Donnerstag, 18. Dezember 2008

Nektarinen, Carmina Burana und verbrannter Gummi

Von einigen Lesern sehnlichst erwartet, folgend nun ein kleines Update zu unseren Erlebnissen in letzter Zeit.

Im Obstgarten gegenüber, auf dem wir ja im August fleißig Pflaumenbäume beschnitten haben, fand in den vergangen Wochen die Ernte der Steinfrüchte statt. Neben Pflaumen wurden auch weiße und gelbe Nektarinen gepflückt. Zeit für uns, den Millers (Todd und seiner Familie, siehe Blogeinträge im August) ein Besuch abzustatten und vielleicht ein paar Früchte abzustauben. Tatsächlich: nach einem netten Abend bekamen wir dann zwei große Stiegen mit Nektarinen und Pflaumen mit, frisch vom Baum. Das Tolle ist neben dem fantastischen Geschmack vor allem der intensive Geruch, den die Früchte aus dem Supermarkt meist gar nicht mehr haben. Über ein Woche lang hielt sich das Bouquet des Steinobstes in unserem Donga und sobald wir eintraten stellte sich ein plötzlicher Appetit auf Früchte ein.

Ein weiterer Höhepunkt der letzten Wochen, zugegebenermaßen eher für mich denn für Johanna, war der Besuch eines Dragster-Rennens an einem Freitag Abend in Perth. Als Drag-Racing bezeichnet man Beschleunigungsrennen auf einer Geraden über eine Distanz von ca. 402 m (viertel Meile), bei dem in der Regel zwei Fahrzeuge gegeneinander um die Wette fahren. Der Schnellere gewinnt. Jetzt denken wahrscheinlich die meisten von Euch an irgendwelche prolligen Golf und Opel-Treffen, bei denen „Junggebliebene“ ihre Autos verheizen – wie langweilig. Beim professionellen Drag-Racing treten jedoch Fahrzeuge an, die speziell nur für solche Rennen gebaut werden, was die Sache doch spektakulär macht. Es gibt verschiedene Fahrzeugklassen, die höchste Klasse bezeichnet man als Top Fuel, da diese Fahrzeuge nicht mit herkömmlichen Benzin sondern einem Gemisch aus Nitromethan und Methanol befeuert werden. Das klingt schon gefährlich und tatsächlich leistet ein solcher V8-Motor ca. 8000 PS und katapultiert das Vehikel samt Fahrer in ca. 4-5 Sekunden über die Distanz der viertel Meile, Endgeschwindigkeit ca. 500 km/h. Die Bremsfallschirme sind keine Attrappe. Das solche „Autos“ natürlich über keine Auspuffanlage, geschweige den einen Schalldämpfer verfügen, versteht sich von selbst und so fühlt sich das Vorbeifahren des Boliden an, als würde man gerade Zeuge eines mittelschweren Erdbebens – im wahrsten Sinne Wortes atemberaubend.Todds Schwipp-Schwager ist zufällig Mechaniker in einem der Top Fuel-Teams und so bekamen wir zwischen den Rennläufen einen exklusiven Einblick in die Welt der Beschleunigungsrennen. Nach jedem Lauf wird nämlich der Motor bis auf den Block sofort komplett zerlegt und anschließend mit neuen Kupplungsscheiben, Kolben und Kurbelwelle wieder zusammengesetzt – Dauer: knapp 45 Minuten. Dabei müssen die Mechaniker sehr vorsichtig sein, denn die Teile des extrem heißen Motors kann man drei Stunden später noch als Tauchsieder verwenden. Für alle, die es interessiert: So ein Top Fuel Dragster verbraucht ca. 5-7 l … pro Sekunde. Gut, dass das Rennen spätestens nach fünf Sekunden vorbei ist.

Ein australisches Erlebnis der leiseren Art sollte es am Abend darauf geben. Das Symphonie-Orchester Western Australiens veranstaltete im Zentrum von Perth am Ufer des Swan River ein kostenloses Open-Air-„Konzertchen“. Auf dem Programm standen Evergreens der Klassik. Natürlich genau das Richtige für Johanna und ich muss zugeben, auch mich reizte die Vorstellung von angenehmer Musik mit kulinarischen Leckereien auf einer Wiese unter freiem Abendhimmel, als Ausgleich zum Erdbeben-Nitromethan-Getöse des Vorabends. Bewaffnet mit Picknickdecke, Erfrischungsgetränken und Programmflyer fanden wir uns um 19.30 Uhr auf einer großen Rasenfläche direkt vor der Skyline Perths ein. Vorausgegangen war ein ausgiebiger aber erfolgloser Shopping-Nachmittag in Perth, so dass wir froh waren, es uns endlich bequem machen zu können. Kurz vor Beginn des Konzerts gesellte sich noch Jens unser Arbeitskollege mit seinen Freunden Birte und Heinz dazu. Und dann ging es los. Die Akustik war erstaunlich gut für diese offene Fläche. Interessant waren die Leute um uns herum: von offensichtlichen Klassik-Fans, die jedes Stück mitdirigierten, über asiatische Touristen, die mit ihrer „Kompaktdigitalkamera“ verzweifelt versuchten, die 200 m entfernte Bühne zu beblitzen, bis hin zu biertrinkenden Football-Trikot-Trägern, war alles vorhanden. In das Stück „1812“ von Tschaikowsky wurden sogar echte Kanonenschüsse eingebaut (Anmerkung von Johanna). Nach anderthalb Stunden war leider alles schon vorbei. Die Atmosphäre war trotzdem toll, auch wenn die Musik des Abends nicht von E-Gitarre, Bass und Schlagzeug gemacht wurden.

Nun ist es nur noch ein Woche bis Weihnachten und das weiß ich nur, weil es mir mit Schrecken aufgefallen ist, als ich heute nach getaner Arbeit auf meinem Stundenzettel das Datum eingetragen habe. Es ist aber auch schwierig an Weihnachten zu denken, wenn sich Australien wettertechnisch gerade von seiner besten Seite zeigt und das Thermometer regelmäßig im 30er Bereich den Tag verbringt. Als Nordhalbkugellaner sind wir wohl einfach anders konditioniert. Nur Donnerstags, wenn wir einkaufen fahren, werden wir im Konsumtempel unserer Wahl durch allerlei Dekoklimbim, Xmas-Specials, die vielen Süßigkeiten und spätestens den Santa Claus vorm K-Mart, mit dem man sich fotografieren lassen kann, an das Fest der Liebe erinnert: „Ach ja, da war ja was demnächst!“

Allen Lesern dieses Blogs wünschen wir nichtsdestotrotz einen fleißigen deutschen Kollegen von Santa Claus, und, falls wir uns nicht noch einmal lesen vorher, einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Donnerstag, 20. November 2008

Pferderennen und Kunstflug

Zwischen der vielen Arbeit sind wir nun endlich wieder einmal dazu gekommen, einen neuen Blogeintrag zu schreiben.
Ein paar Neuigkeiten zu erzählen gibt es ja doch immer.

An einem der letzten Wochenenden waren wir zum Beispiel samstags in Perth und haben uns das Red Bull Air Race angeschaut. Dieses fand über dem Swan River statt, so dass wir uns mit Hunderten anderer Schaulustiger auf den Rasenflächen der Ufer einfanden. Es war ein wunderschön sonniger Tag und wir picknickten und genossen die Sonne. Sehr erholsam.
Am Sonntag haben wir dann Patricks Eltern mal wieder besucht und sind wie immer herzlich empfangen und bewirtet worden. Und wir sind bei Patricks Eltern zu Weihnachten eingeladen. Allerdings wurde uns erklärt, dass hier die Woche zwischen Weihnachten und Silvester hauptsächlich aus drei Dingen besteht… Bier trinken, BBQ und Hitze. In dieser Reihenfolge. Am Weihnachtstag sollen hier wohl normalerweise 40°C sein. Diese Art von Weihnachten kommt mir zwar sehr merkwürdig vor, aber so besteht wahrscheinlich weniger Gefahr, dass wir zu Weihnachten richtig gemeines Heimweh bekommen.

Am Sonntag darauf haben wir dann auch mal unsere alten Chefs Alana und Greville besucht. Die haben jetzt ein hübsches Häuschen in Perth. Alana arbeitet mittlerweile in einem Altersheim in der Verwaltung und Greville fährt jetzt beruflich Trucks. Wir haben zusammen gebruncht, haben einen Ausflug zu einem kleinen Markt und durch die Hügel von Perth gemacht und haben dann abends mit größerer Familie noch ein BBQ veranstaltet.

Dann folgte am Dienstag der Woche der Melbourne-Cup. Laut Zeitung „The race that stops Australia“. Ich hatte gar keine Vorstellung davon, was das eigentlich ist. Ich dachte, es ginge um Segeln, bis mir Patricks Mutter erklärte, es handele sich um ein Pferderennen. Und tatsächlich interessieren sich an diesem Tag so gut wie alle Australier für dieses Ereignis. Wir haben sogar um 4 Uhr morgens mit der Ernte angefangen, damit Trevor und Patrick früher Feierabend machen können und das Rennen um 13 Uhr nicht verpassen. Patricks Familie hatte per Aus-dem-Hut-zieh-System jedem Familienmitglied und Freund der Familie zwei Pferde zugeteilt und jeder gab dafür $5 in den Wettetopf. Wessen Pferd gewinnt, der gewinnt den Topf. Meine Pferde hießen „Veneer“ und „Viewed“, Sebastian erhielt „Price Lady“ und „Bauer“. Um 13 Uhr legten wir also die Arbeit nieder und sammelten uns in Trevors Haus, um das Rennen zu verfolgen. Weder Sebastian noch ich hatten eine Ahnung davon, welche Farbe oder Nummer unsere Pferde hatten, so dass wir nicht richtig mitfieberten. Das Rennen endete mit einem Fotofinish und dann erfasste mich doch die Aufregung, denn ich konnte auf der Decke eines der beiden Pferde den Namen „Viewed“ lesen. Patrick , Trevor und Mandy hatten beim Wettbüro gewettet und schmissen schon enttäuscht ihre Scheine weg, weil ihre Pferde definitiv nicht gewonnen hatten. Und dann wurde verkündet, dass „Viewed“ der Sieger des Melbourne-Cups sei!!! Ich, Ausländerin und keine Ahnung von Pferderennen hatte den Topf gewonnen. Und was die Aussies dann richtig geärgert hat war: Das zweite Pferd im Foto-Finish war tatsächlich „Bauer“ – Sebastians Pferd. Wir hätten also auf jeden Fall Glück gehabt. Hihi.

Ach ja, dann gibt es noch von zwei Naturphänomenen zu berichten.
Nummer eins war ein 360°-Regenbogen! Eines Tages war es tatsächlich so feuchtwarm, dass sich rund um die Sonne ein kompletter Regenbogenring gebildet hatte. Über zwei Stunden konnte man den beobachten. Spektakulär!

Nummer zwei war die Sichtung meiner ersten lebendigen Giftschlange. Letzten Sonntag habe ich zum Zusatzverdienst ein bisschen Rasen gemäht, als ich in ungefähr 2 Meter Abstand von meinem Rasenmäher (so einer, wo man draufsitzt) eine ca. 1,30m lange braune Schlange im Gras liegen sah. Da lief mir schon ein ordentlicher Schauer über den Rücken. Irgendwie war sie ziemlich träge und bewegte sich nicht weg. Also bin ich mit dem Rasenmäher näher an sie heran gefahren um sie auf eine der Flächen zu scheuchen, die ich nicht mähen musste. Dorthin hat sie sich dann auch mal bequemt. Allerdings hob sie dort angekommen ihren kleinen Kopf, musterte mich angriffslustig eine ganze Weile und züngelte in meine Richtung. Tapfer habe ich meine Aufgabe wieder aufgenommen und die Schlange hat davon gelangweilt nach einiger Zeit das Weite gesucht. Bei der Schlange handelte es sich um eine Dugite-Braunschlange. Laut Wikipedia gilt die Braunschlange nach dem Inlandtaipan als zweitgiftigste Landschlange der Welt. Jaja… beschauliche Sonntage in Australien…
Die Australier um mich herum konnten übrigens überhaupt nicht verstehen, warum ich die Schlange nicht mit dem Rasenmäher überfahren habe. Wie ekelig!

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Zurück in der Rasenindustrie

Nachdem wir nun schon über zwei Wochen zurück im Rasenbusiness sind, wollen wir doch mal einen Bericht in die Heimat schicken.
Wir sind also am Montag, den 13.10. zur Farm gefahren, nachdem wir uns in unserm angestammten Shoppingcenter 70 km vor der Farm mit Lebensmitteln eingedeckt hatten. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, die altbekannte Strecke wieder zu fahren.

Wir kamen kurz nach der Mittagspause an und wurden von den alten Kollegen herzlich begrüßt. Vor allem von Patrick und Kaylie natürlich. Und da es ein Tag war, an dem die morgendlich Ernte länger gedauert hatte als sie sollte, haben wir gleich angefangen, mitzuarbeiten. Unseren neuen Chef Trevor haben wir natürlich auch gleich kennen gelernt. Er ist so ziemlich das Gegenteil unserer früheren Chefs. Er ist ein richtiger Aussie mit dreifach gepiercten Ohren, immer einen polternden Fluch auf den Lippen, ein entspannter Typ mit unstillbarem Bierdurst. Somit gibt es mittlerweile auch nicht nur freitags ein (oder mehr) von der Firma gesponsertes Feierabendbier, sondern jeden Tag der Woche und das manchmal auch vor Feierabend. Manchmal hat man mehr damit zu tun, Trevor davon zu überzeugen, dass man gerade kein Bier will als man mit Arbeiten zu tun hat.

Momentan gibt es hier viel Arbeit, wir ernten jeden Tag den ganzen Truck voll, manchmal mehr, und haben alle Hände voll zu tun. So sind auch die ersten zwei Wochen sehr schnell vergangen.

