Dienstag, 16. September 2008

Von Katherine nach Darwin – Life is what happens to you while you’re busy making other plans (John Lennon)

Sonntag
Nachdem es in Katherine (wie so üblich in australischen Städten) nichts anzuschauen gibt, machen wir uns auf den Weg in den Nitmiluk-Nationalpark um uns die Katherine-Schluchten und einen Wasserfall namens Edith Falls anzuschauen.
Die Schluchten sind schön aber nicht wirklich beeindruckend, aber vielleicht können wir das nach dem Aufstieg zum Aussichtspunkt bei sengender Hitze auch einfach nicht mehr wahrnehmen. Nach 100 km Fahrt erreichen wir den winzigen Edith-Fall und sind von dem Wasserfall an sich etwas enttäuscht. Allerdings kann man in dem See, in den der „Wasserfall stürzt“ wunderbar baden und so wage zumindest ich den erfrischenden Sprung ins Wasser.
Gegen Nachmittag fahren wir dann nach Batchelor (ca. 100km südlich von Darwin) um von dort aus am Montag den Litchfield Nationalpark und am Dienstag Darwin zu entdecken.

Montag
Wir machen uns auf und bekommen mit den Florence Falls und den Wangi Falls richtig schöne Wasserfälle zu sehen. Zwischendrin planschen wir in den Buley Rockholes. Das sind Felsenstufen, in die das Wasser sozusagen kleine Pools hineingewaschen hat. Darin kann man baden während das Wasser die Stufen herunterplätschert. Sehr erfrischend, wenn auch ein bisschen von Menschen überlaufen.
Nachdem ich an den Wangi-Fällen noch den Anblick der aberhundert riesigen Fledermäuse oder Flughunde in den Bäumen verdaut habe, machen wir uns auf den Rückweg… und da durchkreuzt das Leben unsere Pläne.
Ein Transporter verliert uns entgegenkommend seine Ladung, die unser Auto frontal trifft. Wir können zum Glück fast unverletzt (es stellt sich im Nachhinein heraus, dass nur Sebastians Fuss geprellt ist) aus dem Wrack aussteigen. Wir schlottern wie Espenlaub, gehen ums Auto herum und stellen fest: Totalschaden. Die Ladung des Transportes bestand aus 100 kg schweren Salzsteinen, die die komplette Front des Autos (dessen Motor nun mal leider vorn ist) zerschmettert haben.
Nun haben wir zweimal Glück im Unglück. Erstens, der Transporterfahrer hält an, kommt zurück und stellt sich der Situation und zweitens, wir befinden uns auf Nationalpark-Gelände, so dass nach fünf Minuten die Ranger (so was wie die Nationalpark-Polizei) auftauchen.
Diese schleppen uns dann zu ihrer Station und helfen uns mit dem Austausch der Daten, dem Report bei der Polizei und bei der Organisation eines Abschleppwagens, der uns zumindest erstmal irgendwo hinbringt, wo wir übernachten können. In Maggie können wir nicht mehr schlafen, auch wenn man sie auf einen Campingplatz gestellt hätte, denn auch der Bettrahmen ist beim Aufprall gebrochen. So landen wir also nach mehreren Stunden des Organisierens und Wartens auf den Truck wieder in Batchelor und nehmen uns erstmal ein Motelzimmer.

Dienstag und Mittwoch
Wir sitzen in Batchelor fest (in dem nicht mal Mobiltelefonempfang gibt) und versuchen via Festnetz und „geklautem“ Internet, die Dinge mit der Versicherung ins Rollen zu bringen. Das ist alles kompliziert, nervenaufreibend und langwierig, weil uns auch keiner Auskunft geben will, welche Kosten im Normalfall in Australien übernommen werden.
Am Mittwoch entschließen wir uns, einen Abschleppwagen zu bestellen, der uns und Maggie nach Darwin bringt, wo die Versicherung sitzt und wo überhaupt die ganze Organisiererei etwas einfacher ist.

