirklich erkannt. Nun ja, nun kann ich wenigstens von meiner ersten dicken und gefährlichen Spinne berichten.
Die zweite Tiergeschichte ereignete sich am Wochenende, das wir diesmal auf der Farm verbracht haben um Geld zu sparen. Außerdem waren wir von unseren Kollegen Patrick und Kaylie am Samstag zum Dinner eingeladen, aber dazu später mehr.
Am Samstag wollten wir tagsüber in den Yanchep National Park, damit ich endlich mal ein paar lebende Kängurus aus der Nähe zu sehen bekomme. Tote Kängurus liegen hier zu Genüge am Straßenrand aber die zu sehen zählt nicht, finde ich. In der Dämmerung und in der Nacht muss man hier sehr vorsichtig fahren, denn Kängurus sind anscheinend ziemlich dumm und stehen häufig mitten auf der Straße herum und bewegen sich auch nicht weg, wenn ein Auto kommt. Im Gegenteil, sie hüpfen sogar auf das Auto zu, weil sie neugierig sind.
Wir waren also auf unserem Weg zum National Park als plötzlich links der Straße vier riesige Emus auftauchten. Von Kopf bis Fuß maßen sie mindestens 1,70 m – ziemlich beeindruckend. Ordentliche Touristen wie wir sind, haben wir natürlich angehalten und Photos gemacht.
Im Nationalpark hab ich dann auch endlich meine lebenden Kängurus aus der Nähe zu Gesicht bekommen und zusätzlich dazu auch noch unglaublich niedliche Koalas. Ich hätte am liebsten einen vom Baum „gepflückt“ und mitgenommen.
Zum Dinner waren wir dann bei Patrick und Kaylie in ihr Haus eingeladen. Die beiden sind 27 bzw. 24, sind verheiratet und leben in der Nähe der Farm in einem Haus auf einer Mango-Plantage. Nachdem wir am Freitag eine siebenstündige und äußerst bierlastige Feierabendparty hatten, dauerte dieser Abend nicht allzu lang, weil wir alle ziemlich knülle waren. Allen voran Patrick, der ein richtiger australischer Kerl („bloke“) ist und dementsprechend am Freitag gebechert hat. Wir haben uns zusammen ein „Aussie-rules“ Spiel (eine Art Football auf einem ovalen Feld mit australischen Regeln) angesehen und lecker Pizza gegessen. Eigentlich wollten wir noch Karaoke singen, aber dazu hatten wir alle nicht mehr die Konstitution. Das holen wir ein andermal nach.
Jedenfalls war dies eine gute Gelegenheit, ein paar echte Australier näher kennen zu lernen und ein paar interessante Gespräche zu führen, auch wenn mich diese doch häufiger traurig stimmen. Kaylies Bruder zum Beispiel ist heroinabhängig. Die Kindheit der beiden scheint sehr von Gewalt geprägt gewesen zu sein, weniger durch die Eltern aber durch das soziale Umfeld in dem sie aufwuchsen. Und für mich persönlich bedeutet es doch immer wieder viel Kopfschütteln, wie sehr australische Männer an alten Rollenverteilungen festhängen und diese tatsächlich für richtig halten. Patrick ist ein netter Kerl aber ein typischer „bloke“. Wenn er Kaylie ausführt, dann heißt das, sie gehen zu „Hungry Jacks“ (Burger King). Er macht im Haushalt nichts und ist der Auffassung, dass die Arbeit der Frau zu Hause ist und wenn sie wie Kaylie zehn Stunden am Tag „woanders“ arbeiten geht um Geld zu verdienen, geschieht das zu ihrem Vergnügen und sollte die Hausarbeit nicht beeinträchtigen. Und noch ein anderes Beispiel… das Haus der beiden hat ein schlechtes Warmwassersystem, so dass man nur alle zwei Stunden heiß duschen kann. Das hat zur Folge, dass natürlich Kaylie morgens um 3:30 Uhr aufsteht um zu duschen, damit Patrick weiterschlafen und um 5:30 Uhr duschen kann, bevor die beiden um sechs Uhr zur Arbeit kommen.
Nun ja… die Jungs hier scheinen es nicht anders zu kennen. Frauenfeindliche Witze hört man zumindest alle 5 Minuten… mal ernster und mal weniger ernst gemeint. Da muss man sich als Frau halt ein dickeres Fell zulegen.
