Donnerstag, 25. September 2008

Von Darwin nach Alice Springs – Introducing Howard Holden und Frieren in der Wüste

Dienstag
Leider kann sich Lyn erst abends mit uns treffen, um das Auto zu übergeben. Deswegen gammeln wir den ganzen Tag erwartungsvoll in der Gegend herum. Am frühen Nachmittag halten wir es in der Hitze nicht mehr aus, flüchten in ein klimatisiertes Einkaufszentrum und schlagen dort weiter die Zeit tot.
Um halb sieben ist es endlich so weit, wir treffen uns mit Lyn um den Kauf perfekt zu machen. Wir füllen alle Papiere aus und begeben uns dann zu ihrem Computer, um die $3200 von unserem Konto auf das ihre zu transferieren. Leider stellen wir dabei fest, dass unser Tageslimit bei der Bank nur $1000 beträgt. Auch ein Anruf beim Servicecenter der Bank ändert daran leider nichts. Was nun? Wir entsinnen uns unserer deutschen EC- und Kreditkarten und machen uns auf den Weg zum nächsten Geldautomaten. Dort ziehen wir unter Zuhilfenahme wirklich aller Karten die Summe, die wir brauchen. Dummerweise geben australische Geldautomaten als größte Banknote $50-Scheine aus, so dass wir mit einem dicken Bündel Geld bei Lyn auftauchen. Wir kommen uns ein bisschen wie Gangster vor mit dem Paket Geld in der Hand. Dann ein schneller Tausch Geld gegen Auto und wir rauschen mit Miet-Van und Holden glücklich ab.

Mittwoch
Es gibt viel zu tun. Alles muss vom Miet-Van irgendwie sinnvoll in den natürlich kleineren Kombi gepackt werden. Sebastian fährt unser neues Auto erstmal zum aussaugen, bevor wir mit dem Einpacken anfangen können, denn Lyn hatte einen ziemlich haarigen Hund, der wohl öfter mal hinten drin mitgefahren ist. Ich packe derweil alles aus dem Van aus und bekomme ein bisschen Angst, dass der ganze Kram nicht ins neue Auto passt.
Wir packen dann alles zusammen und siehe da… es ist sogar noch Platz! Dann fahren wir mir beiden Autos los um den Van wieder abzugeben. Was bin ich froh dieses eklige, siffige Auto los zu sein! Anschließend sind wir den ganzen Tag unterwegs, Auto offiziell ummelden, Versicherung abschließen, alte Versicherung kündigen, alte Registrierung abmelden, Zelt kaufen et cetera et cetera.
Wir schaffen alles, so dass es am Donnerstag mit dem Reisen weitergehen kann. Wer hätte das vor zehn Tagen schon geglaubt… wir nicht!

Unsere Campingnachbarn haben unser Schicksal alle sehr teilnahmsvoll verfolgt und alle freuen sich, dass nun alles für uns wieder gut ist. Nachbar Phil drückt uns zur Feier des Abends einen Teller frisch in Knoblauch gegrillte Scampis in die Hand und Nachbarin Ellen hat einen Namensvorschlag für das neue Auto: Howard Holden. So soll es denn sein!

Donnerstag
On the road again! Als nächste große Etappe steht Alice Springs auf dem Programm. Die 1500 km wollen wir auf drei Tage á 500 km aufteilen. Erstes Etappenziel soll Mataranka sein. Dort kommen wir gegen 14 Uhr an und sind vom Campingplatz enttäuscht. Keine Bäume die Schatten spenden und nur roter Sand. Bevor wir uns endgültig entscheiden, laufen wir noch zu dem im angrenzenden Regenwald liegenden Pool, der von unserem Reiseführer hoch gelobt wurde. Der Pool stinkt ziemlich und in den Bäumen hängen abertausende von großen Flughunden, die leider entgegen ihrer sonstigen Natur ziemlich tagaktiv sind und herumflattern. Definitiv kein Platz für mich! Also fahren wir weiter und spielen mit dem Gedanken, die Strecke in zwei Tagen zurückzulegen.
Um 18 Uhr haben wir 730 km geschafft und schlagen unser Zelt auf einem kleinen Roadhouse-Campingplatz in Elliot auf. Hier laufen eine ganze Menge Pfauen frei herum, weswegen an der Tür zur Tankstelle ein Zettel hängt, man dürfe so viele fangen, wie man denn wolle.