Die erste Woche haben wir hier in einem Caravan gewohnt – immerhin schon besser als im Zelt – aber seit dieser Woche leben wir im ungewohnten Luxus. In unserer Abwesenheit wurde hier ein Donga aufgestellt, das hat ein Wohnzimmer mit Küchenzeile, ein Schlafzimmer und ein eigenes Bad! Und darin wohnen wir jetzt.

Ansonsten gibt es nicht viel Neues zu berichten, außer dass das Wetter hier Kapriolen schlägt. Als wir ankamen hatten wir mehrere Tage, an denen es bis zu 38°C heiß und sonnig war. Dann kam ein Tag Regen. Es folgten mehrere Tage, an denen der Himmel von einer dunkelgrauen Wolkendecke bedeckt war, heftige Windböen bliesen und man trotzdem vor schwüler Hitze das Gefühl hatte in einer Waschküche zu stehen. Und in den letzten Tagen war es ziemlich kalt, es regnete hin und wieder und wir haben morgens ganz schön gefroren. Australien ist also auf jeden Fall nicht immer sonnig.

An den nächsten Wochenenden wollen wir dann mal wieder Patricks Familie, Alana und Greville und unseren ehemaligen Chef Todd besuchen. Da haben wir dann wahrscheinlich wieder etwas zu erzählen.

So, nun werden wir wieder früh ins Bett gehen, auch morgen wartet wieder in der Frühe die Rasenernte auf uns.

Montag, 13. Oktober 2008

Bundaberg nach Perth – Überraschende Planänderung

Montag
Wir fahren wie geplant nach Bundaberg. Das ist ein nettes kleines Städtchen, in dem unser mittlerweile so geliebtes Ginger Beer gebraut wird. Bundaberg Rum machen sie hier natürlich auch. Nachdem in Townsville und in den anderen Fruitpicking-Zentren an der Ostküste nicht ein Job zu bekommen war, haben wir uns hier auf einem „Working Caravanpark“ eingemietet. Unsere Reisekasse ist langsam leer und wir müssen wieder ran an die Arbeit. Wir checken also auf dem Campingplatz ein und bekommen schon an der Rezeption ein schlechtes Gefühl. Das mit dem Arbeit besorgen könne ein paar Tage dauern sagt uns die ziemlich unmotivierte Dame. Der Platz ist furchtbar, kein Gras, merkwürdige Gestalten laufen durch die Gegend und spätestens nach dem Blick in den Dusch- und Toilettenblock habe ich einen dicken Kloß im Hals. Ich bekomme Beklemmungen hier. Ich versuche, meine Abscheu herunter zu schlucken und denke mir: „Es ist nur ein paar Wochen zum Arbeiten, reiß dich zusammen!“ Wir bauen unser Zelt auf und dann gehe ich mal zur Informationsbeschaffung rüber zu unseren Backpacker-Nachbarn, von denen einer sogar aus Berlin kommt. Wir können also auf Deutsch quatschen. Die drei Jungs sind seit Cairns (1000 km nördlich) auf der Suche nach einem Job und sind schon seit ein paar Tagen in Bundaberg aber einen richtigen Job haben sie hier auch noch nicht. Morgens um fünf und um sechs kommen wohl immer Busse von den umliegenden Farmen vorbei und sammeln Arbeiter ein, aber da kommt man nur schwer mit. Sie erzählen uns, dass sie bis jetzt Zucchini pflücken waren. Den ganzen Tag vornüber gebeugt stehen und man wird nach gepflückten Eimern bezahlt. Jeder Eimer bringt $2.50. Jeder von den Jungs hat 10 Eimer geschafft… nicht pro Stunde… pro Tag. Ich schaue mir die muskulösen Oberkörper von denen an und bekomme noch mehr Beklemmungen. $25 am Tag Verdienst und dann muss man auch noch $7 für den Bustransport bezahlen. Die Tränen der Verzweiflung lassen sich nur schwer zurückhalten. Wir haben eine gewagte Idee. Was ist, wenn sie auf „unserer“ Turffarm gerade Leute brauchen… es ist Saison. Ich rufe an und tatsächlich (!!!) sie suchen gerade händeringend. Allerdings muss das noch mit dem Chef abgesprochen werden etc. Patrick und Kaylie rufen mich alle zwei Stunden an und halten mich auf dem Laufenden, wie es aussieht. Am Abend kommt leider kein Anruf mehr. Also zittern bis Dienstag.

Dienstag
Wir stehen früh auf, schmieden Pläne für den Fall, dass es mit der Turffarm nicht klappt und für den Fall dass es klappt. Um halb neun unserer Zeit (also halb sieben auf der Turffarm) ruft mich der neue Manager Trevor an und sagt, wir können kommen. Ich könnte hüpfen vor Glück. Auf dem Platz neben uns kommen gerade die Jungs von ihrem „Arbeitstag“ zurück. Sie sind 115km zu einer Farm gefahren, weil ihnen das Camping-Platz-Büro gesagt hat, dort würden heute Leute gebraucht. Als sie dort ankamen wurden sie wieder weggeschickt, weil sie keine Sonnenhüte dabei hatten. Wie deprimierend… das wollen wir uns nicht antun. Wir packen alles ein, und begeben uns auf den wohl sieben Tage dauernden und ca. 4.800 km langen Trip nach Perth zurück. Wir wollen, wenn alles nach Plan verläuft dann dort bis Anfang Januar arbeiten und dann den Teil touristisch „abarbeiten“, an dem wir jetzt nur vorbeidüsen. Also dann im Januar die Südküste über Adelaide, Melbourne, Sydney und Brisbane und dann von der Ostküste aus nach Hause fliegen.
Wir gucken uns schnell in Bundaberg noch die Ginger Beer Brauerein und die Rum Distillerie an und dann rauf auf den Highway. Heute kommen wir bis Toowoomba, laut Wikipedia „nach Canberra die zweitgrößte australische Stadt, die im Inland gelegen ist und keinen Strand aufzuweisen hat“.

Mittwoch
Früh aufstehen, Zelt abbauen, alles einpacken und wieder losfahren. 720 km Strecke nach Dubbo (400 km westlich von Sydney) liegen vor uns. Unterwegs überqueren wir die Grenze nach New South Wales. Unser vierter Bundesstaat, auch wenn wir ihn im Eilverfahren durchqueren werden. Dort kommen wir um 16:30 Uhr an, denken wir zumindest. Nachdem wir im Caravanpark eingecheckt und unser Zelt aufgebaut haben, fahren wir noch mal los zum Einkaufszentrum und wundern uns, warum die meisten Geschäfte schon geschlossen haben obwohl es noch nicht 17:30 Uhr ist. Wir beschließen, das erstmal zu ignorieren und kaufen fürs Abendessen ein. Und auf dem Bon steht dann 17:59 Uhr… auf unseren Uhren ist es 16:59 Uhr. Merkwürdig! Wir sind doch nach Westen gefahren, wie können denn dann die Uhren schon wieder nach vorn gestellt werden? Und außerdem hat doch Australien nur drei Zeitzonen, die wir alle schon durchquert hatten… wir sind ratlos. Mir lässt das Rätsel keine Ruhe und ich frage auf dem Campingplatz einen Nachbarn… es ist tatsächlich hier eine Stunde später als auf unseren Uhren, denn am Sonntag hat die Winterzeit geendet und die Uhren wurden um eine Stunde nach vorn gestellt. Das hatten wir irgendwie zwei Tage lang verpasst. Dachten wir. Aber nein, nach Recherche im Reiseführer ergibt sich Folgendes: Um das Zeitzonen-Chaos in Australien nun noch perfekt zu machen, haben Western Australia, Northern Territory und Queensland keine Winter- und Sommerzeit-Umstellung. Deswegen hatten wir die Umstellung in Queensland auch nicht bemerkt. Herr im Himmel!!!
Wir beschließen, bis zur Ankunft in WA nicht mehr allzu viel auf Uhrzeiten zu geben, essen und gehen ins Bett.

Donnerstag
Die übliche Morgenprozedur… nachdem wir nach durchfrorener Nacht aus dem Zelt gekrochen kommen, Frühstück, Abbau und los. 760 km bis Broken Hill. Auf der Fahrt sehen wir viele frei auf dem Highway laufende Ziegen und Echsen. Ansonsten verläuft die Fahrt ruhig und wir kommen am späten Nachmittag in Broken Hill an. Dies übrigens nachdem wir die Uhr eine halbe Stunde zurück gestellt haben, obwohl wir die Grenze zu South Australia noch nicht überfahren haben. Broken Hill liegt zwar in New South Wales, will aber viel lieber zu South Australia gehören (warum auch immer) und hat deswegen die Telefonvorwahl und Zeitzone von South Australia „adoptiert“. Jaja… die Australier!
Broken Hill selbst ist eine Bergbaustadt und das Bemerkenswerteste ist, dass die Hauptstraßen hier „Chloride Street“, „Sulphide Street“, „Oxide Street“, „Iodid Street“ und so weiter heißen.

Freitag
Heute liegen 870 km vor uns. Wir wollen bis nach Ceduna kommen. Morgens ist es in Broken Hill saukalt und wir sind heilfroh, als wir alles eingepackt haben und uns ins warme Auto setzen können. Auf der Hälfte der Strecke halten wir in Port Augusta und bekommen live einen Gefängnisaufstand mit. Das Gefängnis von Port Augusta liegt direkt am Highway und wir können eine beachtliche Menge Einsatzfahrzeuge und Fernsehübertragungswagen sehen. Später erfahren wir, dass sich die Gefangenen etwa vier Stunden, nachdem wir vorbei kamen ergeben haben und der Aufstand somit friedlich beendet wurde. In der Kleinstadt Ceduna, wo wir unser Zelt aufschlagen, gibt es einen Wegweiser, auf dem schon Perth angezeigt ist. Leider steht dahinter 1960 km.

Samstag
Nach der langen Fahrt gestern wollen wir heute einfach so weit fahren wie wir kommen. Unser Weg wird uns dabei durch die Nullarbor-Wüste führen, die direkt auf die Steilküste des Ozeans trifft. Außerdem bekommen wir ja heute auch 2 ½ Stunden „wieder“, wenn wir die Grenze zu Western Australia überqueren. Und so fahren wir und fahren wir und werden am Ende des Tages 1005 km geschafft haben…
Der Beginn der Fahrt durch die Wüste stimmt mich erstmal ziemlich traurig, denn es liegen viele, viele tote Wombats am Straßenrand. So hatten wir das mit dem Blogtitel nicht gemeint. Ich hoffe, wir bekommen irgendwann noch mal ein lebendiges Wombat zu Gesicht. Entschädigen tut einen für diesen Verlust auf jeden Fall der Anblick, der sich an einigen Stellen an der Küste bietet. Türkisfarbene Wellen klatschen an felsige Steilküsten. Hier endet schroff der Kontinent und in die Richtung in die man guckt kommt nur noch die Antarktis. Wunderschön und beeindruckend.
Die Nacht verbringen wir in Balladonia, einem Roadhouse am Highway. Als ich mir gerade die Zähne putzen gehen will, werde ich von unseren Campingnachbarn auf ein direkt neben mir stehendes Känguru aufmerksam gemacht. Ich hocke mich hin, um es zu betrachten und es kommt noch einen Schritt auf mich zu, steht ca. 50 cm vor mir, schaut mich an und…. lutscht am Daumen! Dabei guckt es ganz versonnen und man hat das Gefühl, es fallen ihm jeden Moment die mit langen Wimpern versehenen Augendeckel zu. Es ist wirklich ein zu niedlicher Anblick. Als ich vom Zähneputzen wiederkomme, ist es immer noch da. Als ich mich hinhocke, kommt es wieder auf mich zugehoppelt. Ich kann diesem niedlichen Wesen einfach nicht widerstehen und bitte Sebastian, einen Reiscracker aus dem Auto zu holen. Das kleine Känguru lässt sich von uns füttern und Sebastian streichelt es sogar ein bisschen.

Sonntag
… ist ein ziemlich ereignisloser Tag. Wir fahren so vor uns hin und sind erstaunt, dass wir um 17 Uhr bereits Perth’ Skyline vor uns sehen und wir somit heute fast 900 km geschafft haben. Wir werden in Perth unsere vorerst letzte Nacht im Zelt verbringen und uns dann am Montag in Ruhe zur Farm aufmachen und vorher groß einkaufen fahren. Jetzt müssen wir uns ja wieder daran gewöhnen, dass man nur einmal, maximal zweimal pro Woche einkaufen fahren kann und deswegen vorausplanen muss.
Aber wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit „unserer alten Farm“.

Montag, 6. Oktober 2008

Alice Springs bis Bundaberg – vom Outback zurück in die Zivilisation

Freitag
Wir starten früh, denn heut stehen ca. 700 km auf dem Programm. Allerdings wird uns der heutige Weg erst einmal in Richtung Norden und nicht in Richtung Osten führen. Eine andere, direktere Verbindung von Alice Springs aus zur Ostküste gibt es nur für Allrad-Fahrzeuge. Öl- und Kühlwasserstand schnell kontrolliert und schon fahren wir den Stuart Highway in die Richtung zurück, aus der wir gekommen sind. Und es ist ganz schön heiß heute. Keine Wolke am Himmel. Dank Tempomat, Lendenwirbelstütze und leerem Highway ist das im neuen Auto aber kein Problem. Ab und zu erlauben wir uns, die Klimaanlage einzuschalten, denn selbst, wenn man das Fenster aufmacht bei 120 km/h, kommt nur warme Luft hinein.

Unterwegs begegnen uns wieder die beeindruckenden, riesigen Keilschwanz-Adler, die sich aber meist vom Känguru-Kadaver erheben, bevor Johanna sie mit der Kamera fokussieren kann. „Meist“ deswegen, weil einer der Adler vom frischen Känguru-Fleisch nicht lassen kann, und erst in letzter Sekunde und auch noch unsere Richtung los fliegt. Natürlich erhebt sich so ein Kavenzmann nicht flink wie ein Spatz in die Lüfte und ich muss schon ein wenig mehr als üblich ausweichen, damit er nicht in unseren Dachgepäckträgern hängen bleibt.

