Von einigen Lesern sehnlichst erwartet, folgend nun ein kleines Update zu unseren Erlebnissen in letzter Zeit.
Im Obstgarten gegenüber, auf dem wir ja im August fleißig Pflaumenbäume beschnitten haben, fand in den vergangen Wochen die Ernte der Steinfrüchte statt. Neben Pflaumen wurden auch weiße und gelbe Nektarinen gepflückt. Zeit für uns, den Millers (Todd und seiner Familie, siehe Blogeinträge im August) ein Besuch abzustatten und vielleicht ein paar Früchte abzustauben. Tatsächlich: nach einem netten Abend bekamen wir dann zwei große Stiegen mit Nektarinen und Pflaumen mit, frisch vom Baum. Das Tolle ist neben dem fantastischen Geschmack vor allem der intensive Geruch, den die Früchte aus dem Supermarkt meist gar nicht mehr haben. Über ein Woche lang hielt sich das Bouquet des Steinobstes in unserem Donga und sobald wir eintraten stellte sich ein plötzlicher Appetit auf Früchte ein.
Ein weiterer Höhepunkt der letzten Wochen, zugegebenermaßen eher für mich denn für Johanna, war der Besuch eines Dragster-Rennens an einem Freitag Abend in Perth. Als Drag-Racing bezeichnet man Beschleunigungsrennen auf einer Geraden über eine Distanz von ca. 402 m (viertel Meile), bei dem in der Regel zwei Fahrzeuge gegeneinander um die Wette fahren. Der Schnellere gewinnt. Jetzt denken wahrscheinlich die meisten von Euch an irgendwelche prolligen Golf und Opel-Treffen, bei denen „Junggebliebene“ ihre Autos verheizen – wie langweilig. Beim professionellen Drag-Racing treten jedoch Fahrzeuge an, die speziell nur für solche Rennen gebaut werden, was die Sache doch spektakulär macht. Es gibt verschiedene Fahrzeugklassen, die höchste Klasse bezeichnet man als Top Fuel, da diese Fahrzeuge nicht mit herkömmlichen Benzin sondern einem Gemisch aus Nitromethan und Methanol befeuert werden. Das klingt schon gefährlich und tatsächlich leistet ein solcher V8-Motor ca. 8000 PS und katapultiert das Vehikel samt Fahrer in ca. 4-5 Sekunden über die Distanz der viertel Meile, Endgeschwindigkeit ca. 500 km/h. Die Bremsfallschirme sind keine Attrappe. Das solche „Autos“ natürlich über keine Auspuffanlage, geschweige den einen Schalldämpfer verfügen, versteht sich von selbst und so fühlt sich das Vorbeifahren des Boliden an, als würde man gerade Zeuge eines mittelschweren Erdbebens – im wahrsten Sinne Wortes atemberaubend.Todds Schwipp-Schwager ist zufällig Mechaniker in einem der Top Fuel-Teams und so bekamen wir zwischen den Rennläufen einen exklusiven Einblick in die Welt der Beschleunigungsrennen. Nach jedem Lauf wird nämlich der Motor bis auf den Block sofort komplett zerlegt und anschließend mit neuen Kupplungsscheiben, Kolben und Kurbelwelle wieder zusammengesetzt – Dauer: knapp 45 Minuten. Dabei müssen die Mechaniker sehr vorsichtig sein, denn die Teile des extrem heißen Motors kann man drei Stunden später noch als Tauchsieder verwenden. Für alle, die es interessiert: So ein Top Fuel Dragster verbraucht ca. 5-7 l … pro Sekunde. Gut, dass das Rennen spätestens nach fünf Sekunden vorbei ist.