Freitag
Es ist bewölkt und daher ein guter Tag zum Autofahren. Wir reißen die die restlichen 770 km nach Alice Springs herunter und fallen früh ins Bett. Howard hat den ersten Härtetest gut bestanden und es stellt sich heraus, dass er ein echter australischer „bloke“ ist: Entspannt in allen Lebenslagen und immer durstig. Denn sein großer Motor (Anm v. Seb.: 3,8 l V6 mit 147 kW) verbraucht auch bei moderater Fahrweise Überland ca. 10 l auf 100 km, ohne eingeschaltete Klimaanlage. Aber dafür fühlen wir uns sicher mit Fahrerairbag und ABS. Und weniger als Maggie verbraucht so ein PKW allemal.

Samstag
Vormittags schauen wir uns Alice Springs mit seinen vielen Aboriginie-Kunstgalerien an. Außer diesen gibt es nicht viele Sehenswürdigkeiten. Den Nachmittag verbringen wir nach der langen Fahrt mit Entspannen. Sebastian rafft sich kurz vor Sonnenuntergang noch einmal auf, um die Gebirgskette, die an Alice Springs grenzt (MacDonnell Ranges) zu besteigen. Er kommt begeistert wieder mit schönen Panorama-Fotos von Alice Springs und Berichten von vielen, vielen Kängurus am Berg.

Sonntag
Der 450 km lange Weg zum Uluru-Kata Tjuta-Nationalpark (Uluru = ehemals Ayers Rock, Kata Tjuta = ehemals die Olgas) steht auf dem Programm. Bevor wir aufbrechen, schlendern wir noch gemütlich über den Sonntagsmarkt von Alice Springs. Auf der anschließenden Fahrt sehen wir viele riesige Keilschwanzadler, die größten Greifvögel Australiens. Die Landschaft wird auch immer wüstenähnlicher… viel rote Erde mit kleinen Büschen und runden Grasbüscheln.
Um 15 Uhr kommen wir auf unserem Campingplatz an und schlagen unser Zelt auf. Zum Sonnenuntergang begeben wir uns zum Uluru um das angeblich spektakuläre Schauspiel zu erleben, wie der Berg seine Farbe bishin zu leuchtend rot wechselt. Und es ist wahr… egal wie viele Bilder man schon davon gesehen hat in natura ist dieser Berg so beeindruckend, wie keiner den ich zuvor gesehen habe. Man steht mit Staunen davor und wird ehrfürchtig. Wie oft habe ich bis jetzt gedacht, dass manches auf unseren Fotos noch viel toller aussieht als in der Realität. Aber hier ist es andersrum… man kann mit keiner Kamera die Schönheit dieser Augenblicke einfangen.
Als wir auf den Campingplatz zurückkommen stellen wir zwei Dinge fest: Erstens, unser Zelt ist dem starken, böigen Wind, der hier herrscht nicht wirklich gewachsen und biegt sich bis zum Erdboden. Zweitens, es wird in der Wüste nachts tatsächlich extrem kalt. Eigentlich hatten wir uns nach den tropischen Gefilden auf kühle Nächte gefreut, aber in den nächsten Nächten werden wir bei ungefähr 4°C trotz Schlafsäcken, Bettdecke und Ganzkörper-Fleece-Bekleidung ganz schön frieren…

Montag
Wir schälen uns um 5 Uhr morgens aus dem Bett um den Sonnenaufgang zwischen Uluru und Kata Tjuta mitzuerleben. Es ist immer noch bitterkalt. Leider ist es auch bewölkt, so dass die aufgehende Sonne zwar tolle Strahlen auf den Uluru wirft aber Kata Tjuta nicht in Morgenrot taucht.
Wir fahren zurück zum Uluru und machen erstmal ein morgendliches Picknick. Der Uluru ist wegen des starken Windes von einer Staubwolke umgeben, so dass wir von dem geplanten Spaziergang am Fuße des Berges absehen. Stattdessen fahren wir zurück zum Campingplatz und „retten“ unser Zelt vorm Windkollaps.
Da es die ganze Zeit nach Regen aussieht, verbringen wir den Vormittag in den drei Shops, die es hier gibt. Am frühen Nachmittag ist dann endlich wieder blauer Himmel zu sehen und so begeben wir uns zum „Valley of the winds“ in den Olgas. Nach dem 7,5 km-Spaziergang schauen wir uns noch den Sonnenuntergang an, bevor wir schlotternd vor Kälte das mittlerweile ziemlich ramponierte Zelt wieder aufbauen.