Nach ca. 400 km erreichen wir die Devil’s Marbles (Karlu Karlu) ein Gebiet, dass für die hier lebenden Ureinwohner heilig ist und aus vielen, von der Witterung rund geformten Felsen besteht, die Teil eines riesigen unterirdischen Granitmassivs sind. Leider ist es brütend heiß hier, so dass wir keine Wanderung unternehmen, sondern nur die obligatorischen Tourifotos knippsen und uns weiter auf den Weg machen. Ureinwohner treffen wir, wie am Uluru und den Kata Tjuta übrigens auch, nicht an. Komisch!

Nach weiteren rund 300 km kommen wir an unserem heutigen Nachtlager an, einem kleinen Roadhaus mit angeschlossenem Campingplatz am bereits nach Osten führenden Barkly Highway. Wir schlagen unser Zelt auf und lassen bei Spaghetti Bolognese und einem kühlen Ginger Beer den Tag ausklingen. Abends wird es angenehm kühl und wir könnten sehr gut schlafen, wäre da nicht eine störende aber notwendige Sache: ein Dieselgenerator (die meisten Roadhäuser im Outback sind elektrisch autark) rund fünfzig Meter entfernt vom Zelt sorgt zwar für Licht, jedoch auch dafür, dass an Tiefschlafphasen des nächtens nicht zu denken ist.

Samstag
Der Dieselgenerator lässt uns früh aufstehen und nach Kaffe und Sandwich/Müsli machen wir uns auf die heutige Etappe, die uns nach Mount Isa führen soll, die nach australischen Angaben flächenmäßig größte Stadt der Welt. Wir haben im Vorfeld recherchiert und wissen, dass der Begriff Stadt sehr unterschiedlich definiert ist und es in der Welt auch flächenmäßig größere Städte als Mount Isa gibt. Also erwarten wir uns nicht zu viel und freuen uns vor allem auf niedrige Lebensmittel- und Spritpreise, die größere Städte im Outback mit sich bringen. Auf der Fahrt überqueren wir die Grenze nach Queensland, unserem dritten Bundesstaat bis jetzt (unsere Zeitverschiebung beträgt ab jetzt +8 Stunden). Anfangs ist die Landschaft flach und weitläufig mit eher spärlicher Vegetation. Ca. 100 km vor Mt. Isa wird es wieder bergiger, grüner und es gibt ein auch ein paar Kurven für Howard Holden. Wir sehen unseren ersten Dingo, leider haben wir die Kamera nicht zur Hand. Ist aber eh kein Prachtexemplar, so ausgehungert und ausgedürrt, wie er über die Straße schleicht. Tatsächlich reißt uns Mount Isa nicht von Hocker, als wir ankommen. Aber der Campingplatz bietet ein schattiges Plätzchen und Ruhe für die kommende Nacht.

Sonntag
Die Fahrt heute führt uns nach Hughenden, einem kleinen verschlafenen und typischen Ort, mit schnuckeliger Einkaufstraße, auf der man am Sonntag außer seinem eigenen Schatten niemanden antrifft. Der Campingplatz liegt am örtlichen Güterbahnhof und bietet überraschenderweise dennoch Ruhe in der Nacht zum Montag.

Montag
Heute wollen wir es bis Townsville schaffen. Auf dem Weg kommen wir in Charters Towers vorbei, einem niedlichen und keineswegs verschlafen Städtchen rund 100 km vor Townsville. Wir nehmen uns ein wenig Zeit und schlendern die Hauptstraße mit ihren vielen kleine Boutiquen, Cafés und hübsch verzierten Häusern entlang. Man merkt, dass man sich dem dicht besiedelten Osten Australien nähert. Auch auf dem Highway nach Townsville ist mehr los und wir fühlen uns ob der Verkehrsdichte an Brandenburgs Landstraßen erinnert, wenngleich die hügelige, sehr grüne Landschaft der Great Dividing Range eher dem Südosten Chinas gleicht.

Dienstag
Unser Campingplatz in Townsville, den wir am Nachmittag des Vortages bezogen haben, bietet zwar Schatten und Internet, liegt dafür aber leider an einem Stück des Highways, das gerade ausgebaut wird. Die Geräuschkulisse wird daher vornehmlich vom Verkehr und dem stetigen „Gepiepe“ rückwärts fahrender Baufahrzeuge geprägt (dieses Warnsignal ist hier Pflicht für größere Fahrzeuge). Wir beschließen, heute Ausschau nach einem Job zu halten und klappern erst einmal die Hostels in der Innenstadt Townsvilles ab. Das Zentrum vom Townsville bietet durchaus eine moderne Stadtkulisse und vom Castle Hill, dem 300 m hohen „Hausberg“ der Stadt, hat man einen wunderbaren Ausblick über die Stadt, den Pazifik und das vorgelagerte Magnetic Island. Leider erweist sich unsere Job-Suche hier als ergebnislos, selbst ein großes, landesweites Zeitarbeitsunternehmen kann uns nichts anbieten. Wir klappern telefonisch noch die umliegenden Rasenfarmen ab, die aber auch kein Personal benötigen. Weiter im Süden, so lesen wir in einer Backpacker-Broschüre, gibt es aber eine Menge Fruit-Picking und so beschließen wir, am nächsten Tag Richtung Süden aufzubrechen.

Mittwoch
Wir folgen dem Highway Richtung Bundaberg, wo wir in Airlie Beach aber nach 250 km unser Lager aufschlagen. Airlie Beach ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Kreuzfahrten zum Great Barrier Reef und den vorgelagerten Trauminseln, den Whitsunday Islands. Der Ort selbst ist äußerst touristisch und so buhlt ein Kreuzfahrt-Reisebüro am nächsten um die Gunst williger Insel-Kreuzfahrer. Nachdem wir uns heute ausnahmsweise ein Abendessen aus der Büchse besorgt haben, verbringen wir den Abend auf unserem ausgebuchten Campingplatz. Dort machen wir die Bekanntschaft mit einer netten Familie aus Adelaide, es sind im ganzen Land gerade Schulferien und viele Kinder auf dem Campingplatz.

Donnerstag
Wir wachen auf und es regnet. Also beschließen wir kurzer Hand, den Tag zu nutzen, um nach einer Werkstatt zu suchen, denn das Auto quietscht ein wenig, eigentlich quietscht der Keilriemen, obwohl er straff sitzt. Zunächst fahren wir erst einmal zum Autoteilehandel, denn unsere Scheibenwischer sind schon sehr verschlissen (was wir bisher mangels Regen nicht bemerkt haben) und vermögen es nicht, den Regen von unserer Windschutzscheibe zu wischen und für klare Sicht zu sorgen. Um die Zeit totzuschlagen fahren wir ins Landesinnere nach Proserpine, wo wir die Haupt- und Einkaufsstraße gemütlich entlang schlendern. Danach verschlägt es uns erneut nach Airlie Beach, wir spazieren ein wenig am Strand entlang und beobachten einen Kite-Surfer, der in der Bucht verzweifelt versucht gegen den böigen Wind zu kreuzen. Am Nachmittag klart es ein wenig auf und wir fahren zurück zum Campingplatz. Vorher natürlich noch schnell zur Werkstatt. Der Inhaber hat eigentlich keinen Termin mehr frei. Nachdem ich ihm meine Vermutung mit dem Riemen schildere, guckt er kurz unter die Haube und verschwindet in der Werkstatt, um schließlich mit einem kleinen Sprüher Siliconspray dem quietschenden Riemenproblem ein Ende zu machen. Dafür berechnet er nichts. Cool! Glücklich und vor allem leise kehren wir zum Campingplatz zurück. Nach Kartoffelbrei mit leckerem Rosenkohl gehen wir früh schlafen, denn am nächsten Tag haben wir einiges vor.

Freitag
Heute wollen wir die Whitsunday-Inseln erkunden, die von James Cook am Pfingstsonntag 1770 besegelt wurden und nach selbigem Tag benannt sind. Leider können wir es James Cook nicht gleichtun, da ein Segelturn durch die Whitsundays auf einer gecharterten Yacht unser Budget sprengen würde. Wir haben uns für eine etwas modernere, preiswertere und noch dazu flexiblere Art des Kreuzfahrens entschieden. Mit einem Hopperticket kann man die regelmäßig verkehrenden Fähren zwischen den Inseln eine ganzen Tag lang pauschal nutzen. So stehen wir schon um halb sechs morgens auf um die erste Fähre um sieben Uhr zu erwischen, die uns nach Daydream-Island trägt. Diese Insel ist die kleinste der Inseln die wir heute besichtigen werden. Als wir um halb acht ankommen, ist in den beiden Hotelresorts noch alles ruhig und wir können die Insel erst einmal ohne Menschenkontakt erkunden. Nach einer Stunde sind wir einmal um die Insel gelaufen und versuchen uns vor dem gerade einsetzenden Nieselregen im Resort in Sicherheit zu bringen. Das Wetter scheint sich heute wieder von seiner feuchten Seite zu zeigen. Auf der Erkundungstour haben wir einen großen weißen Kakadu und ein seltenes Rock-Wallabie gesehen. Wildlife pur. Im Resort ist mittlerweile schon alles lebendig und viele Leute sind unterwegs. Bemerkenswert ist das ressorteigene kleine künstliche Riff mit Rochen und Riffhaien und vielen bunten Fischen. Wir bummeln noch ein wenig durch das Ressort, bevor wir uns gegen halb elf am Anlegesteg (Jetty) sammeln um die Fähre nach Long Island zu nehmen. Dort angekommen begeben wir uns auf Wanderschaft, um die wirklich einsamen Strände zu finden, was uns mit Palm Bay auch fast gelingt – nur das abgeriegelte Ressort dort stört ein wenig. In einem Mangroven-Strändchen beobachten wir witzigen kleine Fische, die über den Kiesstrand hüpfen und scheinbar auch für längere Zeit außerhalb des Wassers existieren können. Vielleicht weiß jemand, wie man diese Fische nennt (Fotos im Album) und kann es als Kommentar posten. Letzte Insel ist South-Molle-Island, die ruhigste aller besichtigten Inseln. Leider haben wir nur ca. ein Stunde Zeit zur Erkundung, wir müssen die letzte Fähre bekommen, denn eine unfreiwillige Übernachtung würde uns im günstigsten Fall 400 $ kosten. Blöderweise entdecken wir hier unseren einsamen Traumstrand, haben jedoch keine Zeit zur Rast und beschließen deswegen, noch einmal wiederzukommen, wenn wir im Lotto gewonnen haben sollten. Um sechs Uhr abends sind wir wieder im Hafen von Airlie Beach, kaufen noch schnell fürs Abendessen ein und gehen relativ erschöpft vom Island-Hopping früh schlafen. Angemerkt sei, dass wir nicht in den Genuss der Hauptinsel Whitsunday Island mit dem Whitehaven Beach (weißester Strand der Welt, bekannt aus der „Australien-Kinowerbung“) gekommen sind, da die Insel weiter weg vom Festland liegt und von den regelmäßigen Fähren nicht angefahren wird.

Samstag
Wir bauen unser Zelt nach einem stärkenden Frühstück ab und machen alles für die Weiterreise klar. Bei der Verabschiedung von unseren Nachbarn, schwatzen wir noch ein wenig. Craig und Lisa, so heißen die beiden, laden uns zu Bier und Pool-Billiard ein, sobald wir nach Adalaide kommen. Klasse. Einmal mehr zeigt sich, dass man mit den Einheimischen eher auf Campingplätzen als in Backpacker-Hostels ins Gespräch kommt. Die 450 km-weite Fahrt bringt uns kurz vor sechs Uhr abends ans Ziel. Wir checken kurz vor Feierabend der Rezeption auf einem ruhigen Campingplatz in Strandnähe zwischen Yeppoon und Emu Park ein und machen uns nach selbstgemachtem Cheeseburger-Abendbrot einen gemütlichen DVD-Abend.

Sonntag
Da wir am Montag nach Bundaberg weiterreisen werden, wo wir wahrscheinlich schon am Dienstag wieder Arbeiten werden, beschließen wir, den Sonntag mit Nichtstun zu verbringen. Wir schauen uns die Strände an, sammeln Muscheln, fotografieren, schreiben Blog und räumen unser Auto auf. Highlight des Tages ist ein kleiner (ca. 40 cm langer) Waran, der etwas unbeholfen aussehend, über den Campingplatz kriecht. Johanna kann er jedenfalls keinen Schreck mehr einjagen. Eigentlich ist er niedlich. (Kommentar von Johanna: Nicht wirklich!!!)

Donnerstag, 25. September 2008

Von Darwin nach Alice Springs – Introducing Howard Holden und Frieren in der Wüste

Dienstag
Leider kann sich Lyn erst abends mit uns treffen, um das Auto zu übergeben. Deswegen gammeln wir den ganzen Tag erwartungsvoll in der Gegend herum. Am frühen Nachmittag halten wir es in der Hitze nicht mehr aus, flüchten in ein klimatisiertes Einkaufszentrum und schlagen dort weiter die Zeit tot.
Um halb sieben ist es endlich so weit, wir treffen uns mit Lyn um den Kauf perfekt zu machen. Wir füllen alle Papiere aus und begeben uns dann zu ihrem Computer, um die $3200 von unserem Konto auf das ihre zu transferieren. Leider stellen wir dabei fest, dass unser Tageslimit bei der Bank nur $1000 beträgt. Auch ein Anruf beim Servicecenter der Bank ändert daran leider nichts. Was nun? Wir entsinnen uns unserer deutschen EC- und Kreditkarten und machen uns auf den Weg zum nächsten Geldautomaten. Dort ziehen wir unter Zuhilfenahme wirklich aller Karten die Summe, die wir brauchen. Dummerweise geben australische Geldautomaten als größte Banknote $50-Scheine aus, so dass wir mit einem dicken Bündel Geld bei Lyn auftauchen. Wir kommen uns ein bisschen wie Gangster vor mit dem Paket Geld in der Hand. Dann ein schneller Tausch Geld gegen Auto und wir rauschen mit Miet-Van und Holden glücklich ab.