Ansonsten haben wir gerade eine mächtige Fliegenplage, die uns allen ziemlich auf die Nerven geht. Und ich bin letzten Sonntag zum ersten Mal Maggie gefahren und das ohne einen Unfall zu bauen oder ein Känguru anzufahren. Was für ein Erfolg!
PS: Neben dem neuen Fotoalbum "Yanchep National Park" gibts auch neue Fotos im "Farm"-Fotoalbum.
Samstag, 17. Mai 2008
Ein paar Tiergeschichten und anderes
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Johanna
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Samstag, 3. Mai 2008
Ein Arbeitstag auf der Farm
Sebastian:
Um 5:30 klingelt der Wecker. Ich ziehe mich an, putze mir die Zähne und schnüre meine Stiefel. Nun ist es kurz vor 6 und ich mach mich auf den 20 m weiten weg vom Caravan Platz zum Büro der Farm. Alana und Greville (die Farm-Manager) sind schon da, genauso wie Ian (ein alter Aussie) und Chris (Backpackerkollege aus Bayern), die ihren Kaffee schlürfen. Nach und nach gesellen sich weitere Kollegen hinzu, bis wir vollzählig sind. Jetzt gibt’s das Briefing für den heutigen Tag: Welches Gras wird in welchen Mengen wo geerntet. Zwei Ernte-Traktoren (Harvester) gibt es auf der Farm und dementsprechend zwei Ernte-Teams (A-Team und B-Team). Ich gehöre dem B-Team an, dem „Better“-Team.
Nach ein paar morgendlichen Witzen von Greville geht’s zu den Traktoren, die auf Öl und Kühlflüssigkeit gecheckt werden müssen. Jedes Team besteht aus vier Leuten, zwei arbeiten auf dem Harvester und die anderen beiden verladen das fertig geerntete Gras und bringen es zum wartenden Roadtrain (LkW). Der Harvester schneidet das Gras in Streifen vom Boden ab und rollt es zu handlichen, ca. 15-20 kg schweren Rollen auf. Diese Rollen werden, einem bestimmten Muster folgend, auf Paletten gestapelt. Am Anfang muss man sich ganz schön konzentrieren, weil der Harvester die Rollen im 3-Sekunden-Takt ausspuckt und jede Rolle sofort an einen bestimmten Ort auf der Palette gestapelt („stacking“) werden muss. Körperlich anstrengend ist es außerdem. Im Team wechseln wir immer die Positionen nach fünf fertig gestapelten Paletten, damit jeder einmal mit dem Stacking dran ist. Wenn ich nicht stacke, sitze ich auf einem Gabelstapler-Traktor (Forklift), mit dem ich die, manchmal bis zu einer Tonne schweren, Paletten auf einen Anhänger lade. Da muss man ein ruhigen Finger am Abzug bzw. an den Bedienhebeln der Gabel haben, sonst ist mal schnell eine Palette mit Grasrollen im Wert von 800 $ futsch. Je nachdem, wie viel geerntet wird, haben wir nach der Ernte eine viertelstündige Pause, meist gegen halb zehn, in der gefrühstückt werden kann.
Danach heißt es aufräumen. Der Harvester spuckt natürlich nicht nur perfekte Rollen aus und manchmal kommt man auch aus dem Takt, so dass einiges an geernteten Rasen („scraps“) auf dem Erntefeld liegen bleibt. Diesen „Müll“ sammeln wir auf und bringen es mit Traktor und Anhänger zu großen Haufen, der jeweiligen Grassorte entsprechend. Während sich zwei Leute mit dem Aufräumen beschäftigen, warten die anderen beiden Leute eines Teams den Harvester. Er wird gewaschen und gefettet, die Schneidwerkzeuge werden gewechselt und alles für den nächsten Tag vorbereitet. Auch die übrigen Traktoren müssen gewaschen und von Grasresten befreit werden. Nun ist es Zeit für die Mittagspause („lunch-break“) gegen 12:30 Uhr. Alle nutzen den kleinen Toaster-Ofen und die Mikrowelle im Büro um sich Sandwiches, Nudeln oder Fertiggerichte zu machen. Da kann es schon manchmal ein wenig Stau geben. Danach sitzen wir mit unserem Essen vor dem Büro im Schatten, entspannen uns und schnacken mit den Aussis und den anderen Backpackern.