Dienstag
Wieder klingelt um 5 Uhr unser Wecker. Wir wollen es noch mal mit dem Sonnenaufgang versuchen und diesmal klappt es mit dem Morgenrot. Da die Nacht ziemlich unerholsam war, gehen wir nach „getaner Arbeit“ wieder ins Bett. Weil wir befürchten, dass unser Zelt noch einen Tag in diesen Böen nicht überleben wird, beschließen wir, am Nachmittag nach Alice Springs zurückzufahren. Vorher machen wir noch zwei kleine Spaziergänge am Uluru.
Auf der Fahrt nach Alice Springs begegnen uns dann wieder die riesigen Adler und ein freilaufendes Dromedar.
In Alice Springs am Abend angekommen, müssen wir leider feststellen, dass es hier genauso kalt ist, wenn auch mit weniger Wind.

Mittwoch
Vormittags kümmern wir uns erstmal um den Kauf eines neuen Zeltes. Die Erfahrung hat uns nun gezeigt, worauf wir achten müssen. Als wir dem Verkäufer von unserem alten Zelt erzählen, errät der sofort goldrichtig, wo wir es gekauft haben. Scheint also ein nur uns unbekanntes Problem zu sein. Unser neues Zelt ist jedenfalls sehr schön und ich kann sogar drin stehen.
Am Nachmittag erkunden wir die East MacDonnell Ranges. Ca. 75 km von Alice Springs entfernt befindet sich das sogenannte Ross River Homestead - eine kleine Siedlung, ähnlich einer Farm. Dieses hier ist besonders schön, wie ein alter europäischer Bauernhof und drinnen laufen tatsächlich Beethovens Klavierkonzerte, während draußen unter den Palmen Pfauen stolzieren und uns beim Kaffeetrinken zugucken. Leider wird dort zur Zeit kein Personal gebraucht…
Von dort aus klettern wir auf einen Bergkamm um die schöne Aussicht über die Gebirgskette zu genießen. Beim Abstieg muss man sich ganz schön konzentrieren, um auf dem Geröll nicht auszurutschen und herunterzufallen. Deswegen sehe ich „es“ auch erst im letzten Moment. Ich springe drei Schritte zurück bergauf und schreie, dass es in den Bergen widerhallt. Vor mir sitzt ein vorsichtig geschätzt 1,20m langer Riesenwaran (Perentie) im Schatten eines Spinifex-Büschels. Erstaunlicherweise zeigt er sich von meinem Geschrei äußert unbeeindruckt und bleibt einfach sitzen. Während mein Herzschlag sich beruhigt, macht Sebastian ein Foto und wir setzen unseren Abstieg in großem Bogen fort. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass Riesenwarane nicht nur groß sondern auch giftig sind, hätten wir unseren Abstieg wohl ohne Foto und in größerem Bogen fortgesetzt.
Der Rest des Tages verläuft ruhig.

Donnerstag
Nach einer nicht ganz so kalten Nacht (7°C) stehen heute die West MacDonnell Ranges auf dem Programm. Wir besichtigen Standley Chasm eine rot leuchtende Felsschlucht und Simpson Gap, ein Tal, dass für seine Kolonier von Rock-Wallabies (kleine Bergkängurus) bekannt ist. Leider kommen wir zur falschen Zeit, so dass wir keine zu Gesicht bekommen.
Den Nachmittag verbringen wir mit Erholung und Organisatorischem, bevor es am Freitag auf die langen 2100 km bis zur Ostküste geht. Von dort aus dann mehr.