Ein australisches Erlebnis der leiseren Art sollte es am Abend darauf geben. Das Symphonie-Orchester Western Australiens veranstaltete im Zentrum von Perth am Ufer des Swan River ein kostenloses Open-Air-„Konzertchen“. Auf dem Programm standen Evergreens der Klassik. Natürlich genau das Richtige für Johanna und ich muss zugeben, auch mich reizte die Vorstellung von angenehmer Musik mit kulinarischen Leckereien auf einer Wiese unter freiem Abendhimmel, als Ausgleich zum Erdbeben-Nitromethan-Getöse des Vorabends. Bewaffnet mit Picknickdecke, Erfrischungsgetränken und Programmflyer fanden wir uns um 19.30 Uhr auf einer großen Rasenfläche direkt vor der Skyline Perths ein. Vorausgegangen war ein ausgiebiger aber erfolgloser Shopping-Nachmittag in Perth, so dass wir froh waren, es uns endlich bequem machen zu können. Kurz vor Beginn des Konzerts gesellte sich noch Jens unser Arbeitskollege mit seinen Freunden Birte und Heinz dazu. Und dann ging es los. Die Akustik war erstaunlich gut für diese offene Fläche. Interessant waren die Leute um uns herum: von offensichtlichen Klassik-Fans, die jedes Stück mitdirigierten, über asiatische Touristen, die mit ihrer „Kompaktdigitalkamera“ verzweifelt versuchten, die 200 m entfernte Bühne zu beblitzen, bis hin zu biertrinkenden Football-Trikot-Trägern, war alles vorhanden. In das Stück „1812“ von Tschaikowsky wurden sogar echte Kanonenschüsse eingebaut (Anmerkung von Johanna). Nach anderthalb Stunden war leider alles schon vorbei. Die Atmosphäre war trotzdem toll, auch wenn die Musik des Abends nicht von E-Gitarre, Bass und Schlagzeug gemacht wurden.
Nun ist es nur noch ein Woche bis Weihnachten und das weiß ich nur, weil es mir mit Schrecken aufgefallen ist, als ich heute nach getaner Arbeit auf meinem Stundenzettel das Datum eingetragen habe. Es ist aber auch schwierig an Weihnachten zu denken, wenn sich Australien wettertechnisch gerade von seiner besten Seite zeigt und das Thermometer regelmäßig im 30er Bereich den Tag verbringt. Als Nordhalbkugellaner sind wir wohl einfach anders konditioniert. Nur Donnerstags, wenn wir einkaufen fahren, werden wir im Konsumtempel unserer Wahl durch allerlei Dekoklimbim, Xmas-Specials, die vielen Süßigkeiten und spätestens den Santa Claus vorm K-Mart, mit dem man sich fotografieren lassen kann, an das Fest der Liebe erinnert: „Ach ja, da war ja was demnächst!“
Allen Lesern dieses Blogs wünschen wir nichtsdestotrotz einen fleißigen deutschen Kollegen von Santa Claus, und, falls wir uns nicht noch einmal lesen vorher, einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Donnerstag, 18. Dezember 2008
Nektarinen, Carmina Burana und verbrannter Gummi
Eingestellt von
Sebastian
um
18:12
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
5 Kommentare:
Hurra, ein neuer Bericht ist da! Gelesen habe ich ihn noch nicht, muß nur schnell meine Freude zum Ausdruck bringen.
Herzliche Grüße von
Irmchen und Dieter.
Hallo ihr beiden,
ich wünsche euch feuchtfröhliche Weihnachten und einen Guten Rutsch ins Jahr 2009! Vergeßt die Sonnencreme nicht ;-)
Liebe Grüße aus dem nicht verschneiten Schmalkalden wünscht euch
Sebastian "polo"
Hallo Ihr zwei beiden,
mit Begeisterung haben wir leider erst heute Abend nebst einer Flasche Rotwein eueren neuesten Blog verschlungen... ein Traum(ob eurer Leichtigkeit Erlebtes spannend, interessant und humorvoll zu beschreiben)- wie jedes Mal! Wir brauchen mehr Bildmaterial... :P
Dicke Umarmung aus Bad Berka von Claudi und Vati
HAPPY NEW YEAR!!!!! :)
Ganz liebe Grüße auch von mir. hafti, das nächste mal will ich eine Zeit von Dir in der Top-Fuel klasse sehen. :-)
Euer Micha
Kommentar veröffentlichen