Donnerstag, 10. April 2008

Betonwüste Hongkong

Von Xiamen sind wir per Flugzeug wiederum bequem nach Hongkong gekommen. Wir flogen mit Cathay Pacific, was sehr angenehm war. Auch der Bustransfer vom Flughafen war äußerst entspannt und wir konnten auf der Fahrt bereits einige Eindrücke von der Sonderwirtschaftszone Chinas sammeln. Hongkong bezeichnet übrigens ein Gebiet, das aus mehren Städten besteht, die auf Inseln und Halbinseln verteilt sind. Die bekanntesten Städte sind Kowloon und Victoria City (Central).

In Kowloon befand sich unser Hostel. Bis jetzt waren unsere Hostels immer eigenständige Häuser gewesen. Das Travellers Friendship Hostel in Hongkong ist jedoch ein Teil der 8. Etage eines 17-stöckigen Wohnkomplexes (Mirador Mansion), der sich an der zentralen Straße von Kowloon (Nathan Road) befindet. Dass Wohnraum in Hongkong extrem knapp ist, bemerkten wir spätestens, als wir unser Zimmer betraten. Auf ca. 6 qm waren zwei Betten, ein Nachtschränkchen und eine kombinierte WC-Duschkabine untergebracht. Das Wort „Nasszelle“ bekommt hier eine ganz andere Bedeutung. Wenigstens hatten wir ein Fenster, was durchaus nicht Standard ist. Und das geschlossene Fenster schluckte diesmal auch den Schall von draußen, was in den anderen chinesischen Hostels nicht der Fall war.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten (viel auspacken konnten wir nicht), sind wir zur ersten Erkundungstour durch Kowloon aufgebrochen. Alles in Kowloon ist sehr dich bebaut. Grün findet man sehr selten, allenfalls auf dem Mittelstreifen der mehrspurigen Straßen oder klitzkleinen „Parks“ die zwischen mehreren solcher Straßen liegen. Die Einheimischen sprechen hier größtenteils Englisch as a second language… so wie wir. Hongkong insgesamt ist sehr sauber… kein Wunder: auf Spucken und Littering (Müll auf die Straße werfen) stehen empfindliche Geldstrafen. Die Straßen sind sehr westlich geprägt. Kleine Rollladen-Geschäfte, wie in den großen Festlandstädten Chinas, gibt es hier kaum. Stattdessen reiht sich ein Schaufenster an das Nächste. Zum Abschluss unserer Erkundungstour haben wir noch eine authentische Hongkonger Nudelsuppe gegessen… sehr lecker und nahrhaft!!! Danach waren wir mit vollen Bäuchen nur noch in der Lage, die „Nasszelle“ auzuprobieren und uns für die Nacht zu betten.

Der nächste Morgen begann mit Schrecken. Der Fussboden stand unter Wasser und die Fensterscheibe war komplett beschlagen. Als umweltbewusste Deutsche hatten wir trotz der hohen Luftfeuchtigkeit in diesen tropischen Gefilden die Klimaanlage über Nacht nicht laufen lassen, was in einer Betonwüste wie Kowloon fatal ist, weil sich die Stadt nachts nicht abkühlt und warmfeucht bleibt. Nunja… Lehrgeld bezahlt. In den darauffolgenden Nächten war unsere Klimaanlage an, wenn auch auf unterster Stufe.

Den zweiten Tag unseres Hongkong-Aufenthaltes nutzen wir für eine entspannte Hafenrundfahrt. Central (oftmals synonym verwendet für Victoria City, aber nur ein Teil davon) auf Hongkong Island haben wir uns zu Fuß angeschaut. Obwohl direkt auf der anderen Seite des Hafens gelegen, herrschte hier eine ganz andere Stimmung als in Kowloon. Es war nicht so voll, keine „Sir, wanna buy tailormade suit“-Inder waren weit und breit zu sehen und die Sonne schien. Nach einem kurzen Bummel zum Western Market mit seinen Stoff- und Souvenirläden, begaben wir uns zur Peak-Tram-Station. Der Victoria Peak ist die höchste Erhebung Hongkong Islands mit einem spektakulären Blick auf Hafen, Central und Kowloon. Die Straßenbahn brachte uns im 45°-Winkel hinauf. Aufgrund des großen Touristenandrangs mussten wir stehen und hatten Probleme stehen zu bleiben, vor allem als es später in diesem Winkel den Berg wieder hinab ging. Oben befinden sich mehrere Restaurants und Shops und eine Terrasse, von der aus man den Ausblick genießen und Fotos machen kann. Das Ganze ist ziemlich kommerziell, wie so ziemlich alles in Hongkong. Wir haben also schnell bei brütender Hitze unsere Fotos geschossen und sind mit der Tram wieder runter gefahren. Anschließend haben wir unsere Hafenrundfahrt fortgesetzt, was angesichts des Sonnenuntergangs eine sehr eindrucksvolle Erfahrung war. Nach einem ausgiebigen Abendessen in einem Restaurant, in dem sich Johanna aufgrund der extrem kaltgestellten Klimaanlage fast den Tod geholt hätte, haben wir den Tag beendet.

Am zweiten Tag entschieden wir uns für einen Ausflug nach Lantau-Island. Wir nahmen abermals den Weg übers Wasser. So konnten wir im Vorbeifahren von der Fähre aus den amerikanischen Flugzeugträger USS Nimitz bestaunen, der zwischen den Inseln von Hongkong vor Anker lag. Unsere Fähre landete in Discovery Bay, einem kleinen Örtchen, das komplett auf den Tourismus ausgerichtet und dementsprechend für uns steril und langweilig war. Deswegen nahmen wir sofort den Bus Richtung Tung Chung, wo wir den Giant Buddha besichtigen und mit der Seilbahn fahren wollten.
Der Blick aus der Seilbahn schien für unsere mitfahrende chinesische Klein-Familie gigantisch zu sein, da sie maschinengewehrartig mindestens 100 Fotos in allen Varianten schossen. Für uns war vor allem der Ausblick auf den neuen Flughafen interessant, für den extra ein Stück neues Land „gewonnen“ wurde.
Oben angekommen besichtigten wir mit vielen anderen Touristen den Giant Buddha, der wie das benachbarte Kloster perfekt von einem Neubaudörfchen samt Starbucks und McDonalds gesäumt war. Kommerz at it´s best in Hongkong.
Nach der Rückfahrt mit der Seilbahn nach Tung Chung entschieden wir uns für den Rückweg die U-Bahn zu nehmen, die uns nach Kowloon brachte. Allerdings war die U-Bahn-Station Teil einer hochmodernen, luxuriösen Wohnsiedlung nebst eigenem Einkaufszentrum (incl. Eisbahn) und eigener Grundschule, die so in sich geschlossen war, dass wir eine knappe Stunde brauchten, um den Weg in die „normale“ Stadt zurück zu finden. Flagschiff dieser Wohnsiedlung ist das Gebäude „The Arch“, welches in seinem unteren Teil das Einkaufszentrum beherbergt.
Auf dem Rückweg zu unserem Hostel haben wir uns Kowloon, inklusive des berühmten Temple-Nightmarket, noch ein bisschen näher angeschaut und sind ein letztes Mal authentisch chinesisch Essen gegangen.

Am Montag flogen wir dann nach Perth. Von hier aus gibt es bald einen neuen Bericht.

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