Dienstag, 16. September 2008

Von Katherine nach Darwin – Life is what happens to you while you’re busy making other plans (John Lennon)

Sonntag
Nachdem es in Katherine (wie so üblich in australischen Städten) nichts anzuschauen gibt, machen wir uns auf den Weg in den Nitmiluk-Nationalpark um uns die Katherine-Schluchten und einen Wasserfall namens Edith Falls anzuschauen.
Die Schluchten sind schön aber nicht wirklich beeindruckend, aber vielleicht können wir das nach dem Aufstieg zum Aussichtspunkt bei sengender Hitze auch einfach nicht mehr wahrnehmen. Nach 100 km Fahrt erreichen wir den winzigen Edith-Fall und sind von dem Wasserfall an sich etwas enttäuscht. Allerdings kann man in dem See, in den der „Wasserfall stürzt“ wunderbar baden und so wage zumindest ich den erfrischenden Sprung ins Wasser.
Gegen Nachmittag fahren wir dann nach Batchelor (ca. 100km südlich von Darwin) um von dort aus am Montag den Litchfield Nationalpark und am Dienstag Darwin zu entdecken.

Montag
Wir machen uns auf und bekommen mit den Florence Falls und den Wangi Falls richtig schöne Wasserfälle zu sehen. Zwischendrin planschen wir in den Buley Rockholes. Das sind Felsenstufen, in die das Wasser sozusagen kleine Pools hineingewaschen hat. Darin kann man baden während das Wasser die Stufen herunterplätschert. Sehr erfrischend, wenn auch ein bisschen von Menschen überlaufen.
Nachdem ich an den Wangi-Fällen noch den Anblick der aberhundert riesigen Fledermäuse oder Flughunde in den Bäumen verdaut habe, machen wir uns auf den Rückweg… und da durchkreuzt das Leben unsere Pläne.
Ein Transporter verliert uns entgegenkommend seine Ladung, die unser Auto frontal trifft. Wir können zum Glück fast unverletzt (es stellt sich im Nachhinein heraus, dass nur Sebastians Fuss geprellt ist) aus dem Wrack aussteigen. Wir schlottern wie Espenlaub, gehen ums Auto herum und stellen fest: Totalschaden. Die Ladung des Transportes bestand aus 100 kg schweren Salzsteinen, die die komplette Front des Autos (dessen Motor nun mal leider vorn ist) zerschmettert haben.
Nun haben wir zweimal Glück im Unglück. Erstens, der Transporterfahrer hält an, kommt zurück und stellt sich der Situation und zweitens, wir befinden uns auf Nationalpark-Gelände, so dass nach fünf Minuten die Ranger (so was wie die Nationalpark-Polizei) auftauchen.
Diese schleppen uns dann zu ihrer Station und helfen uns mit dem Austausch der Daten, dem Report bei der Polizei und bei der Organisation eines Abschleppwagens, der uns zumindest erstmal irgendwo hinbringt, wo wir übernachten können. In Maggie können wir nicht mehr schlafen, auch wenn man sie auf einen Campingplatz gestellt hätte, denn auch der Bettrahmen ist beim Aufprall gebrochen. So landen wir also nach mehreren Stunden des Organisierens und Wartens auf den Truck wieder in Batchelor und nehmen uns erstmal ein Motelzimmer.

Dienstag und Mittwoch
Wir sitzen in Batchelor fest (in dem nicht mal Mobiltelefonempfang gibt) und versuchen via Festnetz und „geklautem“ Internet, die Dinge mit der Versicherung ins Rollen zu bringen. Das ist alles kompliziert, nervenaufreibend und langwierig, weil uns auch keiner Auskunft geben will, welche Kosten im Normalfall in Australien übernommen werden.
Am Mittwoch entschließen wir uns, einen Abschleppwagen zu bestellen, der uns und Maggie nach Darwin bringt, wo die Versicherung sitzt und wo überhaupt die ganze Organisiererei etwas einfacher ist.

Donnerstag
Der Abschlepptruck bringt uns und Maggie morgens nach Darwin. Telefonisch hatten wir schon einen billigen Campervan in Darwin reserviert, da ansonsten dort keine Unterkunft unter $150 zu finden war. Das Abholen des Vans und das Umpacken aller unserer Sachen von Maggie in den Miet-Van kostet uns drei Stunden und eine Menge Nerven. Wir kaufen nur noch ein bisschen was ein und begeben uns auf den Campingplatz.
Von der Versicherung gibt es noch nichts Neues – bis jetzt konnten sie den Schadensfall noch nicht annehmen, da vom Unfallverursacher noch Informationen fehlen.

