Samstag, 6. September 2008

Von Broome nach Katherine – Maggie bekommt die Seeluft nicht

Samstag

Wir schlafen aus, soweit das auf einem Campingplatz möglich ist – also bis 7 Uhr. Sobald die Sonne um 6 Uhr morgens rauskommt, sind Camper wohl naturgemäß auf den Beinen. Wir machen uns ein schönes Frühstück und uns dann auf den Weg um die Stadt zu erkunden. Broome ist im Gegensatz zu den bisher erlebten Städten auf der Strecke relativ charmant und ganz hübsch. Es gibt sogar ein, zwei nette Cafe´s. Allerdings ist es nicht besonders groß, so dass wir den Großteil unserer Besichtigung nach einer halben Stunde langsamen Bummelns (ein schnelleres Tempo ist bei 33°C im wieder mal nichtvorhandenen Schatten nicht zu empfehlen) abgeschlossen haben. Danach fahren wir zum berühmten Cable Beach. Dieser heißt so, weil hier mal das Telefonkabel von Australien nach Java verlief. Abermals empfängt uns weißer Sand und unglaublich türkises Wasser. Am Nachmittag ziehen wir uns dann nach noch einigen Besorgungen in den Schatten unseres Campingplatzes zurück und genießen die Aussicht auf die Bucht.
Was wir den ganzen Tag am Himmel vom Broome sehen, sind erstens ein strahlendblauer Himmel und zweitens Unmengen von Greifvögeln, die ihre Kreise über der Stadt ziehen. Am Abend verschwinden die Vögel dann und ihr Platz wird von der gleichen Unmenge an Fledermäusen eingenommen, die den Vögeln in ihrer Größe in Nichts nachstehen.

Sonntag

Da wir Broome nun schon erkundet hatten und wir für Strand zu faul waren, entspannen wir uns beim Lesen und Hörbuch-Hören bis zum frühen Nachmittag. Praktische Dinge wie Abwaschen und Wäsche waschen machen wir natürlich auch mal. Am Nachmittag hatten wir geplant, noch mal zum Cable Beach und dann zum nahegelegenen Gantheaumes Point zu fahren, der spektakuläre Felsen im Sonnenuntergang und 120 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Fußabdrücke bieten soll. Die kann man allerdings nur bei absoluter Ebbe sehen, was an diesem Tag glücklicherweise so ziemlich mit dem Sonnenuntergangs-Zeitpunkt zusammenfällt. Das Glück verlässt uns allerdings in dem Moment, als Maggie noch auf dem Campingplatz das erste Mal von selbst ausgeht. Den kleinen Hügel auf dem Gelände schafft sie fast gar nicht mehr hoch. Wir sind ziemlich ratlos und überlegen, was zu tun ist. Kurzerhand entschließen wir uns, einen Tag länger in Broome zu bleiben, um sie reparieren zu lassen. Wir verlängern also unseren Campingplatz und tuckern vorsichtig dorthin zurück, weil wir uns so nicht auf die Straße trauen… Ade Dinosaurier-Abdrücke.

Montag

Wir stehen mal mit den ganzen Campern um 6 Uhr auf, um gleich bei Öffnungszeit die Werkstätten von Broome abzuklappern. In der ersten hat man für den Tag gar keine Kapazitäten, aber in der zweiten gibt man uns einen Termin für 13 Uhr. Da wir mit Maggie nicht weit fahren wollen, verplempern wir unseren Vormittag in einem Shoppingcenter mit ca. zehn Geschäften, deren Angebot wir danach auswendig kennen. Zum Termin liefern wir Maggie ab… wir dachte wir könnten warten, bis man uns wenigstens sagen kann, was das Problem ist, aber das ist nicht drin. Wir werden zurück zum Shoppingcenter kutschiert und man verspricht uns anzurufen, wenn man Genaueres weiß. Wir lungern also weiter herum und rechnen so vor uns hin, ab welcher Summe eine Reparatur unrentabel ist und was wir dann machen würden. Und in unseren Köpfen tickt die Uhr… wir wissen, eine Stunde Mechanikerarbeit kostet $ 110. Als uns um 16 Uhr dann schon ganz schummerig ist, weil noch keiner angerufen hat, wagen wir den ersten Schritt und erfahren, dass sich der Mechaniker das Auto gerade erst seit zehn Minuten anschaut. *uff*
Um kurz vor fünf (um diese Zeit machen hier down under die Werkstätten und so ziemlich alle anderen Läden zu) holt uns die nette Dame von der Werkstatt wieder am Center ab und der Mechaniker erklärt uns, sie wissen jetzt, was es ist (der Kondensator ist kaputt) aber sie können es halt erst morgen reparieren. Sie müssten auch etwas zusammenbasteln, weil sie einen passenden Kondensator nicht da hätten. Wir sollen Maggie am nächsten Morgen um 8 Uhr gleich wieder vorbeibringen.
Also müssen wir unseren Campingplatz nochmal um einen Tag verlängern… Ziemlich erschöpft vom ziellosen und langweiligen Rumlungern gehen wir ins Bett.
Halt, nein… !!! Da hab ich doch glatt was Wichtiges vergessen. Sebastian hat am Abend so eine Ahnung und schaut in seinem Wekzeug-Kramkasten und was findet sich da? Ein passender, nigelnagelneuer Kondensator für unsere liebe Maggie!!!