Mittwoch
Es gibt viel zu tun. Alles muss vom Miet-Van irgendwie sinnvoll in den natürlich kleineren Kombi gepackt werden. Sebastian fährt unser neues Auto erstmal zum aussaugen, bevor wir mit dem Einpacken anfangen können, denn Lyn hatte einen ziemlich haarigen Hund, der wohl öfter mal hinten drin mitgefahren ist. Ich packe derweil alles aus dem Van aus und bekomme ein bisschen Angst, dass der ganze Kram nicht ins neue Auto passt.
Wir packen dann alles zusammen und siehe da… es ist sogar noch Platz! Dann fahren wir mir beiden Autos los um den Van wieder abzugeben. Was bin ich froh dieses eklige, siffige Auto los zu sein! Anschließend sind wir den ganzen Tag unterwegs, Auto offiziell ummelden, Versicherung abschließen, alte Versicherung kündigen, alte Registrierung abmelden, Zelt kaufen et cetera et cetera.
Wir schaffen alles, so dass es am Donnerstag mit dem Reisen weitergehen kann. Wer hätte das vor zehn Tagen schon geglaubt… wir nicht!

Unsere Campingnachbarn haben unser Schicksal alle sehr teilnahmsvoll verfolgt und alle freuen sich, dass nun alles für uns wieder gut ist. Nachbar Phil drückt uns zur Feier des Abends einen Teller frisch in Knoblauch gegrillte Scampis in die Hand und Nachbarin Ellen hat einen Namensvorschlag für das neue Auto: Howard Holden. So soll es denn sein!

Donnerstag
On the road again! Als nächste große Etappe steht Alice Springs auf dem Programm. Die 1500 km wollen wir auf drei Tage á 500 km aufteilen. Erstes Etappenziel soll Mataranka sein. Dort kommen wir gegen 14 Uhr an und sind vom Campingplatz enttäuscht. Keine Bäume die Schatten spenden und nur roter Sand. Bevor wir uns endgültig entscheiden, laufen wir noch zu dem im angrenzenden Regenwald liegenden Pool, der von unserem Reiseführer hoch gelobt wurde. Der Pool stinkt ziemlich und in den Bäumen hängen abertausende von großen Flughunden, die leider entgegen ihrer sonstigen Natur ziemlich tagaktiv sind und herumflattern. Definitiv kein Platz für mich! Also fahren wir weiter und spielen mit dem Gedanken, die Strecke in zwei Tagen zurückzulegen.
Um 18 Uhr haben wir 730 km geschafft und schlagen unser Zelt auf einem kleinen Roadhouse-Campingplatz in Elliot auf. Hier laufen eine ganze Menge Pfauen frei herum, weswegen an der Tür zur Tankstelle ein Zettel hängt, man dürfe so viele fangen, wie man denn wolle.

Freitag
Es ist bewölkt und daher ein guter Tag zum Autofahren. Wir reißen die die restlichen 770 km nach Alice Springs herunter und fallen früh ins Bett. Howard hat den ersten Härtetest gut bestanden und es stellt sich heraus, dass er ein echter australischer „bloke“ ist: Entspannt in allen Lebenslagen und immer durstig. Denn sein großer Motor (Anm v. Seb.: 3,8 l V6 mit 147 kW) verbraucht auch bei moderater Fahrweise Überland ca. 10 l auf 100 km, ohne eingeschaltete Klimaanlage. Aber dafür fühlen wir uns sicher mit Fahrerairbag und ABS. Und weniger als Maggie verbraucht so ein PKW allemal.

Samstag
Vormittags schauen wir uns Alice Springs mit seinen vielen Aboriginie-Kunstgalerien an. Außer diesen gibt es nicht viele Sehenswürdigkeiten. Den Nachmittag verbringen wir nach der langen Fahrt mit Entspannen. Sebastian rafft sich kurz vor Sonnenuntergang noch einmal auf, um die Gebirgskette, die an Alice Springs grenzt (MacDonnell Ranges) zu besteigen. Er kommt begeistert wieder mit schönen Panorama-Fotos von Alice Springs und Berichten von vielen, vielen Kängurus am Berg.

Sonntag
Der 450 km lange Weg zum Uluru-Kata Tjuta-Nationalpark (Uluru = ehemals Ayers Rock, Kata Tjuta = ehemals die Olgas) steht auf dem Programm. Bevor wir aufbrechen, schlendern wir noch gemütlich über den Sonntagsmarkt von Alice Springs. Auf der anschließenden Fahrt sehen wir viele riesige Keilschwanzadler, die größten Greifvögel Australiens. Die Landschaft wird auch immer wüstenähnlicher… viel rote Erde mit kleinen Büschen und runden Grasbüscheln.
Um 15 Uhr kommen wir auf unserem Campingplatz an und schlagen unser Zelt auf. Zum Sonnenuntergang begeben wir uns zum Uluru um das angeblich spektakuläre Schauspiel zu erleben, wie der Berg seine Farbe bishin zu leuchtend rot wechselt. Und es ist wahr… egal wie viele Bilder man schon davon gesehen hat in natura ist dieser Berg so beeindruckend, wie keiner den ich zuvor gesehen habe. Man steht mit Staunen davor und wird ehrfürchtig. Wie oft habe ich bis jetzt gedacht, dass manches auf unseren Fotos noch viel toller aussieht als in der Realität. Aber hier ist es andersrum… man kann mit keiner Kamera die Schönheit dieser Augenblicke einfangen.
Als wir auf den Campingplatz zurückkommen stellen wir zwei Dinge fest: Erstens, unser Zelt ist dem starken, böigen Wind, der hier herrscht nicht wirklich gewachsen und biegt sich bis zum Erdboden. Zweitens, es wird in der Wüste nachts tatsächlich extrem kalt. Eigentlich hatten wir uns nach den tropischen Gefilden auf kühle Nächte gefreut, aber in den nächsten Nächten werden wir bei ungefähr 4°C trotz Schlafsäcken, Bettdecke und Ganzkörper-Fleece-Bekleidung ganz schön frieren…

Montag
Wir schälen uns um 5 Uhr morgens aus dem Bett um den Sonnenaufgang zwischen Uluru und Kata Tjuta mitzuerleben. Es ist immer noch bitterkalt. Leider ist es auch bewölkt, so dass die aufgehende Sonne zwar tolle Strahlen auf den Uluru wirft aber Kata Tjuta nicht in Morgenrot taucht.
Wir fahren zurück zum Uluru und machen erstmal ein morgendliches Picknick. Der Uluru ist wegen des starken Windes von einer Staubwolke umgeben, so dass wir von dem geplanten Spaziergang am Fuße des Berges absehen. Stattdessen fahren wir zurück zum Campingplatz und „retten“ unser Zelt vorm Windkollaps.
Da es die ganze Zeit nach Regen aussieht, verbringen wir den Vormittag in den drei Shops, die es hier gibt. Am frühen Nachmittag ist dann endlich wieder blauer Himmel zu sehen und so begeben wir uns zum „Valley of the winds“ in den Olgas. Nach dem 7,5 km-Spaziergang schauen wir uns noch den Sonnenuntergang an, bevor wir schlotternd vor Kälte das mittlerweile ziemlich ramponierte Zelt wieder aufbauen.

Dienstag
Wieder klingelt um 5 Uhr unser Wecker. Wir wollen es noch mal mit dem Sonnenaufgang versuchen und diesmal klappt es mit dem Morgenrot. Da die Nacht ziemlich unerholsam war, gehen wir nach „getaner Arbeit“ wieder ins Bett. Weil wir befürchten, dass unser Zelt noch einen Tag in diesen Böen nicht überleben wird, beschließen wir, am Nachmittag nach Alice Springs zurückzufahren. Vorher machen wir noch zwei kleine Spaziergänge am Uluru.
Auf der Fahrt nach Alice Springs begegnen uns dann wieder die riesigen Adler und ein freilaufendes Dromedar.
In Alice Springs am Abend angekommen, müssen wir leider feststellen, dass es hier genauso kalt ist, wenn auch mit weniger Wind.

Mittwoch
Vormittags kümmern wir uns erstmal um den Kauf eines neuen Zeltes. Die Erfahrung hat uns nun gezeigt, worauf wir achten müssen. Als wir dem Verkäufer von unserem alten Zelt erzählen, errät der sofort goldrichtig, wo wir es gekauft haben. Scheint also ein nur uns unbekanntes Problem zu sein. Unser neues Zelt ist jedenfalls sehr schön und ich kann sogar drin stehen.
Am Nachmittag erkunden wir die East MacDonnell Ranges. Ca. 75 km von Alice Springs entfernt befindet sich das sogenannte Ross River Homestead - eine kleine Siedlung, ähnlich einer Farm. Dieses hier ist besonders schön, wie ein alter europäischer Bauernhof und drinnen laufen tatsächlich Beethovens Klavierkonzerte, während draußen unter den Palmen Pfauen stolzieren und uns beim Kaffeetrinken zugucken. Leider wird dort zur Zeit kein Personal gebraucht…
Von dort aus klettern wir auf einen Bergkamm um die schöne Aussicht über die Gebirgskette zu genießen. Beim Abstieg muss man sich ganz schön konzentrieren, um auf dem Geröll nicht auszurutschen und herunterzufallen. Deswegen sehe ich „es“ auch erst im letzten Moment. Ich springe drei Schritte zurück bergauf und schreie, dass es in den Bergen widerhallt. Vor mir sitzt ein vorsichtig geschätzt 1,20m langer Riesenwaran (Perentie) im Schatten eines Spinifex-Büschels. Erstaunlicherweise zeigt er sich von meinem Geschrei äußert unbeeindruckt und bleibt einfach sitzen. Während mein Herzschlag sich beruhigt, macht Sebastian ein Foto und wir setzen unseren Abstieg in großem Bogen fort. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass Riesenwarane nicht nur groß sondern auch giftig sind, hätten wir unseren Abstieg wohl ohne Foto und in größerem Bogen fortgesetzt.
Der Rest des Tages verläuft ruhig.

Donnerstag
Nach einer nicht ganz so kalten Nacht (7°C) stehen heute die West MacDonnell Ranges auf dem Programm. Wir besichtigen Standley Chasm eine rot leuchtende Felsschlucht und Simpson Gap, ein Tal, dass für seine Kolonier von Rock-Wallabies (kleine Bergkängurus) bekannt ist. Leider kommen wir zur falschen Zeit, so dass wir keine zu Gesicht bekommen.
Den Nachmittag verbringen wir mit Erholung und Organisatorischem, bevor es am Freitag auf die langen 2100 km bis zur Ostküste geht. Von dort aus dann mehr.

Dienstag, 16. September 2008

Von Katherine nach Darwin – Life is what happens to you while you’re busy making other plans (John Lennon)

Sonntag
Nachdem es in Katherine (wie so üblich in australischen Städten) nichts anzuschauen gibt, machen wir uns auf den Weg in den Nitmiluk-Nationalpark um uns die Katherine-Schluchten und einen Wasserfall namens Edith Falls anzuschauen.
Die Schluchten sind schön aber nicht wirklich beeindruckend, aber vielleicht können wir das nach dem Aufstieg zum Aussichtspunkt bei sengender Hitze auch einfach nicht mehr wahrnehmen. Nach 100 km Fahrt erreichen wir den winzigen Edith-Fall und sind von dem Wasserfall an sich etwas enttäuscht. Allerdings kann man in dem See, in den der „Wasserfall stürzt“ wunderbar baden und so wage zumindest ich den erfrischenden Sprung ins Wasser.
Gegen Nachmittag fahren wir dann nach Batchelor (ca. 100km südlich von Darwin) um von dort aus am Montag den Litchfield Nationalpark und am Dienstag Darwin zu entdecken.

Montag
Wir machen uns auf und bekommen mit den Florence Falls und den Wangi Falls richtig schöne Wasserfälle zu sehen. Zwischendrin planschen wir in den Buley Rockholes. Das sind Felsenstufen, in die das Wasser sozusagen kleine Pools hineingewaschen hat. Darin kann man baden während das Wasser die Stufen herunterplätschert. Sehr erfrischend, wenn auch ein bisschen von Menschen überlaufen.
Nachdem ich an den Wangi-Fällen noch den Anblick der aberhundert riesigen Fledermäuse oder Flughunde in den Bäumen verdaut habe, machen wir uns auf den Rückweg… und da durchkreuzt das Leben unsere Pläne.
Ein Transporter verliert uns entgegenkommend seine Ladung, die unser Auto frontal trifft. Wir können zum Glück fast unverletzt (es stellt sich im Nachhinein heraus, dass nur Sebastians Fuss geprellt ist) aus dem Wrack aussteigen. Wir schlottern wie Espenlaub, gehen ums Auto herum und stellen fest: Totalschaden. Die Ladung des Transportes bestand aus 100 kg schweren Salzsteinen, die die komplette Front des Autos (dessen Motor nun mal leider vorn ist) zerschmettert haben.
Nun haben wir zweimal Glück im Unglück. Erstens, der Transporterfahrer hält an, kommt zurück und stellt sich der Situation und zweitens, wir befinden uns auf Nationalpark-Gelände, so dass nach fünf Minuten die Ranger (so was wie die Nationalpark-Polizei) auftauchen.
Diese schleppen uns dann zu ihrer Station und helfen uns mit dem Austausch der Daten, dem Report bei der Polizei und bei der Organisation eines Abschleppwagens, der uns zumindest erstmal irgendwo hinbringt, wo wir übernachten können. In Maggie können wir nicht mehr schlafen, auch wenn man sie auf einen Campingplatz gestellt hätte, denn auch der Bettrahmen ist beim Aufprall gebrochen. So landen wir also nach mehreren Stunden des Organisierens und Wartens auf den Truck wieder in Batchelor und nehmen uns erstmal ein Motelzimmer.