Donnerstag
Der Abschlepptruck bringt uns und Maggie morgens nach Darwin. Telefonisch hatten wir schon einen billigen Campervan in Darwin reserviert, da ansonsten dort keine Unterkunft unter $150 zu finden war. Das Abholen des Vans und das Umpacken aller unserer Sachen von Maggie in den Miet-Van kostet uns drei Stunden und eine Menge Nerven. Wir kaufen nur noch ein bisschen was ein und begeben uns auf den Campingplatz.
Von der Versicherung gibt es noch nichts Neues – bis jetzt konnten sie den Schadensfall noch nicht annehmen, da vom Unfallverursacher noch Informationen fehlen.

Freitag
Wir beschließen, uns ein bisschen abzulenken und uns Darwin anzuschauen. Darwin hat 110.000 Einwohner und ist damit die größte Stadt und zugleich Hauptstadt im Northern Territory. Im Prinzip besteht die Stadt aber auch nur aus zwei Einkaufsstraßen, einem Hafen und ner Menge Vorort. Dass man wie in europäischen Städten schön bummeln gehen kann, das scheint zumindest hier nicht zur australischen Lebenskultur zu gehören. Dementsprechend haben wir das Sightseeing innerhalb von zwei Stunden „abgearbeitet“. Während wir durch die zwei Straßen bummeln, gehen wir auch in jede Backpackerunterkunft um uns dort am schwarzen Brett nach verfügbaren Autos und deren Preis umzuschauen. Ein Auto zu mieten kommt für unsere Weiterreise wohl nicht in Frage, da das eine noch teurere Angelegenheit ist als ein Auto zu kaufen. Zudem müssen wir möglichst die gesamte Zeit mobil sein, damit wir auch wieder auf entlegeneren Farmen arbeiten können.
Danach fahren wir noch ein bisschen durch die Vororte und schauen uns die Universität an und dann geht’s zurück zum Campingplatz… Internetrecherche für ein neues Auto, Ummeldeformalitäten etc.
Von der Versicherungsagentin unseres Gegners bekommen wir am späten Nachmittag noch einen Anruf, dass jetzt alle Informationen vorliegen und dass am Montag die Schadensregulierung beginnen kann. Ihr Wort in Gottes Ohr!

Samstag
Wir schauen uns ein Auto an, was zwar einen sehr guten Eindruck macht, aber der Verkäufer erzählt uns eine Story (die sich hinterher als falsch herausstellen wird) wer der eigentliche Verkäufer ist und über die Umstände des sehr seltsamen Verkaufs. Wir lassen mit einem mulmigen Gefühl die Hände von dem Auto. Wir machen wieder den Zug durch die Hostels und ihre schwarzen Bretter. Danach telefonieren wir uns nach Autos die Finger wund und bekommen den Eindruck, dass Autokauf hier der reinste Wettlauf ist. Selbst wenn man morgens einen neuen Aushang gefunden hat und mittags anruft, ist das Auto schon verkauft. Irre!