Dienstag

Punkt um acht stehen wir voller Hoffnung vor der Tür der Autowerkstatt. Wir denken uns, wir geben denen den Kondensator, warten ne halbe Stunde und machen uns dann einen schönen Tag, endlich wieder flexibel mit Maggie. Aber nööö… Der Mechaniker schickt uns wieder weg und bumps, sitzen wir schon wieder in dem Shoppingcenter fest. Viel anderes gibt’s ja in Broome nicht. Außerdem ist es wieder sehr heiß. Ums kurz zu machen… nach einem weiteren vergammelten Vormittag holt man uns um 13 Uhr wieder ab und ich bin schon ganz hibbelig wegen der Rechnung. Aber die läuft auf „gerade mal“ $250 heraus. Ganz schön erstaunlich, nachdem der Wagen anderthalb Tage in der Werkstatt war.
Wir greifen uns Maggie und machen uns vom Acker. Zur Belohnung gönnen wir uns tatsächlich mal einen Kinobesuch und freuen uns, dass wir endlich weiter können.
Vor allem ich möchte den Sandmücken Broomes entkommen, die mir insgesamt 63 furchtbar juckende Stiche auf Armen und Beinen verpasst haben. Sebastian haben sie natürlich verschmäht… Pünktlich zum Sonnenuntergang holen wir den geplanten Ausflug zum Gantheaumes Point nach. Die Dinosaurier-Fußabdrücke bekommen wir leider nicht zu sehen (Flut ist bereits wieder da), aber wir genießen, wie die untergehende Sonne die sowieso schon rötlichen Felsen in noch röteres Licht taucht.

Mittwoch

Wir fahren 400 km von Broome nach Fitzroy Crossing im Inland. Wir genießen den Ausblick und unsere leise schnurrende Maggie. An uns ziehen lauter ausgetrocknete Flussläufe, ein paar Tafelberge, viele Kühe und riesige Affenbrotbäume vorbei, als wir die Region „Kimberley“ durchqueren.
An diesem Tag läuft alles glatt, es gibt nichts Weiteres zu berichten.

Donnerstag

Um 6 Uhr klingelt unser Wecker, wir wollen früh losfahren, um vor der Mittagshitze an unserem nächsten Etappenziel, dem 300 km entfernten Halls Creek zu sein. Als wir planmäßig um 10 Uhr dort ankommen, kommt mir spontan der Satz in den Sinn: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.“ Eine kleine Ansammlung von Häusern, zwei oder drei kleine Läden und ein schrecklicher Campingplatz auf dem sage und schreibe drei Bäume stehen, die nicht wirklich Schatten versprechen. Kurzentschlossen nehmen wir noch die 350 km bis zum nächstgrößeren Ziel Kununurra in Angriff – Mittagshitze hin oder her, hier wollen wir nicht bleiben. Wegen der schönen Landschaft kommt uns die Strecke gar nicht lang vor und wir checken um halb vier auf einem schönen und schattigen Campingplatz in Kununurra ein. Doch ein bisschen erschöpft von „dem langen Kanten“ machen wir noch telefonisch ein Treffen für den nächsten Tag mit unserem Kollegen Jens von der Turffarm aus, der jetzt hier auf einer Melonenfarm arbeitet. Duschen, Essen und Entspannen…

Freitag

Wir stocken unsere Vorräte im örtlichen Supermarkt auf und schauen uns innerhalb von 10 Minuten die Stadt an. Australische Kleinstädte sind nur mal nur funktional und nicht zum Besichtigen gedacht…
Am örtlichen Stausee sitzen wir im Schatten eines großen Baumes, beobachten die Vögel und unterhalten uns über unsere bisherigen Eindrücke von der Reise. Ja, auch nach sechs Monaten täglicher Zweisamkeit von fast 24 Stunden reden wir noch miteinander. Wir stellen fest, dass dieses Projekt auf jeden Fall den Stress, den es mit sich bringt wert war, weil wir viele Erfahrungen gesammelt haben. Allerdings sind wir uns auch einig, dass wir uns nicht vorstellen können, hier zu leben, weil der australische Lebensstil nicht auf Dauer zu uns passen würde. Wir werden also wieder nach Deutschland kommen und hegen bis jetzt keine Auswanderungsgedanken.
Für den Abend sind wir mit Jens verabredet, der nach einem Monat arbeiten mit 16 Stunden am Tag morgen den ersten Tag frei hat. Wir freuen uns, Jens wiederzusehen und verbringen den Abend mit angeregten Unterhaltungen mit ihm und ein paar seiner Kollegen im Garten seiner Herberge. Fotos haben wir auch gemacht, leider ohne vorher die Speicherkarte in die Kamera zu tun. Pech.

Samstag

Heute standen mit einem Abstecher an den Lake Argyle insgesamt 610 km von Kununurra bis nach Katherine auf dem Programm. Lake Argyle ist der größte Stausee Australiens und soll viele Süßwasserkrokodile beherbergen. Der See ist wunderschön blau und von Bergen umgeben. Der insgesamt 80 km Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt auch wenn wir kein Krokodil zu Gesicht bekommen haben. Kurz hinter dem See überqueren wir die Grenze von Western Australia zum Northern Territory und müssen unsere Uhren anderthalb Stunden vorstellen. Dementsprechend erreichen wir unseren Campingplatz in Katherine erst gegen 18 Uhr und richten uns ein.
Wie es genau weitergeht, wissen wir noch nicht. Wir wollen ab Sonntag entweder den Kakadu National Park oder den Litchfield National Park besichtigen, wie haben nur noch nicht entschieden welchen. Aber das werdet ihr ja im nächsten Blog-Eintrag erfahren…

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

ach ja die Werkstätten, so langsam kennt Ihr eure Maggie aber auch ganz gut :-), wa? Ich drück Euch die Daumen das Sie bis zum Ende Eures Urlaubs durchhält.

Euer Micha