Dienstag und Mittwoch
Wir sitzen in Batchelor fest (in dem nicht mal Mobiltelefonempfang gibt) und versuchen via Festnetz und „geklautem“ Internet, die Dinge mit der Versicherung ins Rollen zu bringen. Das ist alles kompliziert, nervenaufreibend und langwierig, weil uns auch keiner Auskunft geben will, welche Kosten im Normalfall in Australien übernommen werden.
Am Mittwoch entschließen wir uns, einen Abschleppwagen zu bestellen, der uns und Maggie nach Darwin bringt, wo die Versicherung sitzt und wo überhaupt die ganze Organisiererei etwas einfacher ist.

Donnerstag
Der Abschlepptruck bringt uns und Maggie morgens nach Darwin. Telefonisch hatten wir schon einen billigen Campervan in Darwin reserviert, da ansonsten dort keine Unterkunft unter $150 zu finden war. Das Abholen des Vans und das Umpacken aller unserer Sachen von Maggie in den Miet-Van kostet uns drei Stunden und eine Menge Nerven. Wir kaufen nur noch ein bisschen was ein und begeben uns auf den Campingplatz.
Von der Versicherung gibt es noch nichts Neues – bis jetzt konnten sie den Schadensfall noch nicht annehmen, da vom Unfallverursacher noch Informationen fehlen.

Freitag
Wir beschließen, uns ein bisschen abzulenken und uns Darwin anzuschauen. Darwin hat 110.000 Einwohner und ist damit die größte Stadt und zugleich Hauptstadt im Northern Territory. Im Prinzip besteht die Stadt aber auch nur aus zwei Einkaufsstraßen, einem Hafen und ner Menge Vorort. Dass man wie in europäischen Städten schön bummeln gehen kann, das scheint zumindest hier nicht zur australischen Lebenskultur zu gehören. Dementsprechend haben wir das Sightseeing innerhalb von zwei Stunden „abgearbeitet“. Während wir durch die zwei Straßen bummeln, gehen wir auch in jede Backpackerunterkunft um uns dort am schwarzen Brett nach verfügbaren Autos und deren Preis umzuschauen. Ein Auto zu mieten kommt für unsere Weiterreise wohl nicht in Frage, da das eine noch teurere Angelegenheit ist als ein Auto zu kaufen. Zudem müssen wir möglichst die gesamte Zeit mobil sein, damit wir auch wieder auf entlegeneren Farmen arbeiten können.
Danach fahren wir noch ein bisschen durch die Vororte und schauen uns die Universität an und dann geht’s zurück zum Campingplatz… Internetrecherche für ein neues Auto, Ummeldeformalitäten etc.
Von der Versicherungsagentin unseres Gegners bekommen wir am späten Nachmittag noch einen Anruf, dass jetzt alle Informationen vorliegen und dass am Montag die Schadensregulierung beginnen kann. Ihr Wort in Gottes Ohr!

Samstag
Wir schauen uns ein Auto an, was zwar einen sehr guten Eindruck macht, aber der Verkäufer erzählt uns eine Story (die sich hinterher als falsch herausstellen wird) wer der eigentliche Verkäufer ist und über die Umstände des sehr seltsamen Verkaufs. Wir lassen mit einem mulmigen Gefühl die Hände von dem Auto. Wir machen wieder den Zug durch die Hostels und ihre schwarzen Bretter. Danach telefonieren wir uns nach Autos die Finger wund und bekommen den Eindruck, dass Autokauf hier der reinste Wettlauf ist. Selbst wenn man morgens einen neuen Aushang gefunden hat und mittags anruft, ist das Auto schon verkauft. Irre!

Sonntag
Wir machen dasselbe wie Samstag… Autorecherche und schnellstmöglich angucken, wenn das Auto noch verfügbar ist. Dabei entdecken wir über eine Zeitungsannonce einen 1995iger Holden Commodore, der wie geschaffen für uns zu sein scheint. Ein neuer (gebrauchter) Campervan ist wegen der extrem schlechten Angebotslage in Darwin nicht drin. Den Holden schauen wir uns am Nachmittag an und treffen auf ein gut gepflegtes Auto in Besitz einer allein erziehenden Vorort-Mutter, die damit in den letzten fünf Jahren auch nur durch die Stadt gefahren ist. Sie lässt sogar mit sich über den Preis verhandeln, der uns eigentlich ein bisschen zu hoch ist. Vor allem da wir noch nicht wissen, ob wir von der Versicherung wirklich alle unsere Kosten ersetzt bekommen und was sie uns für Maggie geben werden.
Sie verspricht, uns am nächsten Morgen anzurufen, wenn sie weiß, wie viel die Reparatur der Aircondition kosten wird und damit, wie wir uns mit dem Preis einigen können. Danach fahren wir zum Mindil Beach zu einem Markt, den man laut unserem Reiseführer „lonely planet“ in Darwin nicht verpassen darf. Und ausnahmsweise hat er mal ins Schwarze getroffen. Der Markt ist lebhaft, voller wirklich handgemachter Sachen, toller Essens-Stände und es gibt sogar ein sehr schönes Didgeridoo-Konzert. Wir entspannen uns zum ersten Mal nach dem Unfall richtig. Am Abend schauen wir uns dann noch einen anderen Kombi an, einen 93iger Mitsubishi Magna, dessen Kauf sich aber mit dem ersten Satz der beiden Mädels, die ihn verkaufen wollen erledigt hat. Dieser lautete: „Also mit unserem Auto is des des: Man muss durch die Heckklappe reinkriechen um dann vorne rechts an der Tür die Zentralverriegelung aufzumachen. Aber dann funktionierts.“ Und für dieses Auto wollten die doch tatsächlich noch 2800 Dollar haben! Die Welt ist irre.

Montag
Wir telefonieren gleich als erstes am Morgen mit der uns langsam vertrauten Glenda von der Versicherung um den Stand der Dinge abzufragen. Sie macht uns Hoffnung, was die Kostenübernahme und eine schnelle Abwicklung angeht, denn nun hat sie tatsächlich alle Informationen die sie braucht. Wir raffen also alle unsere Quittungen zusammen und faxen die gleich mal durch. Dann machen wir uns wieder auf in die Stadt, um ein bisschen Recherche zu betreiben, wie das hier im Northern Territory mit dem Autokauf und den Versicherungen funktioniert, denn jeder Bundesstaat hat dafür ein ganz eigenes System. Wir fragen uns überall durch und kommen zu dem Schluss, dass ein Autokauf hier auch für uns eine wirklich realistische Möglichkeit ist. Optimismus steigt in uns auf.
Und dann kommt die Überraschung! Um die Mittagszeit herum ruft Glenda an und teilt uns mit, dass die Versicherung all unsere Kosten übernimmt und uns für Maggie 3050 Dollar zahlt. Das ist zwar immer noch ein finanzielles Verlustgeschäft aber mehr als wir erwartet hatten. Wir können also den Holden kaufen und die Reise kann weitergehen!
Wir gucken uns gleich schon mal nach einem Zelt und anderen Sachen um, die wir noch brauchen, wenn wir auf einen Kombi umsteigen. Dann fahren wir zur Versicherung, holen noch unseren letzten Kram aus Maggie und verabschieden uns von ihr.
Am Abend telefonieren wir mit Lyn, der Frau, der der Holden gehört, und sagen den Kauf zu.
Was für ein erfolgreicher Tag!

Samstag, 6. September 2008

Von Broome nach Katherine – Maggie bekommt die Seeluft nicht

Samstag

Wir schlafen aus, soweit das auf einem Campingplatz möglich ist – also bis 7 Uhr. Sobald die Sonne um 6 Uhr morgens rauskommt, sind Camper wohl naturgemäß auf den Beinen. Wir machen uns ein schönes Frühstück und uns dann auf den Weg um die Stadt zu erkunden. Broome ist im Gegensatz zu den bisher erlebten Städten auf der Strecke relativ charmant und ganz hübsch. Es gibt sogar ein, zwei nette Cafe´s. Allerdings ist es nicht besonders groß, so dass wir den Großteil unserer Besichtigung nach einer halben Stunde langsamen Bummelns (ein schnelleres Tempo ist bei 33°C im wieder mal nichtvorhandenen Schatten nicht zu empfehlen) abgeschlossen haben. Danach fahren wir zum berühmten Cable Beach. Dieser heißt so, weil hier mal das Telefonkabel von Australien nach Java verlief. Abermals empfängt uns weißer Sand und unglaublich türkises Wasser. Am Nachmittag ziehen wir uns dann nach noch einigen Besorgungen in den Schatten unseres Campingplatzes zurück und genießen die Aussicht auf die Bucht.
Was wir den ganzen Tag am Himmel vom Broome sehen, sind erstens ein strahlendblauer Himmel und zweitens Unmengen von Greifvögeln, die ihre Kreise über der Stadt ziehen. Am Abend verschwinden die Vögel dann und ihr Platz wird von der gleichen Unmenge an Fledermäusen eingenommen, die den Vögeln in ihrer Größe in Nichts nachstehen.

Sonntag

Da wir Broome nun schon erkundet hatten und wir für Strand zu faul waren, entspannen wir uns beim Lesen und Hörbuch-Hören bis zum frühen Nachmittag. Praktische Dinge wie Abwaschen und Wäsche waschen machen wir natürlich auch mal. Am Nachmittag hatten wir geplant, noch mal zum Cable Beach und dann zum nahegelegenen Gantheaumes Point zu fahren, der spektakuläre Felsen im Sonnenuntergang und 120 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Fußabdrücke bieten soll. Die kann man allerdings nur bei absoluter Ebbe sehen, was an diesem Tag glücklicherweise so ziemlich mit dem Sonnenuntergangs-Zeitpunkt zusammenfällt. Das Glück verlässt uns allerdings in dem Moment, als Maggie noch auf dem Campingplatz das erste Mal von selbst ausgeht. Den kleinen Hügel auf dem Gelände schafft sie fast gar nicht mehr hoch. Wir sind ziemlich ratlos und überlegen, was zu tun ist. Kurzerhand entschließen wir uns, einen Tag länger in Broome zu bleiben, um sie reparieren zu lassen. Wir verlängern also unseren Campingplatz und tuckern vorsichtig dorthin zurück, weil wir uns so nicht auf die Straße trauen… Ade Dinosaurier-Abdrücke.

Montag

Wir stehen mal mit den ganzen Campern um 6 Uhr auf, um gleich bei Öffnungszeit die Werkstätten von Broome abzuklappern. In der ersten hat man für den Tag gar keine Kapazitäten, aber in der zweiten gibt man uns einen Termin für 13 Uhr. Da wir mit Maggie nicht weit fahren wollen, verplempern wir unseren Vormittag in einem Shoppingcenter mit ca. zehn Geschäften, deren Angebot wir danach auswendig kennen. Zum Termin liefern wir Maggie ab… wir dachte wir könnten warten, bis man uns wenigstens sagen kann, was das Problem ist, aber das ist nicht drin. Wir werden zurück zum Shoppingcenter kutschiert und man verspricht uns anzurufen, wenn man Genaueres weiß. Wir lungern also weiter herum und rechnen so vor uns hin, ab welcher Summe eine Reparatur unrentabel ist und was wir dann machen würden. Und in unseren Köpfen tickt die Uhr… wir wissen, eine Stunde Mechanikerarbeit kostet $ 110. Als uns um 16 Uhr dann schon ganz schummerig ist, weil noch keiner angerufen hat, wagen wir den ersten Schritt und erfahren, dass sich der Mechaniker das Auto gerade erst seit zehn Minuten anschaut. *uff*
Um kurz vor fünf (um diese Zeit machen hier down under die Werkstätten und so ziemlich alle anderen Läden zu) holt uns die nette Dame von der Werkstatt wieder am Center ab und der Mechaniker erklärt uns, sie wissen jetzt, was es ist (der Kondensator ist kaputt) aber sie können es halt erst morgen reparieren. Sie müssten auch etwas zusammenbasteln, weil sie einen passenden Kondensator nicht da hätten. Wir sollen Maggie am nächsten Morgen um 8 Uhr gleich wieder vorbeibringen.
Also müssen wir unseren Campingplatz nochmal um einen Tag verlängern… Ziemlich erschöpft vom ziellosen und langweiligen Rumlungern gehen wir ins Bett.
Halt, nein… !!! Da hab ich doch glatt was Wichtiges vergessen. Sebastian hat am Abend so eine Ahnung und schaut in seinem Wekzeug-Kramkasten und was findet sich da? Ein passender, nigelnagelneuer Kondensator für unsere liebe Maggie!!!

Dienstag

Punkt um acht stehen wir voller Hoffnung vor der Tür der Autowerkstatt. Wir denken uns, wir geben denen den Kondensator, warten ne halbe Stunde und machen uns dann einen schönen Tag, endlich wieder flexibel mit Maggie. Aber nööö… Der Mechaniker schickt uns wieder weg und bumps, sitzen wir schon wieder in dem Shoppingcenter fest. Viel anderes gibt’s ja in Broome nicht. Außerdem ist es wieder sehr heiß. Ums kurz zu machen… nach einem weiteren vergammelten Vormittag holt man uns um 13 Uhr wieder ab und ich bin schon ganz hibbelig wegen der Rechnung. Aber die läuft auf „gerade mal“ $250 heraus. Ganz schön erstaunlich, nachdem der Wagen anderthalb Tage in der Werkstatt war.
Wir greifen uns Maggie und machen uns vom Acker. Zur Belohnung gönnen wir uns tatsächlich mal einen Kinobesuch und freuen uns, dass wir endlich weiter können.
Vor allem ich möchte den Sandmücken Broomes entkommen, die mir insgesamt 63 furchtbar juckende Stiche auf Armen und Beinen verpasst haben. Sebastian haben sie natürlich verschmäht… Pünktlich zum Sonnenuntergang holen wir den geplanten Ausflug zum Gantheaumes Point nach. Die Dinosaurier-Fußabdrücke bekommen wir leider nicht zu sehen (Flut ist bereits wieder da), aber wir genießen, wie die untergehende Sonne die sowieso schon rötlichen Felsen in noch röteres Licht taucht.

