Wieder ein Sonntag mit Regenschauern in Australien gibt uns Zeit, Euch über Neues aus Down Under zu informieren.
Vor zwei Wochen sind wir Augenzeugen einer Aussie-Geburtstagsparty geworden. Patricks Dad hatte seinen fünfzigsten Geburtstag und so waren ca. 50 Verwandte und Bekannte eingeladen, sich am Samstag an Bier und selbstgeschlachtetem Lamm vom Spieß zu erfreuen. Um nicht mit leeren Händen zu erscheinen, hatte Johanna noch schnell eine CD mit Oldies und deutschen Schlagern gebrannt, die wir als Geschenk zusammen mit einem Schokokuchen überreichten. Das hat John (Patricks Dad) allerdings schon gegen 19 Uhr nicht mehr richtig mitbekommen, da sich sein und der allgemeine Alkoholpegel schon im fortgeschrittenem Stadium befanden. Was uns erstaunt hat, ist, dass die Australier zur Party erstens ihre eigene Kühlbox auf Rädern mit Bier und Alkoholika und zweitens alle ihre Kinder mitbrachten.
Das ergab dann zwischen den vielen ganz erheblich betrunkenen und bekifften Erwachsenen ein ganz schönes Gewusel. Aber für die Unterhaltung der Kinder war auf jeden Fall mit einem großen Lagerfeuer, den vielen Autowracks auf dem Gelände und einer Schaukel gesorgt.
Ich habe verzweifelt versucht mit zehn Dosen australischem Bier betrunken zu werden, was mir allerdings nicht mal ansatzweise gelungen ist. Lustig war es trotzdem. Es gab einen riesigen Schokoladenkuchen und viele andere leckere Sachen. Außerdem haben wir noch ein paar weitere Familienmitglieder Patricks kennengelernt und festgestellt, dass die noch verrückter sind als er… vor allem sein kleiner Bruder Steve, der mir einen neuen Spitznamen verpasste… „massive“. Die zwei entzückendsten Mitglieder dieser Familie waren allerdings eindeutig Patricks Großmutter, die von allen „nana“ genannt wird (ihren eigentlichen Namen kennt niemand) und seine kleine Nichte Lily, die Johanna nur schweren Herzens wieder an ihre Mutter abgab.
Nachdem wir den Sonntag unseren nichtvorhandenen Kater ausgeschlafen und den Tag verbummelt hatten, ging es am Montag zum Arbeiten auf die neue Farm. Wir nehmen jetzt an, dass unser neuer Chef Todd uns an diesem Tag mit dem furchtbarsten Job auf dieser Farm belegt hat, damit wir alles andere danach als Erleichterung empfinden würden… Wir durften den ganzen Tag das Bewässerungssystem checken und defekte Sprinkler austauschen. Klingt nicht schlimm, isses aber… das Bewässerungssystem lief, während wir dies taten und wir wurden neun Stunden lang immer wieder nass trotz Regenklamotten. Auch die Folgearbeit ist nicht wirklich toll… denn die defekten, meist nur verstopften Sprinkler, müssen per Hand gereinigt bzw. per Mund ausgeblasen werden. Und was verstopft die Sprinkler? Ameisen. Lecker!!! Wenn wir nicht Sprinkler checken oder reinigen, trimmen wir Pflaumenbäume von 3D zu 2D. Die Plantage besteht nämlich aus vielen Reihen von ca. 4m hohen Spalieren, an den die Pflaumenbäume flach hoch wachsen sollen, um eine einfache und ertragreiche Ernte zu gewährleisten. Da Bäume ungünstigerweise in alle Richtungen wachsen, ist es unser Job, sie auf flach zu schneiden und an den Spalieren zu befestigen. Das ist spätestens ab dem dritten Tag tödlich langweilig und geht auf die Handgelenke. Aber mittlerweile haben wir schon zwei Wochen hinter uns gebracht und die restlichen zwei bis drei halten wir noch durch… befürchte ich. Im Ernst, es könnte schlimmer sein. Unser Boss ist cool, unser Co-Worker Mike ist Schotte aus Glasgow und hört sich an, wie ein Österreicher, der Englisch spricht. Außerdem hat er uns ein paar DVDs geliehen, die uns die regnerischen Zeiten ertragen lassen.