Um eins geht’s weiter, noch dreieinhalb Stunden Arbeitstag liegen vor mir. Jetzt muss normalerweise der Rasen für die nächste Ernte vorbereitet werden. Teams gibt es jetzt nicht mehr, Aufgaben werden einfach so zugeteilt. Normalerweise wird in der zweiten Tageshälfte Rasen gedüngt, gemäht, gesaugt (mit einem speziellen Traktor-Rasenstaubsauger, „Charterhouse“ genannt), Holzpaletten repariert, Schneidwerkzeuge der Harvester geschärft und gedüngt. Manchmal ist es ab mittags ein bisschen zäh, vor allem, wenn weniger Aufgaben als Leute da sind und sich jeder eine Beschäftigung suchen muss, um nicht früher Schluss machen zu müssen (alle wollen ja Geld verdienen). In der letzten Woche haben wir einen neuen Wohncontainer („Donga“) aufgestellt, der mit Strom und Wasser versorgt werden muss. Also habe ich nach Ernte und Aufräumen viel mit Gräben ausheben, Rohre verlegen und anderen Bauarbeiten zugebracht.
16:30 Uhr – Feierabend („knock-off“). Im Büro fülle ich noch schnell meinen Tageszettel („time-sheet“) aus und dann geht’s meist direkt unter die Dusche.
Freitags ist schon um 15:30 Uhr Schluss. Dann sitzen alle noch vor dem Büro, machen Witze und genießen zwei Flaschen kaltes Bier auf Kosten der Farm. Dazu taucht noch Farm-Nachbar Tom auf. Er baut auf dem Grundstück nebenan Wein an und hält ein paar Schafe. Das ist eigentlich eine ziemlich entspannte Sache. Man kann ein bisschen sein Englisch praktizieren und vor allem die Aussis und ihre Eigenarten verstehen lernen.
Überhaupt geht es auf der Farm sehr entspannt zu. Niemand macht einem Druck oder schaut einem ständig über die Schulter. Aufgaben kann man sich eigenverantwortlich einteilen und auch seine Arbeitstempo legt man, außer beim Ernten, selbst fest. Aber das scheint durchaus üblich zu sein hier. Arbeitnehmer sind in Australien in einer guten Position, weil immer Leute gesucht werden. Letztens gab es einen nationalen Feiertag, der auf den Sonntag fiel – in Deutschland würden sich die Arbeitgeber freuen. In Australien gibt es in solchen Fällen einfach am folgenden Montag landesweit frei.
Johanna:
Um 5:30 Uhr klingelt Sebastians Wecker und macht mich natürlich mit wach. Da er morgens auch immer hübsch das Licht im Auto anmacht, ist an weiterschlafen nicht zu denken, obwohl mein Arbeitstag erst um sieben beginnt.
Trotzdem bleibe ich noch ein bisschen liegen, schon deshalb weil es morgens mittlerweile so kalt ist, dass kleine Eiskristalle auf unseren Fensterscheiben zu sehen sind. Wenn dann um sechs die Harvester und anderen Traktoren direkt neben Maggie vorbeifahren, macht das aber auch keinen Spaß mehr, also stehe ich auf und ziehe meine Arbeitsklamotten an. Schon allein in die Stahlkappen-Schuhe zu kommen dauert mehr als fünf Minuten. Ich gehe mir im Duschcontainer die Zähne putzen und schaue auf dem Rückweg zu Maggie kurz im Büro vorbei um mir eine Tasse Kaffee zu holen. Meistens mache ich mir noch ein bisschen Obst, räume Maggie auf und warte, dass es hell wird.
Viertel vor sieben finde ich mich dann im Büro ein und wasche noch schnell das Geschirr vom letzen Abend ab, bevor es an die Arbeit geht. Jeden Morgen habe ich die große Hoffnung, dass es viel Rasen zu mähen gibt, weil das meine Lieblingsaufgabe ist. Meistens lässt mich Alana, die überwiegend die Aufgaben für die wenigen Mädels verteilt) morgens meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen. Dann heißt es Mäher aus der Garage holen, Öl und Wasser checken, betanken, iPod in die Ohren und los. Morgens Rasen mähen ist toll. Mann dreht seine Runden auf dem Gras, kann wegen der niedrig stehenden Sonne gut sehen, wo man schon gemäht hat und wo nicht (was später am Tag ziemlich schwierig ist, wenn es keinen Schatten gibt) und man kann im Licht der aufgehenden Sonne über die ganz Weite der Landschaft schauen. In der letzten Zeit war es morgens fast immer bewölkt, dafür gab es dann auch wunderschöne, große Regenbogen zu bestaunen.