Mittwoch

Wir fahren 400 km von Broome nach Fitzroy Crossing im Inland. Wir genießen den Ausblick und unsere leise schnurrende Maggie. An uns ziehen lauter ausgetrocknete Flussläufe, ein paar Tafelberge, viele Kühe und riesige Affenbrotbäume vorbei, als wir die Region „Kimberley“ durchqueren.
An diesem Tag läuft alles glatt, es gibt nichts Weiteres zu berichten.

Donnerstag

Um 6 Uhr klingelt unser Wecker, wir wollen früh losfahren, um vor der Mittagshitze an unserem nächsten Etappenziel, dem 300 km entfernten Halls Creek zu sein. Als wir planmäßig um 10 Uhr dort ankommen, kommt mir spontan der Satz in den Sinn: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“ Eine kleine Ansammlung von Häusern, zwei oder drei kleine Läden und ein schrecklicher Campingplatz auf dem sage und schreibe drei Bäume stehen, die nicht wirklich Schatten versprechen. Kurzentschlossen nehmen wir noch die 350 km bis zum nächstgrößeren Ziel Kununurra in Angriff – Mittagshitze hin oder her, hier wollen wir nicht bleiben. Wegen der schönen Landschaft kommt uns die Strecke gar nicht lang vor und wir checken um halb vier auf einem schönen und schattigen Campingplatz in Kununurra ein. Doch ein bisschen erschöpft von „dem langen Kanten“ machen wir noch telefonisch ein Treffen für den nächsten Tag mit unserem Kollegen Jens von der Turffarm aus, der jetzt hier auf einer Melonenfarm arbeitet. Duschen, Essen und Entspannen…

Freitag

Wir stocken unsere Vorräte im örtlichen Supermarkt auf und schauen uns innerhalb von 10 Minuten die Stadt an. Australische Kleinstädte sind nur mal nur funktional und nicht zum Besichtigen gedacht…
Am örtlichen Stausee sitzen wir im Schatten eines großen Baumes, beobachten die Vögel und unterhalten uns über unsere bisherigen Eindrücke von der Reise. Ja, auch nach sechs Monaten täglicher Zweisamkeit von fast 24 Stunden reden wir noch miteinander. Wir stellen fest, dass dieses Projekt auf jeden Fall den Stress, den es mit sich bringt wert war, weil wir viele Erfahrungen gesammelt haben. Allerdings sind wir uns auch einig, dass wir uns nicht vorstellen können, hier zu leben, weil der australische Lebensstil nicht auf Dauer zu uns passen würde. Wir werden also wieder nach Deutschland kommen und hegen bis jetzt keine Auswanderungsgedanken.
Für den Abend sind wir mit Jens verabredet, der nach einem Monat arbeiten mit 16 Stunden am Tag morgen den ersten Tag frei hat. Wir freuen uns, Jens wiederzusehen und verbringen den Abend mit angeregten Unterhaltungen mit ihm und ein paar seiner Kollegen im Garten seiner Herberge. Fotos haben wir auch gemacht, leider ohne vorher die Speicherkarte in die Kamera zu tun. Pech.

Samstag

Heute standen mit einem Abstecher an den Lake Argyle insgesamt 610 km von Kununurra bis nach Katherine auf dem Programm. Lake Argyle ist der größte Stausee Australiens und soll viele Süßwasserkrokodile beherbergen. Der See ist wunderschön blau und von Bergen umgeben. Der insgesamt 80 km Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt auch wenn wir kein Krokodil zu Gesicht bekommen haben. Kurz hinter dem See überqueren wir die Grenze von Western Australia zum Northern Territory und müssen unsere Uhren anderthalb Stunden vorstellen. Dementsprechend erreichen wir unseren Campingplatz in Katherine erst gegen 18 Uhr und richten uns ein.
Wie es genau weitergeht, wissen wir noch nicht. Wir wollen ab Sonntag entweder den Kakadu National Park oder den Litchfield National Park besichtigen, wie haben nur noch nicht entschieden welchen. Aber das werdet ihr ja im nächsten Blog-Eintrag erfahren…

Samstag, 30. August 2008

Von Coral Bay nach Broome – I’m dreaming of a white christmas

Am Samstagmorgen lassen wir uns von den Sonnenstrahlen wecken, die durch die violett getönten Fenster unseres Autos scheinen. Danach gibt’s Kaffee und Frühstück und während Johanna Abwaschen geht, checke ich noch schnell Öl- und Flüssigkeitsstände des Motors… wie jeden morgen. Dabei entdecke ich, dass unser Klimaanlagenkompressor nur noch an einer Schraube lose unter dem Motor hängt. Er funktioniert zwar sowieso nicht mehr, aber verlieren möchte ich ihn bei voller Fahrt auch wieder nicht. Außerdem rutscht der Antriebsriemen und quietscht mit einem fiesen Geräusch. Also gehen wir fix noch in den lokalen „Supermarkt“ und besorgen Schrauben, damit ich ihn einigermaßen fixieren kann. Eine Werkstatt gibt’s in Coral Bay nicht. Danach habe ich zwar schwarze Hände, aber es funktioniert… hoffentlich bis Exmouth, das unsere nächste Station und 150 km entfernt ist. Die Fahrt verläuft problemlos. In Exmouth checken wir ein und fahren erst einmal ins Stadtzentrum, dass etwa so groß wie die Markthalle in Berlin. Den Rest des Tages verbringen wir mit Camperdasein und Nichtstun.

Für den Sonntag wollen wir es noch einmal mit dem Schnorcheln probieren. Nachdem wir in Coral Bay sogar einen Manta gesehen hatten, wähnen wir uns schon als alte Hasen im Schnorchelsport. Leider muss man von Exmouth rund 70 km um die Halbinsel fahren, um zum Schnorchelparadies „Turquoise Bay“ zu kommen. Dies liegt im Cape Range National Park, der, wie die meisten Nationalparks, nett anzuschauen ist. Angekommen am Strand starten wir gleich den ersten Schnorchelgang, dann brauchen wir uns vorher nicht mit Sonnenschutz behandeln, so unser Plan. Natürlich scheint die Sonne nur am Strand und nicht überm Wasser, wo man als Schnorchler unbesorgt seinen Rücken ins Licht halten kann. Deswegen ist es mir auch unbegreiflich, wieso ich nach einer Stunde das Gefühl von glühender und spannender Haut auf meinem Rücken verspüre… komisch. Diesmal erleben wir beim Schnorcheln keinen Manta, aber die Korallen-, Fisch- und Farbenvielfalt scheint hier noch größer zu sein als in Coral Bay. Auf dem Rückweg fahren wir noch zum Ausblick am Leuchtturm und entdecken unsere ersten Wale in der Ferne… imposant.

Am Montag gibt’s dann Wale aus der Nähe… nachmittags um vier besteigen wir zusammen mit ca. 50 anderen Schaulustigen eine Yacht und begeben uns auf Sunset-Cruise im Golf von Exmouth. Es ist gerade Walsaison und junge Buckelwale tummeln sich hier wie Goldfische im Gartenteich. Kaum verlassen wir die Mole, da wird auch schon das erste Paar Wale gesichtet und angesteuert. Bis zum Sonnenuntergang beobachten wir einige Wale, die sich neugierig dem Boot nähern, mit den Flossen klatschen und in die Luft springen, um sich lästiger Parasiten zu entledigen.

Von Exmouth aus geht es am Dienstag nach Point Samson. Unterwegs nichts Außergewöhnliches für australische Verhältnisse: Ein Emu kreuzt unseren Weg, im Roadhouse wird „I’m dreaming of a white Christmas“ bei 30° im Schatten gespielt und aus wortwörtlich heiterem Himmel entwickelt sich ein kleiner Tornado neben unserem Highway.

Unterwegs stoppen wir noch kurz in Karratha, einer der größeren Siedlungen auf der Landkarte. Sie entpuppt sich als Einkaufszentrum mit Einfamilienhäusern rund herum. Am Abend checken wir auf einem kleinen Campingplatz in Point Samson ein.

Der Campingplatz ist bei Tageslicht nicht wirklich einladend und so machen wir uns am Mittwochmorgen schnell aus dem Staub zu unserem nächsten Wegpunkt mit dem verheißungsvollen Namen „Eighty Mile Beach“ (zu deutsch: 80 Meilen Strand). Zum Tanken machen wir vorher kurz in Port Hedland halt, einem großen Erz- und Salzhafen, der aber außer billigem Benzin nicht viel für uns Touristen zu bieten hat. Wieder auf dem Highway legen wir noch einmal 245 km zurück, bis ein Schild mit der Aufschrift „Eighty Mile Beach Caravan Park“ uns zum Abbiegen zwingt. Die nun folgende ungeteerte und holprige Straße lässt unser Auto fast auseinanderfallen… wir kommen kaum schneller als im Schritttempo voran. Viele schicke, neue 4WD mit Caravan-Anhängern ziehen an uns vorbei, als würden sie auf einem Highway fahren. Für die 10 km zum Campingplatz benötigen wir fast eine Stunde. Der klasse Campingplatz direkt hinter den Dünen und ein Sonnenuntergang am Strand entschädigen uns jedoch dafür.

Am Donnerstag gibt’s nicht Spannendes: Johanna sammelt Muscheln am Strand, während ich lese und ein kühles Ginger-Bier genieße.

Gestern, am Freitag, legen wir die 350 km vom Eighty Mile Beach nach Broome zurück. Natürlich müssen wir erst einmal die holprige Straße zurück zum Highway. Aufgrund unseres Schneckentempos entdecken wir vor uns sogar eine kleine Eidechse, die einen Tausendfüssler jagt. Auf dem Highway verläuft dann alles problemlos. In Broome kommen wir um drei an. Um unseren verlorengegangenen Deckel für die Kühlwasserausgleichsflasche zu ersetzen, fahren wir einige Autoverwerter an, bis wir endlich fündig werden. Danach checken wir im Roebuck Bay Caravan Park ein und beziehen einen Platz mit direktem Blick aufs Meer/Watt… traumhaft. Hier in Broome werden wir zwei Tage entspannen, bevor wir uns auf den Weg nach Kununurra machen. Mehr dazu im nächsten Blog-Beitrag.

Samstag, 23. August 2008

Abschied von der Turffarm – Von Gingin nach Coral Bay

Unsere letzte Arbeitswoche verbrachten wir wie die davor mit Bäumebeschneiden und Anclippen sowie dem von uns so ungeliebten Bewässerungssystemcheck. Zum Glück waren wir nicht mehr lange genug da, um die kleinen Sprinkler von Ameisendreck befreien zu müssen.
Am Freitag (Samstag hatten wir uns frei genommen) gönnte uns Todd dann einen frühen Feierabend um 15:30 Uhr, nachdem an meinem Cherrypicker eine Luftdruckleitung geplatzt war. Ein Cherrypicker ist ein Vehikel, dass üblicherweise zum ernten von Kirschen eingesetzt wird, daher auch der Name. Damit kann man in einem Korb bis auf 3,80 m hinauf in die Baumwipfel fahren.

Zum Abschied gabs noch ein schönes gepflegtes Feierabendbierchen mit Todd und seiner Familie und Mike. Leider mussten wir das sehr angenehme Zusammensein um 18 Uhr verlassen, da Leah und Joel (zwei philippinische Kollegen von der Turffarm) ein Abschiedsessen in ihrem Wohncontainer für uns gaben. Dort waren fast alle Kollegen, sowie Nachbar Tom mit Frau Meryl versammelt und Leah hatte so viel gekocht, als gelte es eine ganze Kompanie zu versorgen. Leider war das Ganze trotzdem eine ziemlich langweilige Angelegenheit, wahrscheinlich wegen zu wenig Bier und weil alle die ganze Woche Arbeit in den Knochen hatten. Und diese Woche war auf der Turffarm ziemlich „busy“ gewesen, da es seit langem mal wieder an jedem Tag Ernte gegeben hatte.

Samstag gabs dann den Abschied von Patricks Familie. Wir haben auf dem riesigen Fernseher von Patricks Eltern noch ein West Coast Eagles Spiel gesehen (wobei die Eagles mal wieder verloren haben). Dann kamen noch die Nanna und Patricks Schwester nebst Rasselbande dazu und es wurde ein sehr schöner Nachmittag und Abend.
Den Sonntag haben wir hauptsächlich mit Putzen, Waschen und Packen. Abends dann noch ein Abschiedsessen (wir müssen langsam auf Diät für die Bikini-Figur) bei Alana und Greville mit viel Pizza. Todd und Mike waren ebenfalls da und um zehn gingen wir das letzte Mal in unserem Donga zu Bett.

Montag
Abschied beim „Morning Tea“ von allen auf der Turffarm… bei mir mit Tränen verbunden wegen des Abschieds von Kaylie, bei Sebastian natürlich weniger, er war eher freudig erregt wegen der bevorstehenden Abenteuer. So fuhren wir dann endgültig zum letzten Mal den Driveway zum Farmtor hinaus.
Erster Zwischenstopp war Gingin, eigentlich nur zum Tanken. Nachdem wir dort aber tatsächlich noch mal auf Patrick, Nachbar Tom und Meryl trafen, wurde ein netter Plausch im Park daraus. Als wir schlussendlich den „Fängen“ aller uns bekannten Menschen entkommen waren, fuhren wir in Richtung Ozean nach Cervantes, um die Pinnacles zu besuchen. Das sind bis zu 4 Meter hohe verwitterte Kalksteinsäulen in den dortigen Dünen.
Nach mehreren Zwischenstopps am Meer kamen wir an unserem Tagesziel Campingplatz Jurien Bay an. Jurien Bay wie auch Cervantes werden zwar im Reiseführer als „Städte“ bezeichnet, bestehen aber nur aus einer Tankstelle, einem Hardware-Shop, einem Supermarkt und ein paar umliegenden Häusern und Caravan-Parks. Beide „Städte“ haben nicht mehr als 1000 Einwohner und hängen komplett vom Tourismus ab.

