Samstag, 28. Juni 2008

Maggie im Krankenhaus oder Vulkanausbruch in der Cowalla Road

Seit dem 1. Juni ist es Western Australia wieder offiziell und jedermann erlaubt, auf seinem Grundstück (property) nicht mehr benötigt Holz- und Baumreste (wahrscheinlich meist auch gleich noch andere Dinge) zu verbrennen. Das sind dann keine kleinen Laubfeuer, wie man sie aus Deutschland kennt. Meist kann man die Feuer kilometerweit riechen und bei Nacht auch sehen. Die staatlichen Förstereien haben jetzt auch endlich die Gelegenheit, in den Pinienwäldern (die künstlich angelegt zu sein scheinen) aufzuräumen und das Unterholz tagelang abzufackeln. Für Autofahrer ist das besonders von Vorteil, denn nur so kann man die sonst nächtlichen Fahrten durch dicken Nebel auch bei Tageslicht mit Rauchschwaden proben. Der Unterschied ist marginal, tagsüber riechts halt wie Lagerfeuer.

Vor einigen Tagen konnten wir eine riesige Rauchsäule beobachten, die vom Nachbargrundstück aufstieg. Wir dachten, ein Vulkan wäre mitten in Nachbar Toms Weinstöcken ausgebrochen – zumindest lies die mehrere hundert Meter hohe Rauchwolke darauf schließen. Aber dann kam die Entwarnung: war bloß ne Müllverbrennung auf Australisch, die ein wenig außer Kontrolle geraten war (ein Feuerwehrhubschrauber kreiste einige Zeit über dem Feuer).

Letztes Wochenende (Freitag Abend) sind wir wieder mal nach Perth gefahren. Wir hatten das Glück ein Hotelzimmer im altehrwürdigen Criterion Hotel zu ergattern, in bester Citylage natürlich. Unglücklicherweise besitzt das Hotel keinen Parkplatz, so dass wir Maggie außerhalb der City in Northbridge abstellen mussten, wo das Parken wesentlich günstiger ist als in der City. Blöderweise hatten wir noch kein Kleingeld für den Parkautomaten und ebenso kein Frühstück für Samstag Morgen. Also sind wir in die City gefahren, wo Johanna kurzerhand aus dem Auto sprang um einzukaufen und Kleingeld zu besorgen. Ich fuhr weiter und drehte eine Runde um den Block um Johanna dann wieder einzusammeln. Auf einmal fing Maggie an, Fehlzündungen zu produzieren, ging dann einige Momente später aus und sprang nicht mehr an. Zum Glück im Unglück war unser Hotel nur 10 Minuten zu Fuß entfernt. Johanna, die vom Einkaufen wieder zum Auto gelaufen war, machte sich daher auf den Weg, um schon mal einzuchecken. Irgendwann kam dann auch der RAC (australischer ADAC) und stellte fest, dass sich die Lichtmaschine (alternator) verabschiedet hatte. Aus eigener Kraft konnte sich Maggie also nicht mehr bewegen. Das hieß „Abschleppen“… witzigerweise in die RAC Werkstatt in Northbridge, in deren Nähe wir ohnehin parken wollten. Freitag Abend war dort natürlich niemand mehr und das sollte sich bis Montag morgen auch nicht ändern: So einfach kommt man an einen kostenlose Parkplatz fürs Wochenende also, noch dazu überdacht. Das Auto ist mittlerweile wieder bei uns, repariert und wohlauf.

Am Sonntag haben uns Patrick und Kaylie wieder mit auf die Farm genommen. Auf dem Weg haben wir Halt bei Patricks Eltern gemacht, deren Farm nur 5 Minuten von „unserer“ Farm entfernt ist. Das ist ein richtige Farm mit einem Haus, zwei Geräteschuppen, drei Hunden, Schafen, Gänsen, Kaninchen, drei Kühen, Truthähnen, einem „miniature horse“ oder auch Pony namens „Domino“ und vielen Autowracks. Alles kreucht und fleucht durcheinander. Patricks Dad heißt John und sieht aus, wie eine Mischung aus Fips Assmussen und Captain Iglo. Er ist ein herzlicher Kerl. Zur Begrüßung gab es, wie sollte es anders sein in Australien, erst einmal ne Dose Bier. John arbeitet in einem nahegelegenen Schlachthaus als Industriemechaniker, ein lukrativer Job in Australien, mit dem man hier durchaus zum Landbesitzer werden kann. Patricks Mum kam später hinzu. Sie, und das finden wir richtig cool, fährt einen riesengroßen orangefarbenen Schulbus, mit dem sie alle Kinder im Shire Gingin jeden Tag aufsammelt und nach Hause bringt. Nach in paar Gesprächen über Deutschland, die Autobahn und die Welt haben uns Patrick und Kaylie dann auf unsere Farm gebracht, wo einige unangenehme aber nötige Haushaltstätigkeiten wie Aufräumen und Wäschewaschen auf uns warteten.