Freitag
Wir beschließen, uns ein bisschen abzulenken und uns Darwin anzuschauen. Darwin hat 110.000 Einwohner und ist damit die größte Stadt und zugleich Hauptstadt im Northern Territory. Im Prinzip besteht die Stadt aber auch nur aus zwei Einkaufsstraßen, einem Hafen und ner Menge Vorort. Dass man wie in europäischen Städten schön bummeln gehen kann, das scheint zumindest hier nicht zur australischen Lebenskultur zu gehören. Dementsprechend haben wir das Sightseeing innerhalb von zwei Stunden „abgearbeitet“. Während wir durch die zwei Straßen bummeln, gehen wir auch in jede Backpackerunterkunft um uns dort am schwarzen Brett nach verfügbaren Autos und deren Preis umzuschauen. Ein Auto zu mieten kommt für unsere Weiterreise wohl nicht in Frage, da das eine noch teurere Angelegenheit ist als ein Auto zu kaufen. Zudem müssen wir möglichst die gesamte Zeit mobil sein, damit wir auch wieder auf entlegeneren Farmen arbeiten können.
Danach fahren wir noch ein bisschen durch die Vororte und schauen uns die Universität an und dann geht’s zurück zum Campingplatz… Internetrecherche für ein neues Auto, Ummeldeformalitäten etc.
Von der Versicherungsagentin unseres Gegners bekommen wir am späten Nachmittag noch einen Anruf, dass jetzt alle Informationen vorliegen und dass am Montag die Schadensregulierung beginnen kann. Ihr Wort in Gottes Ohr!

Samstag
Wir schauen uns ein Auto an, was zwar einen sehr guten Eindruck macht, aber der Verkäufer erzählt uns eine Story (die sich hinterher als falsch herausstellen wird) wer der eigentliche Verkäufer ist und über die Umstände des sehr seltsamen Verkaufs. Wir lassen mit einem mulmigen Gefühl die Hände von dem Auto. Wir machen wieder den Zug durch die Hostels und ihre schwarzen Bretter. Danach telefonieren wir uns nach Autos die Finger wund und bekommen den Eindruck, dass Autokauf hier der reinste Wettlauf ist. Selbst wenn man morgens einen neuen Aushang gefunden hat und mittags anruft, ist das Auto schon verkauft. Irre!

Sonntag
Wir machen dasselbe wie Samstag… Autorecherche und schnellstmöglich angucken, wenn das Auto noch verfügbar ist. Dabei entdecken wir über eine Zeitungsannonce einen 1995iger Holden Commodore, der wie geschaffen für uns zu sein scheint. Ein neuer (gebrauchter) Campervan ist wegen der extrem schlechten Angebotslage in Darwin nicht drin. Den Holden schauen wir uns am Nachmittag an und treffen auf ein gut gepflegtes Auto in Besitz einer allein erziehenden Vorort-Mutter, die damit in den letzten fünf Jahren auch nur durch die Stadt gefahren ist. Sie lässt sogar mit sich über den Preis verhandeln, der uns eigentlich ein bisschen zu hoch ist. Vor allem da wir noch nicht wissen, ob wir von der Versicherung wirklich alle unsere Kosten ersetzt bekommen und was sie uns für Maggie geben werden.
Sie verspricht, uns am nächsten Morgen anzurufen, wenn sie weiß, wie viel die Reparatur der Aircondition kosten wird und damit, wie wir uns mit dem Preis einigen können. Danach fahren wir zum Mindil Beach zu einem Markt, den man laut unserem Reiseführer „lonely planet“ in Darwin nicht verpassen darf. Und ausnahmsweise hat er mal ins Schwarze getroffen. Der Markt ist lebhaft, voller wirklich handgemachter Sachen, toller Essens-Stände und es gibt sogar ein sehr schönes Didgeridoo-Konzert. Wir entspannen uns zum ersten Mal nach dem Unfall richtig. Am Abend schauen wir uns dann noch einen anderen Kombi an, einen 93iger Mitsubishi Magna, dessen Kauf sich aber mit dem ersten Satz der beiden Mädels, die ihn verkaufen wollen erledigt hat. Dieser lautete: „Also mit unserem Auto is des des: Man muss durch die Heckklappe reinkriechen um dann vorne rechts an der Tür die Zentralverriegelung aufzumachen. Aber dann funktionierts.“ Und für dieses Auto wollten die doch tatsächlich noch 2800 Dollar haben! Die Welt ist irre.

