Seit dem 1. Juni ist es Western Australia wieder offiziell und jedermann erlaubt, auf seinem Grundstück (property) nicht mehr benötigt Holz- und Baumreste (wahrscheinlich meist auch gleich noch andere Dinge) zu verbrennen. Das sind dann keine kleinen Laubfeuer, wie man sie aus Deutschland kennt. Meist kann man die Feuer kilometerweit riechen und bei Nacht auch sehen. Die staatlichen Förstereien haben jetzt auch endlich die Gelegenheit, in den Pinienwäldern (die künstlich angelegt zu sein scheinen) aufzuräumen und das Unterholz tagelang abzufackeln. Für Autofahrer ist das besonders von Vorteil, denn nur so kann man die sonst nächtlichen Fahrten durch dicken Nebel auch bei Tageslicht mit Rauchschwaden proben. Der Unterschied ist marginal, tagsüber riechts halt wie Lagerfeuer.
Vor einigen Tagen konnten wir eine riesige Rauchsäule beobachten, die vom Nachbargrundstück aufstieg. Wir dachten, ein Vulkan wäre mitten in Nachbar Toms Weinstöcken ausgebrochen – zumindest lies die mehrere hundert Meter hohe Rauchwolke darauf schließen. Aber dann kam die Entwarnung: war bloß ne Müllverbrennung auf Australisch, die ein wenig außer Kontrolle geraten war (ein Feuerwehrhubschrauber kreiste einige Zeit über dem Feuer).
Letztes Wochenende (Freitag Abend) sind wir wieder mal nach Perth gefahren. Wir hatten das Glück ein Hotelzimmer im altehrwürdigen Criterion Hotel zu ergattern, in bester Citylage natürlich. Unglücklicherweise besitzt das Hotel keinen Parkplatz, so dass wir Maggie außerhalb der City in Northbridge abstellen mussten, wo das Parken wesentlich günstiger ist als in der City. Blöderweise hatten wir noch kein Kleingeld für den Parkautomaten und ebenso kein Frühstück für Samstag Morgen. Also sind wir in die City gefahren, wo Johanna kurzerhand aus dem Auto sprang um einzukaufen und Kleingeld zu besorgen. Ich fuhr weiter und drehte eine Runde um den Block um Johanna dann wieder einzusammeln. Auf einmal fing Maggie an, Fehlzündungen zu produzieren, ging dann einige Momente später aus und sprang nicht mehr an. Zum Glück im Unglück war unser Hotel nur 10 Minuten zu Fuß entfernt. Johanna, die vom Einkaufen wieder zum Auto gelaufen war, machte sich daher auf den Weg, um schon mal einzuchecken. Irgendwann kam dann auch der RAC (australischer ADAC) und stellte fest, dass sich die Lichtmaschine (alternator) verabschiedet hatte. Aus eigener Kraft konnte sich Maggie also nicht mehr bewegen. Das hieß „Abschleppen“… witzigerweise in die RAC Werkstatt in Northbridge, in deren Nähe wir ohnehin parken wollten. Freitag Abend war dort natürlich niemand mehr und das sollte sich bis Montag morgen auch nicht ändern: So einfach kommt man an einen kostenlose Parkplatz fürs Wochenende also, noch dazu überdacht. Das Auto ist mittlerweile wieder bei uns, repariert und wohlauf.
Am Sonntag haben uns Patrick und Kaylie wieder mit auf die Farm genommen. Auf dem Weg haben wir Halt bei Patricks Eltern gemacht, deren Farm nur 5 Minuten von „unserer“ Farm entfernt ist. Das ist ein richtige Farm mit einem Haus, zwei Geräteschuppen, drei Hunden, Schafen, Gänsen, Kaninchen, drei Kühen, Truthähnen, einem „miniature horse“ oder auch Pony namens „Domino“ und vielen Autowracks. Alles kreucht und fleucht durcheinander. Patricks Dad heißt John und sieht aus, wie eine Mischung aus Fips Assmussen und Captain Iglo. Er ist ein herzlicher Kerl. Zur Begrüßung gab es, wie sollte es anders sein in Australien, erst einmal ne Dose Bier. John arbeitet in einem nahegelegenen Schlachthaus als Industriemechaniker, ein lukrativer Job in Australien, mit dem man hier durchaus zum Landbesitzer werden kann. Patricks Mum kam später hinzu. Sie, und das finden wir richtig cool, fährt einen riesengroßen orangefarbenen Schulbus, mit dem sie alle Kinder im Shire Gingin jeden Tag aufsammelt und nach Hause bringt. Nach in paar Gesprächen über Deutschland, die Autobahn und die Welt haben uns Patrick und Kaylie dann auf unsere Farm gebracht, wo einige unangenehme aber nötige Haushaltstätigkeiten wie Aufräumen und Wäschewaschen auf uns warteten.
Überaschenderweise hat sich unser Team Mitte der Woche wieder vergrößert. Chris ist aus Broome wieder zurückgekehrt. Nach ein paar entspannten Wochen mit Jens, Ryuji und viel Alkohol sowie vielen netten Frauenbekanntschaften, wollte er noch ein wenig Geld verdienen. Jetzt ist unser Ernte-Team auch wieder komplett. Johanna fährt jetzt sogar schon Gabelstapler und das gar nicht schlecht. Das müssen sogar die Australier im Team zugeben. Zusammen verfolgen wir mehr schlecht als recht die Fußball-EM. Übrigens, aufgrund der immer gleichen Zeitverschiebung zwischen Australien und Österreich/Schweiz laufen die Spiele hier nachts zwischen 2 und 4 Uhr morgens im Bezahlfernsehen. Selbst wenn wir über einen Fernseher verfügten, wäre das einfach zu spät/früh für uns Graspfleger. Unser Kenntnisstand über die WM entstammt zu meist Patricks Berichten (er hat Bezahlfernsehen und auch einen Fernseher und ist krank geschrieben) oder sporadischen SMS aus Berlin. Das Finale werden wir also höchstwahrscheinlich nicht live mitbekommen. Highlights sind am Montag Nachmittag bei Alana und Greville zu Hause drin (die haben zwar kein Bezahlfernsehen, aber einen Fernseher und was für einen). Sie haben uns sogar Popcorn und Pizza versprochen.
Allen Fußball-Fans wünschen wir ein spannendes Finale. An dieser Stelle vielen lieben Dank an alle Leser dieses Blogs für Eure kleinen, witzigen und schönen Kommentare, die wir immer mit Begeisterung und Freude lesen.