Überaschenderweise hat sich unser Team Mitte der Woche wieder vergrößert. Chris ist aus Broome wieder zurückgekehrt. Nach ein paar entspannten Wochen mit Jens, Ryuji und viel Alkohol sowie vielen netten Frauenbekanntschaften, wollte er noch ein wenig Geld verdienen. Jetzt ist unser Ernte-Team auch wieder komplett. Johanna fährt jetzt sogar schon Gabelstapler und das gar nicht schlecht. Das müssen sogar die Australier im Team zugeben. Zusammen verfolgen wir mehr schlecht als recht die Fußball-EM. Übrigens, aufgrund der immer gleichen Zeitverschiebung zwischen Australien und Österreich/Schweiz laufen die Spiele hier nachts zwischen 2 und 4 Uhr morgens im Bezahlfernsehen. Selbst wenn wir über einen Fernseher verfügten, wäre das einfach zu spät/früh für uns Graspfleger. Unser Kenntnisstand über die WM entstammt zu meist Patricks Berichten (er hat Bezahlfernsehen und auch einen Fernseher und ist krank geschrieben) oder sporadischen SMS aus Berlin. Das Finale werden wir also höchstwahrscheinlich nicht live mitbekommen. Highlights sind am Montag Nachmittag bei Alana und Greville zu Hause drin (die haben zwar kein Bezahlfernsehen, aber einen Fernseher und was für einen). Sie haben uns sogar Popcorn und Pizza versprochen.

Allen Fußball-Fans wünschen wir ein spannendes Finale. An dieser Stelle vielen lieben Dank an alle Leser dieses Blogs für Eure kleinen, witzigen und schönen Kommentare, die wir immer mit Begeisterung und Freude lesen.

Samstag, 14. Juni 2008

Nix Neues eigentlich

Hier mal wieder ein kleines Lebenszeichen von uns auch wenn es eigentlich nicht viel zu erzählen gibt.

Am 1.6. haben wir (Sebastian, ich, Patrick, Kaylie, Jens, Ryuji und Chris) uns zum Kindertag einen kleinen Ausflug zum Kartfahren gegönnt. Besser: Sebastian hat sich den Ausflug zum Kartfahren gegönnt und hat mich mitgenommen zum Fotografieren der Heldentaten. *grins*
Es war ein schöner, sonniger Tag und so saß ich mit Kaylie und Chris, der keine Lust hatte zu fahren, auf der Tribüne und habe den Jungs beim Rundendrehen zugeschaut und Fotos geschossen.

Letzte Woche gab es dann die Abschiedsparty von Jens, Ryuji und Chris und die war wirklich lustig. Alle Kollegen, selbst der sonst nicht so gesellige Ian, sowie Nachbar Tom mit Frau und Greville und Alana waren da. Patrick hatte tatsächlich seine komplette Karaoke-Ausrüstung (inklusive DVD-Player, Fernseher und Lautsprechern) angeschleppt und so ziemlich jeder hat sich mal auf die Bühne gewagt. Dazu gab es Barbecue mit richtig lecker gegrillten Burgern. Wir hatten eine ganze Menge Spaß.

Seit die Jungs weg sind und sich Patrick am Montag auch noch das Handgelenk verletzt hat, bin ich fester Bestandteil des Ernte-Teams und kann mal zeigen wie gut ich das mit dem Traktorfahren bisher gelernt habe. Bis jetzt gab es keine Beschwerden dafür schon einige Komplimente. Hach, ich hab wohl verborgene Talente.

Ansonsten gibt’s nichts Neues zu berichten. Uns geht es gut, wir sind erstaunlicherweise trotz des häufigen Regens noch nicht krank geworden und die letzten sieben Wochen unseres geplanten Arbeitsaufenthalts meistern wir bestimmt mit links. Danach geht’s hoffentlich wieder auf Reisen und es gibt wieder spektakulärere Bilder und Berichte. Die etwas unspektakuläreren Bilder zu diesem Bericht findet ihr wie immer im „Farm“-Ordner.

Donnerstag, 5. Juni 2008

David Hasselhoff, Karaoke und die Berliner Mauer

Es ist Sonntagmorgen (1.6.) und ich (Johanna) liege noch im Bett und schreibe einen neuen Post. Heute Nacht gab es ein unglaubliches Gewitter mit Unmengen Regen und Blitzen und Donner. Bei euch kehrt wahrscheinlich der Frühsommer ein, während es bei uns nachts mittlerweile an die 0°C-Grenze geht.