Montag
Wir telefonieren gleich als erstes am Morgen mit der uns langsam vertrauten Glenda von der Versicherung um den Stand der Dinge abzufragen. Sie macht uns Hoffnung, was die Kostenübernahme und eine schnelle Abwicklung angeht, denn nun hat sie tatsächlich alle Informationen die sie braucht. Wir raffen also alle unsere Quittungen zusammen und faxen die gleich mal durch. Dann machen wir uns wieder auf in die Stadt, um ein bisschen Recherche zu betreiben, wie das hier im Northern Territory mit dem Autokauf und den Versicherungen funktioniert, denn jeder Bundesstaat hat dafür ein ganz eigenes System. Wir fragen uns überall durch und kommen zu dem Schluss, dass ein Autokauf hier auch für uns eine wirklich realistische Möglichkeit ist. Optimismus steigt in uns auf.
Und dann kommt die Überraschung! Um die Mittagszeit herum ruft Glenda an und teilt uns mit, dass die Versicherung all unsere Kosten übernimmt und uns für Maggie 3050 Dollar zahlt. Das ist zwar immer noch ein finanzielles Verlustgeschäft aber mehr als wir erwartet hatten. Wir können also den Holden kaufen und die Reise kann weitergehen!
Wir gucken uns gleich schon mal nach einem Zelt und anderen Sachen um, die wir noch brauchen, wenn wir auf einen Kombi umsteigen. Dann fahren wir zur Versicherung, holen noch unseren letzten Kram aus Maggie und verabschieden uns von ihr.
Am Abend telefonieren wir mit Lyn, der Frau, der der Holden gehört, und sagen den Kauf zu.
Was für ein erfolgreicher Tag!

Samstag, 6. September 2008

Von Broome nach Katherine – Maggie bekommt die Seeluft nicht

Samstag

Wir schlafen aus, soweit das auf einem Campingplatz möglich ist – also bis 7 Uhr. Sobald die Sonne um 6 Uhr morgens rauskommt, sind Camper wohl naturgemäß auf den Beinen. Wir machen uns ein schönes Frühstück und uns dann auf den Weg um die Stadt zu erkunden. Broome ist im Gegensatz zu den bisher erlebten Städten auf der Strecke relativ charmant und ganz hübsch. Es gibt sogar ein, zwei nette Cafe´s. Allerdings ist es nicht besonders groß, so dass wir den Großteil unserer Besichtigung nach einer halben Stunde langsamen Bummelns (ein schnelleres Tempo ist bei 33°C im wieder mal nichtvorhandenen Schatten nicht zu empfehlen) abgeschlossen haben. Danach fahren wir zum berühmten Cable Beach. Dieser heißt so, weil hier mal das Telefonkabel von Australien nach Java verlief. Abermals empfängt uns weißer Sand und unglaublich türkises Wasser. Am Nachmittag ziehen wir uns dann nach noch einigen Besorgungen in den Schatten unseres Campingplatzes zurück und genießen die Aussicht auf die Bucht.
Was wir den ganzen Tag am Himmel vom Broome sehen, sind erstens ein strahlendblauer Himmel und zweitens Unmengen von Greifvögeln, die ihre Kreise über der Stadt ziehen. Am Abend verschwinden die Vögel dann und ihr Platz wird von der gleichen Unmenge an Fledermäusen eingenommen, die den Vögeln in ihrer Größe in Nichts nachstehen.

Sonntag

Da wir Broome nun schon erkundet hatten und wir für Strand zu faul waren, entspannen wir uns beim Lesen und Hörbuch-Hören bis zum frühen Nachmittag. Praktische Dinge wie Abwaschen und Wäsche waschen machen wir natürlich auch mal. Am Nachmittag hatten wir geplant, noch mal zum Cable Beach und dann zum nahegelegenen Gantheaumes Point zu fahren, der spektakuläre Felsen im Sonnenuntergang und 120 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Fußabdrücke bieten soll. Die kann man allerdings nur bei absoluter Ebbe sehen, was an diesem Tag glücklicherweise so ziemlich mit dem Sonnenuntergangs-Zeitpunkt zusammenfällt. Das Glück verlässt uns allerdings in dem Moment, als Maggie noch auf dem Campingplatz das erste Mal von selbst ausgeht. Den kleinen Hügel auf dem Gelände schafft sie fast gar nicht mehr hoch. Wir sind ziemlich ratlos und überlegen, was zu tun ist. Kurzerhand entschließen wir uns, einen Tag länger in Broome zu bleiben, um sie reparieren zu lassen. Wir verlängern also unseren Campingplatz und tuckern vorsichtig dorthin zurück, weil wir uns so nicht auf die Straße trauen… Ade Dinosaurier-Abdrücke.