Apropos Regen… letzte Woche haben wir hier ein richtig anständiges Unwetter erlebt. Unsere phillipinischen Ex-Kollegen haben zu ersten Mal in ihrem Leben Hagel erlebt… einer von ihnen, während er mit einem kabinenlosen Traktor unterwegs war. Teile von Perth wurden überflutet und es gab sogar einen Tornado… laut Radionachrichten. Auf jeden Fall war das Unwetter so stark, dass wir uns im Schuppen (wir befreiten gerade Sprinkler von Ameisenüberresten) nicht mehr ohne Gebärdensprache unterhalten konnten. Der auf das Blechdach prasselnde Regen und Hagel war einfach zu laut.
Nächstes Wochenende wird wahrscheinlich aufregend. Wir wollen uns ein echtes Aussie-Rules-Footballspiel anschauen, noch dazu ein Derby. Ich hoffe, wir kommen da lebend raus… vorausgesetzt Patrick hat die Tickets bekommen. Ansonsten planen wir so langsam unsere weitere Reise und freuen uns mit jedem Tag mehr darauf.
Sonntag, 27. Juli 2008
Barbie und Tornado
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Sebastian
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14:11
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Samstag, 12. Juli 2008
Die Dinge ändern sich…
Heute gibt es endlich mal wieder ne Menge zu erzählen. Um alles gut im Blog unterzukriegen, werde ich es einfach mal der Reihe nach chronologisch versuchen.
Letzten Samstag (5.7.) waren wir mit Maggie unterwegs ins Einkaufszentrum als ich am Wegesrand aus den Augenwinkeln riesige weiße Blüten im Wald stehen sah. Aufm Rückweg hat Sebastian dann mal für mich angehalten, damit ich mir das aus der Nähe ansehen konnte. Und tatsächlich standen da mitten im Wald riesige Büsche von Pflanzen die unglaublich große, weiße, calla-ähnliche Blüten hatten. Mir blieb ja fast die Spucke weg vor Erstaunen, so schön waren sie. Nachdem ich zurück im Donga gleich mal in unserem Offline-Wikipedia recherchiert hatte, muss es sich wohl um Gymnostachys anceps handeln, die im östlichen Australien beheimatet ist. Am Montag habe ich gleich Kaylie davon erzählt und die meinte, für die Australier ist das Unkraut. Da kann man sich ja nur vorn Kopp hauen!
Nachdem das Wochenende sonst sehr ruhig verlief, überraschte uns Australien am Montagmorgen mit gefrorenem Rasen! Tatsächlich waren die Temperaturen während der Nacht unter 0°C gefallen, so dass eine dicke weiße Frostdecke das Gras bedeckte und die Blätter beim Laufen unter einem brachen.
Montagabend haben wir dann unsere Chefin überreden können, uns bei unserer leider fälligen ersten australischen Steuererklärung zu helfen. Das Steuerjahr geht hier von 1. Juli bis zum 30. Juni und man hat dann bis Ende Oktober Zeit seine Steuererklärung zu machen. Wir wollten das hinter uns bringen, solange wir noch fachkundige Hilfe von Alana hatten. Das elektronische Steuerprogramm, das wir benutzten, sagt einem am Ende des Ausfüllens auch, wie viel man zurückbekommt oder schuldet. Das Ergebnis hat uns dann jedoch aus den Socken gehauen… wir müssen $ 1.600 zurückzahlen!!! Auf unseren Lohnabrechnungen, die von der die Rechnungsabteilung der Basis-Farm erstellt wurden, wurde die Steuer immer falsch berechnet. Statt 29 Prozent, die wir hier ab dem ersten Dollar zahlen müssen, wurden nur 22 Prozent abgezogen. Wir dachten natürlich, dass das seine Richtigkeit hätte, weil wir davon ausgegangen sind, die wüssten was sie tun. Vor allem, weil ja auf den drei Farmen eine ganze Menge Backpacker wie wir arbeiten. Aber nun gut.