Dienstag
Immer die Küste entlang bis in die nächste wirkliche Stadt Geraldton. Unterwegs gönnten wir uns in Dongara einen Spaziergang am Irwin-River, bei dem wir Brillen-Pelikane und Kormorane beobachten konnten.
Geraldton, wo wir eigentlich zwei Tage bleiben wollten, gefiel mir dann gar nicht. Es gab zwar mehr Geschäfte und richtig große Supermärkte, aber die Küste war verschandelt durch riesige Fischerei-Industriebauten und richtigen Charme hatte diese Stadt nicht. Wir nutzten jedoch die Gelegenheit, um einen neuen Reifen aufs Ersatzrad ziehen zu lassen und begaben uns dann zu unserem Campingplatz (wo wir unseren Aufenthalt von zwei auf eine Übernachtung verkürzten). Ein wunderschöner Sonnenuntergang am Meer und ein Internetzugang versöhnten mich noch mit diesem Halt.

Mittwoch
In Geraldton besichtigten wir noch die Kathedrale und ein Denkmal für die im Kampf mit einem deutschen Schiff gesunkene HMAS Sydney, bevor wir die bis dahin größte Etappe in Angriff nahmen. 475 km bis Carnarvon, wo wir die nächste Nacht verbringen wollten.
Einen Zwischenhalt haben wir uns allerdings gegönnt, in dem „zweitgrößten Staat auf dem australischen Kontinent“. Ca. 20 km nach Northhampton zeigt ein kleines blaues Schild auf eine staubige Straße und sagt „Hutt River Province“. Das ist ein etwa 75 km² großes Gebiet, das am 21. April 1970 von Leonard George Casley als ein eigener Staat proklamiert wurde. Dieser wird zwar von der UNO und von Australien nicht als Staat anerkannt, aber als unabhängig geduldet.
Wir nahmen also diesen Abzweig und nach längerer Fahrt auf der ungeteerten Straße kamen wir an einer Farm mit schätzungsweise acht Gebäuden an – der Hauptsiedlung der Provinz. Wir waren zu diesem Zeitpunkt die einzigen Besucher und man gab uns Bescheid, dass Prinz Leonard nur noch sein Lunch beenden und dann zu unserer Verfügung stehen würde. Nach fünf Minuten tauchte dann Prinz Leonard auf – ein etwa achtzigjähriger, verwitterter Mann in Gummistiefeln und rot-schwarz-kariertem Flanellhemd. Er führte uns herum, zeigte uns seine Orden und Ehrendoktorwürden und dann stempelte er noch unsere Pässe.
Wir mussten uns dann leider schnell wieder auf den Weg machen, weil wir sonst unsere Etappe nicht schaffen würden. In den nächsten Stunden absolvierten wir also die Fahrt auf dem meist schnurgeraden Highway an unglaublich vielen toten Kängurus entlang. Kurz vor Carnarvon sahen wir noch einen riesigen Adler am Wegesrand sitzen und einen Emu über den Highway rennen.
Der Campingplatz, auf dem wir diesmal unser Nachtlager aufschlugen, lag ganz romantisch neben einer Bananenplantage und der örtlichen Tankstelle.

Donnerstag
Am Donnerstag hieß unser Ziel Coral Bay und dies war nur 250 km entfernt. Nachdem wir vergeblich versucht hatten, in Carnarvon ein paar Sehenswürdigkeiten zu finden, fuhren wir die Strecke schnell durch (wobei wir den südlichen Wendekreis überfuhren) und landeten am frühen Nachmittag in Coral Bay.
Dieses Örtchen liegt am Ningaloo Reef und besteht grob aus zwei Campingplätzen und einem Shopping-Center mit insgesamt fünf kleinen Geschäften. Das Ningaloo Reef ist deswegen touristisch interessant, weil es sehr nahe an der Küste liegt und deswegen auch für Nichttaucher wie uns per Schnorcheln erkundbar ist.
Nach kurzem Umschauen wussten wir, dass wir hier nicht bereuen würden, uns für zwei Nächte entschieden zu haben. Ein wunderschöner Strand an türkisem Wasser und tolles Wetter – was will man mehr.
Wir machten einen Spaziergang am Strand und waren dann einfach mal faul… den ganzen Nachmittag lang.

Freitag
Wir hatten beschlossen, den Freitag am Strand und mit Schnorcheln zu verbringen und so geschah es auch. Herrlich blauer Himmel und Sonnenschein unterstützen uns den ganzen Tag in unserem Vorhaben. Das Schnorcheln hat uns beide sehr beeindruckt. Ca. 50 m vom Strand aus entfernt konnten wir tolle Korallen, kleine bunte Fische, einen Kofferfisch und sogar einen kleinen Manta-Rochen unter uns vorbeiziehen sehen. Unglaublich schön und eine ganz andere Welt. Wenn wir nicht schnorchelten, ließen wir uns von der Sonne braten (mit LSF 30+ natürlich) und genossen das Faulsein.
Die nächste Station ist dann Exmouth – darüber aber später mehr.

Sonntag, 10. August 2008

Go Eagles, Go !!!

Am letzten Sonntag haben wir uns ein Football-Spiel der Australian Football League angeschaut. Football ist in Australien so beliebt, wie bei uns die Fußball-Bundesliga. Allerdings bedeutet hier „Football“ weder Fußball, noch American Football, noch Rugby, sondern ein ganz eigene Art des Spiels, oftmals auch als Aussie-Rules-Football bezeichnet. Im Wesentlichen geht es natürlich darum Tore zu schießen. Bis zu 18 Spieler pro Team spielen auf einem ovalen Spielfeld und dürfen sich unter Einsatz fast ihres gesamten Körpers daran hindern, den (Foot-)Ball zwischen die gegnerischen Torpfosten zu befördern (wen es genauer interessiert, alles über Aussie-Rules hier). Dadurch ist das Spiel natürlich sehr körperbetont, und die Sportler müssen durchaus athletisch gebaut sein, um dem standzuhalten, was wahrscheinlich auch den hohen Anteil weiblicher Fans beim Aussie-Rules-Footy erklärt. Der Football ist jederzeit umkämpft, was das Spiel sehr flüssig macht, ähnlich unserem Fußball. Diese Mischung aus Körpereinsatz und Spielfluss macht Aussie-Rules sehr interessant und so hatten wir Patrick beauftragt, Karten für ein Spiel zwischen den „Westcoast Eagles“ aus Perth und den „Fremantle Dockers“ aus Rostock, nein… natürlich aus Fremantle zu besorgen. Beide Städte liegen direkt nebeneinander, bzw. gehen in einander über, so dass sich die Teams ein Football-Stadium teilen und wir Zeuge eines echten Derby-Krimis werden sollten. Bevor wir uns von Patricks Eltern aus auf den Weg machten, bekamen wir noch fix jeweils ein Westcoast Eagles-Schal übergeholfen, der uns unweigerlich als Eagles-Fans brandmarkte. Fremantle hatte unglücklicherweise Heimrecht und so fanden wir uns im ausverkauften Stadion zwischen lauter „Dockers“-Fans wieder. Zu unserer Überraschung waren die „Dockers“-Fans alle sehr nett und verspotteten uns nicht einmal. Zwischen Patrick und einem „Dockers“-Fan entwickelte sich sogar ein richtig angenehmes Gespräch über Football generell, was sicher auch daran lag, dass die Eagles nach dem zweiten Viertel bereits hoffnungslos zurücklagen und das Spiel im Prinzip gelaufen war. Grundsätzlich sind die Fans sehr entspannt, auch die vom gegnerischen Team. Pöbeleien oder andere „Ausschreitungen“ haben wir nicht erlebt und es war immerhin ein Derby. Natürlich waren wir am Ende enttäuscht, dass „unser“ Team verloren hatte. Dennoch war es insgesamt ein sehr interessantes Erlebnis und einmal mehr australische Lebensart, die wir erfahren durften. Wir können Live-„Footy“ nur jedem empfehlen, der nach Australien kommt und „Mannschaftssportarten“ mag.

Neuseeländische Lebensart scheint es übrigens zu sein, alte, nicht mehr benötigte Campinganhänger in einer Nacht- und Nebelaktion spektakulär in Brand zu setzten. Vielleicht ging Greville, unser Ex-Boss und gebürtiger „Kiwi“, aber auch nur seinen pyromanischen Bedürfnissen nach, als er uns eines Abends letzter Woche aus unserem Donga „hupte“, um darauf hin die Werkstatt nach leicht entflammbaren und nicht mehr benötigten Flüssigkeiten abzusuchen. Das Objekt der Illumination stand bereits sauber geparkt auf dem Platz, auf dem sonst der Rasen auf den Road-Train geladen wird. Nachdem Greville in der Werkstatt fündig geworden war und ein Hanfseil in altem Diesel getränkt hatte, übergoss er den Innenraum des Caravans samt zweier Matratzen und legte das triefende Seil als Lunte nach außen. Leider verbrennt alter Diesel ziemlich langsam und so brauchte die 5 Meter lange, angezündete Lunte rund 15 Minuten, um den Anhänger komplett in Brand zu setzen. Das nun entfachte Inferno zog alle bis auf Johanna, die ins warme Donga gegangen war, in seinen Bann. Einige Bier später waren nur der Stahlrahmen und der alte Campingkühlschrank nicht Opfer der Flammen geworden. Als der eine noch intakte Reifen schließlich aufgrund der Wärmeentwicklung geplatzt war, beendeten wir das abendliche Schauspiel und wünschten uns gegenseitig „Good Night“… immerhin war es schon 19.30 Uhr!!!

In einer Woche begeben wir uns endlich auf große Fahrt. Gestern haben wir unser Auto auseinandergenommen, gereinigt und hier und da noch „ne Schraube festgezogen“. Unsere erste Station wird… eigentlich wissen wir das noch nicht. Aber im nächsten Blogeintrag gibt’s mehr dazu. Stay tuned for more!!!

Sonntag, 27. Juli 2008

Barbie und Tornado

Wieder ein Sonntag mit Regenschauern in Australien gibt uns Zeit, Euch über Neues aus Down Under zu informieren.

Vor zwei Wochen sind wir Augenzeugen einer Aussie-Geburtstagsparty geworden. Patricks Dad hatte seinen fünfzigsten Geburtstag und so waren ca. 50 Verwandte und Bekannte eingeladen, sich am Samstag an Bier und selbstgeschlachtetem Lamm vom Spieß zu erfreuen. Um nicht mit leeren Händen zu erscheinen, hatte Johanna noch schnell eine CD mit Oldies und deutschen Schlagern gebrannt, die wir als Geschenk zusammen mit einem Schokokuchen überreichten. Das hat John (Patricks Dad) allerdings schon gegen 19 Uhr nicht mehr richtig mitbekommen, da sich sein und der allgemeine Alkoholpegel schon im fortgeschrittenem Stadium befanden. Was uns erstaunt hat, ist, dass die Australier zur Party erstens ihre eigene Kühlbox auf Rädern mit Bier und Alkoholika und zweitens alle ihre Kinder mitbrachten.
Das ergab dann zwischen den vielen ganz erheblich betrunkenen und bekifften Erwachsenen ein ganz schönes Gewusel. Aber für die Unterhaltung der Kinder war auf jeden Fall mit einem großen Lagerfeuer, den vielen Autowracks auf dem Gelände und einer Schaukel gesorgt.
Ich habe verzweifelt versucht mit zehn Dosen australischem Bier betrunken zu werden, was mir allerdings nicht mal ansatzweise gelungen ist. Lustig war es trotzdem. Es gab einen riesigen Schokoladenkuchen und viele andere leckere Sachen. Außerdem haben wir noch ein paar weitere Familienmitglieder Patricks kennengelernt und festgestellt, dass die noch verrückter sind als er… vor allem sein kleiner Bruder Steve, der mir einen neuen Spitznamen verpasste… „massive“. Die zwei entzückendsten Mitglieder dieser Familie waren allerdings eindeutig Patricks Großmutter, die von allen „nana“ genannt wird (ihren eigentlichen Namen kennt niemand) und seine kleine Nichte Lily, die Johanna nur schweren Herzens wieder an ihre Mutter abgab.

Nachdem wir den Sonntag unseren nichtvorhandenen Kater ausgeschlafen und den Tag verbummelt hatten, ging es am Montag zum Arbeiten auf die neue Farm. Wir nehmen jetzt an, dass unser neuer Chef Todd uns an diesem Tag mit dem furchtbarsten Job auf dieser Farm belegt hat, damit wir alles andere danach als Erleichterung empfinden würden… Wir durften den ganzen Tag das Bewässerungssystem checken und defekte Sprinkler austauschen. Klingt nicht schlimm, isses aber… das Bewässerungssystem lief, während wir dies taten und wir wurden neun Stunden lang immer wieder nass trotz Regenklamotten. Auch die Folgearbeit ist nicht wirklich toll… denn die defekten, meist nur verstopften Sprinkler, müssen per Hand gereinigt bzw. per Mund ausgeblasen werden. Und was verstopft die Sprinkler? Ameisen. Lecker!!! Wenn wir nicht Sprinkler checken oder reinigen, trimmen wir Pflaumenbäume von 3D zu 2D. Die Plantage besteht nämlich aus vielen Reihen von ca. 4m hohen Spalieren, an den die Pflaumenbäume flach hoch wachsen sollen, um eine einfache und ertragreiche Ernte zu gewährleisten. Da Bäume ungünstigerweise in alle Richtungen wachsen, ist es unser Job, sie auf flach zu schneiden und an den Spalieren zu befestigen. Das ist spätestens ab dem dritten Tag tödlich langweilig und geht auf die Handgelenke. Aber mittlerweile haben wir schon zwei Wochen hinter uns gebracht und die restlichen zwei bis drei halten wir noch durch… befürchte ich. Im Ernst, es könnte schlimmer sein. Unser Boss ist cool, unser Co-Worker Mike ist Schotte aus Glasgow und hört sich an, wie ein Österreicher, der Englisch spricht. Außerdem hat er uns ein paar DVDs geliehen, die uns die regnerischen Zeiten ertragen lassen.