Montag

Wir stehen mal mit den ganzen Campern um 6 Uhr auf, um gleich bei Öffnungszeit die Werkstätten von Broome abzuklappern. In der ersten hat man für den Tag gar keine Kapazitäten, aber in der zweiten gibt man uns einen Termin für 13 Uhr. Da wir mit Maggie nicht weit fahren wollen, verplempern wir unseren Vormittag in einem Shoppingcenter mit ca. zehn Geschäften, deren Angebot wir danach auswendig kennen. Zum Termin liefern wir Maggie ab… wir dachte wir könnten warten, bis man uns wenigstens sagen kann, was das Problem ist, aber das ist nicht drin. Wir werden zurück zum Shoppingcenter kutschiert und man verspricht uns anzurufen, wenn man Genaueres weiß. Wir lungern also weiter herum und rechnen so vor uns hin, ab welcher Summe eine Reparatur unrentabel ist und was wir dann machen würden. Und in unseren Köpfen tickt die Uhr… wir wissen, eine Stunde Mechanikerarbeit kostet $ 110. Als uns um 16 Uhr dann schon ganz schummerig ist, weil noch keiner angerufen hat, wagen wir den ersten Schritt und erfahren, dass sich der Mechaniker das Auto gerade erst seit zehn Minuten anschaut. *uff*
Um kurz vor fünf (um diese Zeit machen hier down under die Werkstätten und so ziemlich alle anderen Läden zu) holt uns die nette Dame von der Werkstatt wieder am Center ab und der Mechaniker erklärt uns, sie wissen jetzt, was es ist (der Kondensator ist kaputt) aber sie können es halt erst morgen reparieren. Sie müssten auch etwas zusammenbasteln, weil sie einen passenden Kondensator nicht da hätten. Wir sollen Maggie am nächsten Morgen um 8 Uhr gleich wieder vorbeibringen.
Also müssen wir unseren Campingplatz nochmal um einen Tag verlängern… Ziemlich erschöpft vom ziellosen und langweiligen Rumlungern gehen wir ins Bett.
Halt, nein… !!! Da hab ich doch glatt was Wichtiges vergessen. Sebastian hat am Abend so eine Ahnung und schaut in seinem Wekzeug-Kramkasten und was findet sich da? Ein passender, nigelnagelneuer Kondensator für unsere liebe Maggie!!!

Dienstag

Punkt um acht stehen wir voller Hoffnung vor der Tür der Autowerkstatt. Wir denken uns, wir geben denen den Kondensator, warten ne halbe Stunde und machen uns dann einen schönen Tag, endlich wieder flexibel mit Maggie. Aber nööö… Der Mechaniker schickt uns wieder weg und bumps, sitzen wir schon wieder in dem Shoppingcenter fest. Viel anderes gibt’s ja in Broome nicht. Außerdem ist es wieder sehr heiß. Ums kurz zu machen… nach einem weiteren vergammelten Vormittag holt man uns um 13 Uhr wieder ab und ich bin schon ganz hibbelig wegen der Rechnung. Aber die läuft auf „gerade mal“ $250 heraus. Ganz schön erstaunlich, nachdem der Wagen anderthalb Tage in der Werkstatt war.
Wir greifen uns Maggie und machen uns vom Acker. Zur Belohnung gönnen wir uns tatsächlich mal einen Kinobesuch und freuen uns, dass wir endlich weiter können.
Vor allem ich möchte den Sandmücken Broomes entkommen, die mir insgesamt 63 furchtbar juckende Stiche auf Armen und Beinen verpasst haben. Sebastian haben sie natürlich verschmäht… Pünktlich zum Sonnenuntergang holen wir den geplanten Ausflug zum Gantheaumes Point nach. Die Dinosaurier-Fußabdrücke bekommen wir leider nicht zu sehen (Flut ist bereits wieder da), aber wir genießen, wie die untergehende Sonne die sowieso schon rötlichen Felsen in noch röteres Licht taucht.