Zum Glück konnten wir vor einiger Zeit von Maggie in einen Bungalow (hier „Donga“ genannt) umziehen, der eine Klimaanlage mit Heizer hat. Ziemlich alt und langsam aber sie funktioniert. Der zweite Vorteil unserer neuen Behausung ist ein 2m langes und 1,50m breites Bett in das Sebastian nun auch seine Füße bekommt bei der Kälte nachts. Besonders gemütlich ist das Donga nicht. Es ist nicht ans Wasser angeschlossen, hat nur Neon-Licht und riecht immer ein bisschen nach Turnhalle, egal wie viel man lüftet. Aber wir sind ja nicht hier für Gemütlichkeit, gell?

Apropos Gemütlichkeit… die letzte Woche hatte arbeitsmäßig gesehen eine ganze Menge davon. Uns wurde nämlich vorletzte Woche mitgeteilt, dass die Geschäfte jetzt außerhalb der Saison schlechter laufen und dass Personalkosten zu sparen sind. Das hieß soviel wie: „Entweder drei Leute gehen oder alle können nur 30 Stunden in der Woche arbeiten.“ Leider haben sich daraufhin unsere Packpacker-Kollegen Chris, Jens und Ryuji entschieden nur noch zwei Wochen zu bleiben und dann die Farm zu verlassen um weiter zu reisen. Somit galt letzte Woche die Regel, dass jeder 40 Stunden arbeiten durfte. Wir haben also immer so gegen halb drei Feierabend gemacht und wussten gar nicht so genau was wir mit der vielen freien Zeit anfangen sollten. Sebastian hat dann Jens zum Glück Skat spielen beigebracht, damit wir uns die Zeit vertreiben konnten. Morgen ist hier in Western Australia ein Feiertag, so dass morgen frei ist und die anderen vier Tage der Woche nicht so entspannt sein werden.
An die Zeit danach will ich noch gar nicht denken… erstens glaube ich nicht, dass die ganze Arbeit mit drei Leuten weniger von den anderen in 50 Stunden pro Woche zu bewältigen sein wird und zweitens wird es hier wohl ganz schön einsam werden nach Feierabend, wenn nur wir zwei beiden übrig bleiben.

Eine klitzekleine gute Seite hat die ganze Geschichte jedoch auch. Greville und Alana haben angekündigt, dass wir Mädels dann die Harvest-Crew unterstützen müssen, weil die Männeranzahl ja von 8 auf 5 gesunken ist. Das heißt… die großen Traktoren fahren lernen für die Mädels! Letzte Woche hatte ich schon eine Übungsstunde auf einem unserer größten Traktoren (Massey Ferguson 5445) und Greville war ziemlich beeindruckt. Ich bin ja schon ein bisschen stolz. Zumal noch nicht mal alle Jungs diesen Traktor fahren durften.

Für den nächsten Freitag planen wir eine große Barbecue-Party zum Abschied. Es wird ne Menge Bier, Burger und vor allem Karaoke geben. Patrick und Kaylie werden ihre Karaoke-Anlage mit hierher bringen. Das wird bestimmt lustig.

Apropos Kaylie… (meine Überleitungen sind heute wirklich toll)… eine kleine Anekdote gibt es auch über sie zu berichten. Letztens haben wir uns über die Berliner Mauer unterhalten. Sie hatte darüber einen kleinen Dokumentationsausschnitt im Fernsehen gesehen. Als wir auf das Thema kamen, wer dafür verantwortlich war, dass die Mauer gefallen ist, suchte sich nach dem passenden Namen und nach einer Minute überlegen kam er: David Hasselhoff. Und das meinte sie ganz ernst. Ich war ziemlich baff.
Allerdings ist das hier auch kein Wunder, dass die Leute nicht wirklich eine Ahnung von der Welt außerhalb Australiens haben. Wir haben während unserer Hotelaufenthalte immer den Nachrichten-Sender gesehen und das Ausland tauchte dort eigentlich so gut wie nie auf. Bis auf Berichte über das Erdbeben in China und wenn in Kalifornien jemand von einem Hai gebissen wurde.

Das war im Groben erstmal das, was in den letzten Tagen so Spannendes passiert ist. Wir gewöhnen uns an das Klima und die Umwelt. Vor allem schreien wir nicht jedes Mal mehr laut auf, wenn Kängurus oder Emus am Straßenrand stehen. Was uns jedoch fast jede Nacht in Begeisterung versetzt sind die Sterne und vor allem der Mond. Man kann fast an jedem Sternenhimmel auf einen Blick die Milchstraße sehen und der Mond ist so hell, dass man lange Schatten auf den Fußboden wirft und keine Taschenlampe braucht wenn man nachts mal raus muss. Nur wenn ich nach der Dämmerung Auto fahre, irritiert er mich manchmal, weil ich wegen des starken Lichts immer im Rückspiegel nach einem nicht existenten Auto suche.

Es wäre schön, wenn ihr uns zu Abwechslung ein paar Sonnenstrahlen schicken könntet. Wir schicken im Austausch liebe Grüße nach Deutschland oder wo auch immer ihr beim Lesen dieses Blogs seid.

PS: Sind natürlich auch ein paar neue Fotos im „Farm-Fotoalbum“.