Apropos Regen… letzte Woche haben wir hier ein richtig anständiges Unwetter erlebt. Unsere phillipinischen Ex-Kollegen haben zu ersten Mal in ihrem Leben Hagel erlebt… einer von ihnen, während er mit einem kabinenlosen Traktor unterwegs war. Teile von Perth wurden überflutet und es gab sogar einen Tornado… laut Radionachrichten. Auf jeden Fall war das Unwetter so stark, dass wir uns im Schuppen (wir befreiten gerade Sprinkler von Ameisenüberresten) nicht mehr ohne Gebärdensprache unterhalten konnten. Der auf das Blechdach prasselnde Regen und Hagel war einfach zu laut.

Nächstes Wochenende wird wahrscheinlich aufregend. Wir wollen uns ein echtes Aussie-Rules-Footballspiel anschauen, noch dazu ein Derby. Ich hoffe, wir kommen da lebend raus… vorausgesetzt Patrick hat die Tickets bekommen. Ansonsten planen wir so langsam unsere weitere Reise und freuen uns mit jedem Tag mehr darauf.

Samstag, 12. Juli 2008

Die Dinge ändern sich…

Heute gibt es endlich mal wieder ne Menge zu erzählen. Um alles gut im Blog unterzukriegen, werde ich es einfach mal der Reihe nach chronologisch versuchen.

Letzten Samstag (5.7.) waren wir mit Maggie unterwegs ins Einkaufszentrum als ich am Wegesrand aus den Augenwinkeln riesige weiße Blüten im Wald stehen sah. Aufm Rückweg hat Sebastian dann mal für mich angehalten, damit ich mir das aus der Nähe ansehen konnte. Und tatsächlich standen da mitten im Wald riesige Büsche von Pflanzen die unglaublich große, weiße, calla-ähnliche Blüten hatten. Mir blieb ja fast die Spucke weg vor Erstaunen, so schön waren sie. Nachdem ich zurück im Donga gleich mal in unserem Offline-Wikipedia recherchiert hatte, muss es sich wohl um Gymnostachys anceps handeln, die im östlichen Australien beheimatet ist. Am Montag habe ich gleich Kaylie davon erzählt und die meinte, für die Australier ist das Unkraut. Da kann man sich ja nur vorn Kopp hauen!

Nachdem das Wochenende sonst sehr ruhig verlief, überraschte uns Australien am Montagmorgen mit gefrorenem Rasen! Tatsächlich waren die Temperaturen während der Nacht unter 0°C gefallen, so dass eine dicke weiße Frostdecke das Gras bedeckte und die Blätter beim Laufen unter einem brachen.

Montagabend haben wir dann unsere Chefin überreden können, uns bei unserer leider fälligen ersten australischen Steuererklärung zu helfen. Das Steuerjahr geht hier von 1. Juli bis zum 30. Juni und man hat dann bis Ende Oktober Zeit seine Steuererklärung zu machen. Wir wollten das hinter uns bringen, solange wir noch fachkundige Hilfe von Alana hatten. Das elektronische Steuerprogramm, das wir benutzten, sagt einem am Ende des Ausfüllens auch, wie viel man zurückbekommt oder schuldet. Das Ergebnis hat uns dann jedoch aus den Socken gehauen… wir müssen $ 1.600 zurückzahlen!!! Auf unseren Lohnabrechnungen, die von der die Rechnungsabteilung der Basis-Farm erstellt wurden, wurde die Steuer immer falsch berechnet. Statt 29 Prozent, die wir hier ab dem ersten Dollar zahlen müssen, wurden nur 22 Prozent abgezogen. Wir dachten natürlich, dass das seine Richtigkeit hätte, weil wir davon ausgegangen sind, die wüssten was sie tun. Vor allem, weil ja auf den drei Farmen eine ganze Menge Backpacker wie wir arbeiten. Aber nun gut.

Nachdem wir diesen Schock erstmal mit einem Glas Wein von Nachbar Tom verdaut hatten, fragten wir bei Alana an, ob denn die Möglichkeit bestünde, eventuell zwei Wochen länger hier zu arbeiten. Das würde uns helfen, die Steuerschulden zu begleichen. Sie meinte, sie würde versuchen was sie könnte.

Am nächsten Morgen (das Gras war wieder gefroren) ereilte uns dann die Hiobsbotschaft, dass Dick, dem die Farmen gehören, die Arbeiter ab sofort auf drei Tage die Woche Arbeit gesetzt hatte… Damit war natürlich auch gesagt, dass zwei Wochen länger bleiben keine Option war. Drei Tage Arbeit pro Woche bringt aber auch nicht so viel Geld, dass es sich lohnt zu bleiben. Das würde zwar ein wenig mehr Geld bringen als uns die Lebenshaltung kostet aber dafür hinge man dann auch vier Tage die Woche auf der Farm rum… ohne Radio, ohne Fernseher, ohne Außenwelt. Ausflüge könnten wir uns dann nicht mehr leisten.
Aber eigentlich hatten wir noch nicht so viel Geld verdient, wie wir uns vorgenommen hatten, schon wegen der doofen Steuer. Also wollten wir auch nicht abreisen. Nun war guter Rat teuer…

Kurz vor der Lunch-Pause überraschten uns Greville und Alana dann mit der Neuigkeit, dass sie uns einem befreundeten Nachbarn empfohlen hätten, der Arbeiter zum Bäumebeschneiden sucht. Genaues wussten sie allerdings noch nicht über den Job und ob Todd (so heißt der Nachbar) uns nehmen würde. Also hieß es nun bibbernd auf den Rückruf von Todd zu warten. Dieser kam dann nach ziemlich schlaflos verbrachter Nacht am nächsten Morgen. Todd würde uns nehmen! Greville hat uns sofort in sein Auto geladen und uns rüber auf die andere Farm gebracht, damit wir mit Todd sprechen und er uns kennenlernen könnte. Er machte einen netten Eindruck und die Konditionen der Arbeit scheinen auch gut zu sein, also fangen wir nächsten Montag um 7:30 Uhr auf der Nachbarfarm mit Bäumebeschneiden an. Mannomann…
Der gute Nebeneffekt ist, dass wir hier auf der Turf-Farm in unserem Donga wohnen bleiben können und sozusagen unsere „gewohnte Umgebung“ haben. Und das Beste an der Sache ist, dass wir auf der Nachbarfarm ab Montag mindestens vier Wochen arbeiten können, so dass wir das Geld für die Steuer auch wieder reinholen können. Wunderbar! Und dann geht’s hoffentlich los mit dem langersehnten Reisen durch Australien.

Freitag geschah dann erneut Berichtenswertes… Zur Lunchpause brachte Patrick eine giftige Schlange mit, die er beim Arbeiten auf der Farm entdeckt und kurzerhand geköpft hatte. Die lag dann auf den Betonstufen zum Office und bewegte sich noch munter vor sich hin. Ich hab dann allen meinen Mut zusammengenommen und sie sogar angefasst. Beweisfotos (und auch andere neue Fotos) findet ihr im „Farm“-Photoalbum.
Freitagabend gab es dann noch ein sehr lustiges Dinner in Alana´s und Grevilles Haus, mit dem wir unseren „Arbeitsabschied“ und Chris’ endgültigen Abschied von der Farm gewürdigt haben. Jeder musste ein Gericht mitbringen und dann haben wir uns ringsum vollgefressen. Ich hab den Australiern mal gezeigt, wie lecker Senfeier sind. *grins*

Samstag, 28. Juni 2008

Maggie im Krankenhaus oder Vulkanausbruch in der Cowalla Road

Seit dem 1. Juni ist es Western Australia wieder offiziell und jedermann erlaubt, auf seinem Grundstück (property) nicht mehr benötigt Holz- und Baumreste (wahrscheinlich meist auch gleich noch andere Dinge) zu verbrennen. Das sind dann keine kleinen Laubfeuer, wie man sie aus Deutschland kennt. Meist kann man die Feuer kilometerweit riechen und bei Nacht auch sehen. Die staatlichen Förstereien haben jetzt auch endlich die Gelegenheit, in den Pinienwäldern (die künstlich angelegt zu sein scheinen) aufzuräumen und das Unterholz tagelang abzufackeln. Für Autofahrer ist das besonders von Vorteil, denn nur so kann man die sonst nächtlichen Fahrten durch dicken Nebel auch bei Tageslicht mit Rauchschwaden proben. Der Unterschied ist marginal, tagsüber riechts halt wie Lagerfeuer.

Vor einigen Tagen konnten wir eine riesige Rauchsäule beobachten, die vom Nachbargrundstück aufstieg. Wir dachten, ein Vulkan wäre mitten in Nachbar Toms Weinstöcken ausgebrochen – zumindest lies die mehrere hundert Meter hohe Rauchwolke darauf schließen. Aber dann kam die Entwarnung: war bloß ne Müllverbrennung auf Australisch, die ein wenig außer Kontrolle geraten war (ein Feuerwehrhubschrauber kreiste einige Zeit über dem Feuer).

Letztes Wochenende (Freitag Abend) sind wir wieder mal nach Perth gefahren. Wir hatten das Glück ein Hotelzimmer im altehrwürdigen Criterion Hotel zu ergattern, in bester Citylage natürlich. Unglücklicherweise besitzt das Hotel keinen Parkplatz, so dass wir Maggie außerhalb der City in Northbridge abstellen mussten, wo das Parken wesentlich günstiger ist als in der City. Blöderweise hatten wir noch kein Kleingeld für den Parkautomaten und ebenso kein Frühstück für Samstag Morgen. Also sind wir in die City gefahren, wo Johanna kurzerhand aus dem Auto sprang um einzukaufen und Kleingeld zu besorgen. Ich fuhr weiter und drehte eine Runde um den Block um Johanna dann wieder einzusammeln. Auf einmal fing Maggie an, Fehlzündungen zu produzieren, ging dann einige Momente später aus und sprang nicht mehr an. Zum Glück im Unglück war unser Hotel nur 10 Minuten zu Fuß entfernt. Johanna, die vom Einkaufen wieder zum Auto gelaufen war, machte sich daher auf den Weg, um schon mal einzuchecken. Irgendwann kam dann auch der RAC (australischer ADAC) und stellte fest, dass sich die Lichtmaschine (alternator) verabschiedet hatte. Aus eigener Kraft konnte sich Maggie also nicht mehr bewegen. Das hieß „Abschleppen“… witzigerweise in die RAC Werkstatt in Northbridge, in deren Nähe wir ohnehin parken wollten. Freitag Abend war dort natürlich niemand mehr und das sollte sich bis Montag morgen auch nicht ändern: So einfach kommt man an einen kostenlose Parkplatz fürs Wochenende also, noch dazu überdacht. Das Auto ist mittlerweile wieder bei uns, repariert und wohlauf.

Am Sonntag haben uns Patrick und Kaylie wieder mit auf die Farm genommen. Auf dem Weg haben wir Halt bei Patricks Eltern gemacht, deren Farm nur 5 Minuten von „unserer“ Farm entfernt ist. Das ist ein richtige Farm mit einem Haus, zwei Geräteschuppen, drei Hunden, Schafen, Gänsen, Kaninchen, drei Kühen, Truthähnen, einem „miniature horse“ oder auch Pony namens „Domino“ und vielen Autowracks. Alles kreucht und fleucht durcheinander. Patricks Dad heißt John und sieht aus, wie eine Mischung aus Fips Assmussen und Captain Iglo. Er ist ein herzlicher Kerl. Zur Begrüßung gab es, wie sollte es anders sein in Australien, erst einmal ne Dose Bier. John arbeitet in einem nahegelegenen Schlachthaus als Industriemechaniker, ein lukrativer Job in Australien, mit dem man hier durchaus zum Landbesitzer werden kann. Patricks Mum kam später hinzu. Sie, und das finden wir richtig cool, fährt einen riesengroßen orangefarbenen Schulbus, mit dem sie alle Kinder im Shire Gingin jeden Tag aufsammelt und nach Hause bringt. Nach in paar Gesprächen über Deutschland, die Autobahn und die Welt haben uns Patrick und Kaylie dann auf unsere Farm gebracht, wo einige unangenehme aber nötige Haushaltstätigkeiten wie Aufräumen und Wäschewaschen auf uns warteten.

Überaschenderweise hat sich unser Team Mitte der Woche wieder vergrößert. Chris ist aus Broome wieder zurückgekehrt. Nach ein paar entspannten Wochen mit Jens, Ryuji und viel Alkohol sowie vielen netten Frauenbekanntschaften, wollte er noch ein wenig Geld verdienen. Jetzt ist unser Ernte-Team auch wieder komplett. Johanna fährt jetzt sogar schon Gabelstapler und das gar nicht schlecht. Das müssen sogar die Australier im Team zugeben. Zusammen verfolgen wir mehr schlecht als recht die Fußball-EM. Übrigens, aufgrund der immer gleichen Zeitverschiebung zwischen Australien und Österreich/Schweiz laufen die Spiele hier nachts zwischen 2 und 4 Uhr morgens im Bezahlfernsehen. Selbst wenn wir über einen Fernseher verfügten, wäre das einfach zu spät/früh für uns Graspfleger. Unser Kenntnisstand über die WM entstammt zu meist Patricks Berichten (er hat Bezahlfernsehen und auch einen Fernseher und ist krank geschrieben) oder sporadischen SMS aus Berlin. Das Finale werden wir also höchstwahrscheinlich nicht live mitbekommen. Highlights sind am Montag Nachmittag bei Alana und Greville zu Hause drin (die haben zwar kein Bezahlfernsehen, aber einen Fernseher und was für einen). Sie haben uns sogar Popcorn und Pizza versprochen.

Allen Fußball-Fans wünschen wir ein spannendes Finale. An dieser Stelle vielen lieben Dank an alle Leser dieses Blogs für Eure kleinen, witzigen und schönen Kommentare, die wir immer mit Begeisterung und Freude lesen.