Nachdem wir diesen Schock erstmal mit einem Glas Wein von Nachbar Tom verdaut hatten, fragten wir bei Alana an, ob denn die Möglichkeit bestünde, eventuell zwei Wochen länger hier zu arbeiten. Das würde uns helfen, die Steuerschulden zu begleichen. Sie meinte, sie würde versuchen was sie könnte.
Am nächsten Morgen (das Gras war wieder gefroren) ereilte uns dann die Hiobsbotschaft, dass Dick, dem die Farmen gehören, die Arbeiter ab sofort auf drei Tage die Woche Arbeit gesetzt hatte… Damit war natürlich auch gesagt, dass zwei Wochen länger bleiben keine Option war. Drei Tage Arbeit pro Woche bringt aber auch nicht so viel Geld, dass es sich lohnt zu bleiben. Das würde zwar ein wenig mehr Geld bringen als uns die Lebenshaltung kostet aber dafür hinge man dann auch vier Tage die Woche auf der Farm rum… ohne Radio, ohne Fernseher, ohne Außenwelt. Ausflüge könnten wir uns dann nicht mehr leisten.
Aber eigentlich hatten wir noch nicht so viel Geld verdient, wie wir uns vorgenommen hatten, schon wegen der doofen Steuer. Also wollten wir auch nicht abreisen. Nun war guter Rat teuer…
Kurz vor der Lunch-Pause überraschten uns Greville und Alana dann mit der Neuigkeit, dass sie uns einem befreundeten Nachbarn empfohlen hätten, der Arbeiter zum Bäumebeschneiden sucht. Genaues wussten sie allerdings noch nicht über den Job und ob Todd (so heißt der Nachbar) uns nehmen würde. Also hieß es nun bibbernd auf den Rückruf von Todd zu warten. Dieser kam dann nach ziemlich schlaflos verbrachter Nacht am nächsten Morgen. Todd würde uns nehmen! Greville hat uns sofort in sein Auto geladen und uns rüber auf die andere Farm gebracht, damit wir mit Todd sprechen und er uns kennenlernen könnte. Er machte einen netten Eindruck und die Konditionen der Arbeit scheinen auch gut zu sein, also fangen wir nächsten Montag um 7:30 Uhr auf der Nachbarfarm mit Bäumebeschneiden an. Mannomann…
Der gute Nebeneffekt ist, dass wir hier auf der Turf-Farm in unserem Donga wohnen bleiben können und sozusagen unsere „gewohnte Umgebung“ haben. Und das Beste an der Sache ist, dass wir auf der Nachbarfarm ab Montag mindestens vier Wochen arbeiten können, so dass wir das Geld für die Steuer auch wieder reinholen können. Wunderbar! Und dann geht’s hoffentlich los mit dem langersehnten Reisen durch Australien.
Freitag geschah dann erneut Berichtenswertes… Zur Lunchpause brachte Patrick eine giftige Schlange mit, die er beim Arbeiten auf der Farm entdeckt und kurzerhand geköpft hatte. Die lag dann auf den Betonstufen zum Office und bewegte sich noch munter vor sich hin. Ich hab dann allen meinen Mut zusammengenommen und sie sogar angefasst. Beweisfotos (und auch andere neue Fotos) findet ihr im „Farm“-Photoalbum.
Freitagabend gab es dann noch ein sehr lustiges Dinner in Alana´s und Grevilles Haus, mit dem wir unseren „Arbeitsabschied“ und Chris’ endgültigen Abschied von der Farm gewürdigt haben. Jeder musste ein Gericht mitbringen und dann haben wir uns ringsum vollgefressen. Ich hab den Australiern mal gezeigt, wie lecker Senfeier sind. *grins*
Eingestellt von
Johanna
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