Mittwoch

Wir fahren 400 km von Broome nach Fitzroy Crossing im Inland. Wir genießen den Ausblick und unsere leise schnurrende Maggie. An uns ziehen lauter ausgetrocknete Flussläufe, ein paar Tafelberge, viele Kühe und riesige Affenbrotbäume vorbei, als wir die Region „Kimberley“ durchqueren.
An diesem Tag läuft alles glatt, es gibt nichts Weiteres zu berichten.

Donnerstag

Um 6 Uhr klingelt unser Wecker, wir wollen früh losfahren, um vor der Mittagshitze an unserem nächsten Etappenziel, dem 300 km entfernten Halls Creek zu sein. Als wir planmäßig um 10 Uhr dort ankommen, kommt mir spontan der Satz in den Sinn: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“ Eine kleine Ansammlung von Häusern, zwei oder drei kleine Läden und ein schrecklicher Campingplatz auf dem sage und schreibe drei Bäume stehen, die nicht wirklich Schatten versprechen. Kurzentschlossen nehmen wir noch die 350 km bis zum nächstgrößeren Ziel Kununurra in Angriff – Mittagshitze hin oder her, hier wollen wir nicht bleiben. Wegen der schönen Landschaft kommt uns die Strecke gar nicht lang vor und wir checken um halb vier auf einem schönen und schattigen Campingplatz in Kununurra ein. Doch ein bisschen erschöpft von „dem langen Kanten“ machen wir noch telefonisch ein Treffen für den nächsten Tag mit unserem Kollegen Jens von der Turffarm aus, der jetzt hier auf einer Melonenfarm arbeitet. Duschen, Essen und Entspannen…

Freitag

Wir stocken unsere Vorräte im örtlichen Supermarkt auf und schauen uns innerhalb von 10 Minuten die Stadt an. Australische Kleinstädte sind nur mal nur funktional und nicht zum Besichtigen gedacht…
Am örtlichen Stausee sitzen wir im Schatten eines großen Baumes, beobachten die Vögel und unterhalten uns über unsere bisherigen Eindrücke von der Reise. Ja, auch nach sechs Monaten täglicher Zweisamkeit von fast 24 Stunden reden wir noch miteinander. Wir stellen fest, dass dieses Projekt auf jeden Fall den Stress, den es mit sich bringt wert war, weil wir viele Erfahrungen gesammelt haben. Allerdings sind wir uns auch einig, dass wir uns nicht vorstellen können, hier zu leben, weil der australische Lebensstil nicht auf Dauer zu uns passen würde. Wir werden also wieder nach Deutschland kommen und hegen bis jetzt keine Auswanderungsgedanken.
Für den Abend sind wir mit Jens verabredet, der nach einem Monat arbeiten mit 16 Stunden am Tag morgen den ersten Tag frei hat. Wir freuen uns, Jens wiederzusehen und verbringen den Abend mit angeregten Unterhaltungen mit ihm und ein paar seiner Kollegen im Garten seiner Herberge. Fotos haben wir auch gemacht, leider ohne vorher die Speicherkarte in die Kamera zu tun. Pech.

Samstag

Heute standen mit einem Abstecher an den Lake Argyle insgesamt 610 km von Kununurra bis nach Katherine auf dem Programm. Lake Argyle ist der größte Stausee Australiens und soll viele Süßwasserkrokodile beherbergen. Der See ist wunderschön blau und von Bergen umgeben. Der insgesamt 80 km Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt auch wenn wir kein Krokodil zu Gesicht bekommen haben. Kurz hinter dem See überqueren wir die Grenze von Western Australia zum Northern Territory und müssen unsere Uhren anderthalb Stunden vorstellen. Dementsprechend erreichen wir unseren Campingplatz in Katherine erst gegen 18 Uhr und richten uns ein.
Wie es genau weitergeht, wissen wir noch nicht. Wir wollen ab Sonntag entweder den Kakadu National Park oder den Litchfield National Park besichtigen, wie haben nur noch nicht entschieden welchen. Aber das werdet ihr ja im nächsten Blog-Eintrag erfahren…