Sonntag
Wir machen dasselbe wie Samstag… Autorecherche und schnellstmöglich angucken, wenn das Auto noch verfügbar ist. Dabei entdecken wir über eine Zeitungsannonce einen 1995iger Holden Commodore, der wie geschaffen für uns zu sein scheint. Ein neuer (gebrauchter) Campervan ist wegen der extrem schlechten Angebotslage in Darwin nicht drin. Den Holden schauen wir uns am Nachmittag an und treffen auf ein gut gepflegtes Auto in Besitz einer allein erziehenden Vorort-Mutter, die damit in den letzten fünf Jahren auch nur durch die Stadt gefahren ist. Sie lässt sogar mit sich über den Preis verhandeln, der uns eigentlich ein bisschen zu hoch ist. Vor allem da wir noch nicht wissen, ob wir von der Versicherung wirklich alle unsere Kosten ersetzt bekommen und was sie uns für Maggie geben werden.
Sie verspricht, uns am nächsten Morgen anzurufen, wenn sie weiß, wie viel die Reparatur der Aircondition kosten wird und damit, wie wir uns mit dem Preis einigen können. Danach fahren wir zum Mindil Beach zu einem Markt, den man laut unserem Reiseführer „lonely planet“ in Darwin nicht verpassen darf. Und ausnahmsweise hat er mal ins Schwarze getroffen. Der Markt ist lebhaft, voller wirklich handgemachter Sachen, toller Essens-Stände und es gibt sogar ein sehr schönes Didgeridoo-Konzert. Wir entspannen uns zum ersten Mal nach dem Unfall richtig. Am Abend schauen wir uns dann noch einen anderen Kombi an, einen 93iger Mitsubishi Magna, dessen Kauf sich aber mit dem ersten Satz der beiden Mädels, die ihn verkaufen wollen erledigt hat. Dieser lautete: „Also mit unserem Auto is des des: Man muss durch die Heckklappe reinkriechen um dann vorne rechts an der Tür die Zentralverriegelung aufzumachen. Aber dann funktionierts.“ Und für dieses Auto wollten die doch tatsächlich noch 2800 Dollar haben! Die Welt ist irre.

Montag
Wir telefonieren gleich als erstes am Morgen mit der uns langsam vertrauten Glenda von der Versicherung um den Stand der Dinge abzufragen. Sie macht uns Hoffnung, was die Kostenübernahme und eine schnelle Abwicklung angeht, denn nun hat sie tatsächlich alle Informationen die sie braucht. Wir raffen also alle unsere Quittungen zusammen und faxen die gleich mal durch. Dann machen wir uns wieder auf in die Stadt, um ein bisschen Recherche zu betreiben, wie das hier im Northern Territory mit dem Autokauf und den Versicherungen funktioniert, denn jeder Bundesstaat hat dafür ein ganz eigenes System. Wir fragen uns überall durch und kommen zu dem Schluss, dass ein Autokauf hier auch für uns eine wirklich realistische Möglichkeit ist. Optimismus steigt in uns auf.
Und dann kommt die Überraschung! Um die Mittagszeit herum ruft Glenda an und teilt uns mit, dass die Versicherung all unsere Kosten übernimmt und uns für Maggie 3050 Dollar zahlt. Das ist zwar immer noch ein finanzielles Verlustgeschäft aber mehr als wir erwartet hatten. Wir können also den Holden kaufen und die Reise kann weitergehen!
Wir gucken uns gleich schon mal nach einem Zelt und anderen Sachen um, die wir noch brauchen, wenn wir auf einen Kombi umsteigen. Dann fahren wir zur Versicherung, holen noch unseren letzten Kram aus Maggie und verabschieden uns von ihr.
Am Abend telefonieren wir mit Lyn, der Frau, der der Holden gehört, und sagen den Kauf zu.
Was für ein erfolgreicher Tag!

4 Kommentare:

claudschn hat gesagt…

Das Abenteuer kann weitergehen!!!!!! :) Ich hab auch alle meine zwei Daumen ganz feste gedrückt..... :) Küsschen aus der Heimat!

Anonym hat gesagt…

Wir sind so froh und freuen uns von ganzem Herzen für euch, das Daumendrücken hat geholften! Auf geht's !!
Liee Grüße aus Menz !!

Anonym hat gesagt…

Sorry - der Fehlerteufel !

Anonym hat gesagt…

oh mann ihr macht schane mit, haupsache euch gehts gut. also das mit der zentralverriegelung klang doch gar nicht so schlimm :-)

Und hafti, sag mal der Fuß tut doch bestimmt ganz dolle weh.. Geh mal zum arzt und dlaß dir das bescheinigen, dann hast du bessere Karte bei der Versicherung wegen Schmerzensgeld.

Liebe Grüße aus Dresden

Euer Micha