Samstag, 23. August 2008

Abschied von der Turffarm – Von Gingin nach Coral Bay

Unsere letzte Arbeitswoche verbrachten wir wie die davor mit Bäumebeschneiden und Anclippen sowie dem von uns so ungeliebten Bewässerungssystemcheck. Zum Glück waren wir nicht mehr lange genug da, um die kleinen Sprinkler von Ameisendreck befreien zu müssen.
Am Freitag (Samstag hatten wir uns frei genommen) gönnte uns Todd dann einen frühen Feierabend um 15:30 Uhr, nachdem an meinem Cherrypicker eine Luftdruckleitung geplatzt war. Ein Cherrypicker ist ein Vehikel, dass üblicherweise zum ernten von Kirschen eingesetzt wird, daher auch der Name. Damit kann man in einem Korb bis auf 3,80 m hinauf in die Baumwipfel fahren.

Zum Abschied gabs noch ein schönes gepflegtes Feierabendbierchen mit Todd und seiner Familie und Mike. Leider mussten wir das sehr angenehme Zusammensein um 18 Uhr verlassen, da Leah und Joel (zwei philippinische Kollegen von der Turffarm) ein Abschiedsessen in ihrem Wohncontainer für uns gaben. Dort waren fast alle Kollegen, sowie Nachbar Tom mit Frau Meryl versammelt und Leah hatte so viel gekocht, als gelte es eine ganze Kompanie zu versorgen. Leider war das Ganze trotzdem eine ziemlich langweilige Angelegenheit, wahrscheinlich wegen zu wenig Bier und weil alle die ganze Woche Arbeit in den Knochen hatten. Und diese Woche war auf der Turffarm ziemlich „busy“ gewesen, da es seit langem mal wieder an jedem Tag Ernte gegeben hatte.

Samstag gabs dann den Abschied von Patricks Familie. Wir haben auf dem riesigen Fernseher von Patricks Eltern noch ein West Coast Eagles Spiel gesehen (wobei die Eagles mal wieder verloren haben). Dann kamen noch die Nanna und Patricks Schwester nebst Rasselbande dazu und es wurde ein sehr schöner Nachmittag und Abend.
Den Sonntag haben wir hauptsächlich mit Putzen, Waschen und Packen. Abends dann noch ein Abschiedsessen (wir müssen langsam auf Diät für die Bikini-Figur) bei Alana und Greville mit viel Pizza. Todd und Mike waren ebenfalls da und um zehn gingen wir das letzte Mal in unserem Donga zu Bett.

Montag
Abschied beim „Morning Tea“ von allen auf der Turffarm… bei mir mit Tränen verbunden wegen des Abschieds von Kaylie, bei Sebastian natürlich weniger, er war eher freudig erregt wegen der bevorstehenden Abenteuer. So fuhren wir dann endgültig zum letzten Mal den Driveway zum Farmtor hinaus.
Erster Zwischenstopp war Gingin, eigentlich nur zum Tanken. Nachdem wir dort aber tatsächlich noch mal auf Patrick, Nachbar Tom und Meryl trafen, wurde ein netter Plausch im Park daraus. Als wir schlussendlich den „Fängen“ aller uns bekannten Menschen entkommen waren, fuhren wir in Richtung Ozean nach Cervantes, um die Pinnacles zu besuchen. Das sind bis zu 4 Meter hohe verwitterte Kalksteinsäulen in den dortigen Dünen.
Nach mehreren Zwischenstopps am Meer kamen wir an unserem Tagesziel Campingplatz Jurien Bay an. Jurien Bay wie auch Cervantes werden zwar im Reiseführer als „Städte“ bezeichnet, bestehen aber nur aus einer Tankstelle, einem Hardware-Shop, einem Supermarkt und ein paar umliegenden Häusern und Caravan-Parks. Beide „Städte“ haben nicht mehr als 1000 Einwohner und hängen komplett vom Tourismus ab.

Dienstag
Immer die Küste entlang bis in die nächste wirkliche Stadt Geraldton. Unterwegs gönnten wir uns in Dongara einen Spaziergang am Irwin-River, bei dem wir Brillen-Pelikane und Kormorane beobachten konnten.
Geraldton, wo wir eigentlich zwei Tage bleiben wollten, gefiel mir dann gar nicht. Es gab zwar mehr Geschäfte und richtig große Supermärkte, aber die Küste war verschandelt durch riesige Fischerei-Industriebauten und richtigen Charme hatte diese Stadt nicht. Wir nutzten jedoch die Gelegenheit, um einen neuen Reifen aufs Ersatzrad ziehen zu lassen und begaben uns dann zu unserem Campingplatz (wo wir unseren Aufenthalt von zwei auf eine Übernachtung verkürzten). Ein wunderschöner Sonnenuntergang am Meer und ein Internetzugang versöhnten mich noch mit diesem Halt.