Um 9:30 Uhr finde ich mich dann ebenfalls zur Frühstückspause im Büro ein und hoffe, dass es noch mehr zu mähen gibt. Wenn dem so ist, muss ich den Rasenmäher wechseln, weil es dann auf eine andere Grassorte geht und die Grassorten nicht verunreinigt werden sollen. Nach dem Mähen werden die Rasenmäher mit einem übergroßen Fön ausgeblasen und gewaschen und ab und zu auch geschmiert. Das ist eine furchtbare Arbeit. Ich finde immer nur die Hälfte der blöden Schmiernippel, die vor allem auf der Unterseite des Mähers zu ertasten sind. Und man macht sich furchtbar dreckig mit dem ollen Schmierfett. Naja, was sein muss, muss sein.
Nach der Mittagspause (in der ich wegen der ansteigenden Hitze die Hälfte meiner Klamotten ausgezogen und Sunblocker aufgetragen habe) kommt dann der langweilige Teil des Tages, weil meistens Unkrautläufe („weed-walks“) zu machen sind. Dabei gehe ich mit meiner Kollegin Kaylie über einen bestimmten Abschnitt einer bestimmten Grassorte und suche nach Unkraut oder Grassorten, die dort nicht hingehören. Je nachdem, worum es sich handelt, werden dann entweder kleine Flaggen in den Boden gesteckt, weiße Farbkreise um die Stelle gesprüht oder die Pflanze ausgegraben. Dort, wo Flaggen in den Boden gesteckt werden, muss man dann am nächsten oder übernächsten Tag wieder hin, um die „störenden“ Grassorten mit Chemikalien zu behandeln. Das kann in richtige Arbeit ausarten. An einem Tag hatten wir schon mal 290 Flaggen zu bearbeiten.
Wenn größere Flächen von Unkraut zu behandeln sind, hat das den angenehmen Nebeneffekt, dass ich mit einem coolen Quad mit eingebautem Chemikalientank durch die Gegend cruisen darf.
Manchmal fallen auch andere Aufgaben an, wie zum Beispiel die Duschen oder das Büro sauber machen, die Zählerstände an den Sprinkleranlagen und Traktoren kontrollieren oder Pfähle anstreichen. Um 16:30 Uhr ist dann auch für mich Feierabend.
Johanna und Sebastian:
Nach knock-off und Dusche kommt dann das Backpacker-Leben. Wir schmeißen unseren einflammigen Butan-Gaskocher („Gasmate“) an. Da wir nur mit einem Topf kochen können, bewegt sich die kulinarische Vielfalt zwischen Pasta, Rüherei und Baked Beans aus der Büchse. Nebenher gibt’s ein Gläschen aus der großen Weinflasche von Nachbar Tom. Irgendwann trudelt auch unser japanischer Backpacker-Kollege namens Ryuji (Spitzname: Ricemaster) ein, der jeden Abend mindestens 45 Minuten über die Farm läuft, um Handyempfang zu bekommen und seiner Freundin eine SMS zu schicken.
Gegen halb sieben ist es stockduster. Nachdem alle ihre Mahlzeiten verputzt haben, sitzt man noch ein bisschen zusammen und schnackt, bevor man sich gegen sieben in seine jeweilige Behausung verkrümelt. Wir lesen dann noch ein bisschen oder gucken DVD auf dem Laptop, bis wir spätestens um neun Uhr wegratzen.
Einzige Ausnahme in diesem abendlichen Ritual ist der Donnerstag. Denn donnerstags haben die Supermärkte bis 21 Uhr auf. Nach Feierabend nimmt man eine kleine Dusche und fährt dann die ca. einstündige Strecke zum nächsten Supermarkt um für die nächste Woche Lebensmittel einzukaufen.
Die letzten zwei Wochenenden haben wir uns einen Aufenthalt in Perth gegönnt, wie ihr an unseren Blogeinträgen ja bemerken konntet. In den nächsten Wochen werden wir allerdings häufiger Mal übers Wochenende auf der Farm bleiben um Geld zu sparen, denn die Unterkünfte in Perth und das Benzin für die Strecke hin und zurück sind ziemlich teuer und wir wollen ja Geld sparen für unsere Weiterreise. Wir werden also in den nächsten Wochen nur sporadisch per Internet oder Handy zu erreichen sein. Wenn ihr nichts von uns hört, ist also alles gut.
Eingestellt von
Sebastian
um
18:36
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