Mittwoch
In Geraldton besichtigten wir noch die Kathedrale und ein Denkmal für die im Kampf mit einem deutschen Schiff gesunkene HMAS Sydney, bevor wir die bis dahin größte Etappe in Angriff nahmen. 475 km bis Carnarvon, wo wir die nächste Nacht verbringen wollten.
Einen Zwischenhalt haben wir uns allerdings gegönnt, in dem „zweitgrößten Staat auf dem australischen Kontinent“. Ca. 20 km nach Northhampton zeigt ein kleines blaues Schild auf eine staubige Straße und sagt „Hutt River Province“. Das ist ein etwa 75 km² großes Gebiet, das am 21. April 1970 von Leonard George Casley als ein eigener Staat proklamiert wurde. Dieser wird zwar von der UNO und von Australien nicht als Staat anerkannt, aber als unabhängig geduldet.
Wir nahmen also diesen Abzweig und nach längerer Fahrt auf der ungeteerten Straße kamen wir an einer Farm mit schätzungsweise acht Gebäuden an – der Hauptsiedlung der Provinz. Wir waren zu diesem Zeitpunkt die einzigen Besucher und man gab uns Bescheid, dass Prinz Leonard nur noch sein Lunch beenden und dann zu unserer Verfügung stehen würde. Nach fünf Minuten tauchte dann Prinz Leonard auf – ein etwa achtzigjähriger, verwitterter Mann in Gummistiefeln und rot-schwarz-kariertem Flanellhemd. Er führte uns herum, zeigte uns seine Orden und Ehrendoktorwürden und dann stempelte er noch unsere Pässe.
Wir mussten uns dann leider schnell wieder auf den Weg machen, weil wir sonst unsere Etappe nicht schaffen würden. In den nächsten Stunden absolvierten wir also die Fahrt auf dem meist schnurgeraden Highway an unglaublich vielen toten Kängurus entlang. Kurz vor Carnarvon sahen wir noch einen riesigen Adler am Wegesrand sitzen und einen Emu über den Highway rennen.
Der Campingplatz, auf dem wir diesmal unser Nachtlager aufschlugen, lag ganz romantisch neben einer Bananenplantage und der örtlichen Tankstelle.

Donnerstag
Am Donnerstag hieß unser Ziel Coral Bay und dies war nur 250 km entfernt. Nachdem wir vergeblich versucht hatten, in Carnarvon ein paar Sehenswürdigkeiten zu finden, fuhren wir die Strecke schnell durch (wobei wir den südlichen Wendekreis überfuhren) und landeten am frühen Nachmittag in Coral Bay.
Dieses Örtchen liegt am Ningaloo Reef und besteht grob aus zwei Campingplätzen und einem Shopping-Center mit insgesamt fünf kleinen Geschäften. Das Ningaloo Reef ist deswegen touristisch interessant, weil es sehr nahe an der Küste liegt und deswegen auch für Nichttaucher wie uns per Schnorcheln erkundbar ist.
Nach kurzem Umschauen wussten wir, dass wir hier nicht bereuen würden, uns für zwei Nächte entschieden zu haben. Ein wunderschöner Strand an türkisem Wasser und tolles Wetter – was will man mehr.
Wir machten einen Spaziergang am Strand und waren dann einfach mal faul… den ganzen Nachmittag lang.

Freitag
Wir hatten beschlossen, den Freitag am Strand und mit Schnorcheln zu verbringen und so geschah es auch. Herrlich blauer Himmel und Sonnenschein unterstützen uns den ganzen Tag in unserem Vorhaben. Das Schnorcheln hat uns beide sehr beeindruckt. Ca. 50 m vom Strand aus entfernt konnten wir tolle Korallen, kleine bunte Fische, einen Kofferfisch und sogar einen kleinen Manta-Rochen unter uns vorbeiziehen sehen. Unglaublich schön und eine ganz andere Welt. Wenn wir nicht schnorchelten, ließen wir uns von der Sonne braten (mit LSF 30+ natürlich) und genossen das Faulsein.
Die nächste Station ist dann Exmouth – darüber aber später mehr.

2 Kommentare:

claudschn hat gesagt…

oh.. schnorcheln... mhhhhhhh... will auch! Liebe Grüße vom Schreibtisch... :) Kussi

Anonym hat gesagt…

...endlich Urlaubsfeeling...beim Lesen! Habt Ihr Euch verdient nach der Kleege auffer Farm...
Leibe Grüße aus Ahmsen - AKT