Montag, 6. Oktober 2008

Alice Springs bis Bundaberg – vom Outback zurück in die Zivilisation

Freitag
Wir starten früh, denn heut stehen ca. 700 km auf dem Programm. Allerdings wird uns der heutige Weg erst einmal in Richtung Norden und nicht in Richtung Osten führen. Eine andere, direktere Verbindung von Alice Springs aus zur Ostküste gibt es nur für Allrad-Fahrzeuge. Öl- und Kühlwasserstand schnell kontrolliert und schon fahren wir den Stuart Highway in die Richtung zurück, aus der wir gekommen sind. Und es ist ganz schön heiß heute. Keine Wolke am Himmel. Dank Tempomat, Lendenwirbelstütze und leerem Highway ist das im neuen Auto aber kein Problem. Ab und zu erlauben wir uns, die Klimaanlage einzuschalten, denn selbst, wenn man das Fenster aufmacht bei 120 km/h, kommt nur warme Luft hinein.

Unterwegs begegnen uns wieder die beeindruckenden, riesigen Keilschwanz-Adler, die sich aber meist vom Känguru-Kadaver erheben, bevor Johanna sie mit der Kamera fokussieren kann. „Meist“ deswegen, weil einer der Adler vom frischen Känguru-Fleisch nicht lassen kann, und erst in letzter Sekunde und auch noch unsere Richtung los fliegt. Natürlich erhebt sich so ein Kavenzmann nicht flink wie ein Spatz in die Lüfte und ich muss schon ein wenig mehr als üblich ausweichen, damit er nicht in unseren Dachgepäckträgern hängen bleibt.

Nach ca. 400 km erreichen wir die Devil’s Marbles (Karlu Karlu) ein Gebiet, dass für die hier lebenden Ureinwohner heilig ist und aus vielen, von der Witterung rund geformten Felsen besteht, die Teil eines riesigen unterirdischen Granitmassivs sind. Leider ist es brütend heiß hier, so dass wir keine Wanderung unternehmen, sondern nur die obligatorischen Tourifotos knippsen und uns weiter auf den Weg machen. Ureinwohner treffen wir, wie am Uluru und den Kata Tjuta übrigens auch, nicht an. Komisch!

Nach weiteren rund 300 km kommen wir an unserem heutigen Nachtlager an, einem kleinen Roadhaus mit angeschlossenem Campingplatz am bereits nach Osten führenden Barkly Highway. Wir schlagen unser Zelt auf und lassen bei Spaghetti Bolognese und einem kühlen Ginger Beer den Tag ausklingen. Abends wird es angenehm kühl und wir könnten sehr gut schlafen, wäre da nicht eine störende aber notwendige Sache: ein Dieselgenerator (die meisten Roadhäuser im Outback sind elektrisch autark) rund fünfzig Meter entfernt vom Zelt sorgt zwar für Licht, jedoch auch dafür, dass an Tiefschlafphasen des nächtens nicht zu denken ist.

Samstag
Der Dieselgenerator lässt uns früh aufstehen und nach Kaffe und Sandwich/Müsli machen wir uns auf die heutige Etappe, die uns nach Mount Isa führen soll, die nach australischen Angaben flächenmäßig größte Stadt der Welt. Wir haben im Vorfeld recherchiert und wissen, dass der Begriff Stadt sehr unterschiedlich definiert ist und es in der Welt auch flächenmäßig größere Städte als Mount Isa gibt. Also erwarten wir uns nicht zu viel und freuen uns vor allem auf niedrige Lebensmittel- und Spritpreise, die größere Städte im Outback mit sich bringen. Auf der Fahrt überqueren wir die Grenze nach Queensland, unserem dritten Bundesstaat bis jetzt (unsere Zeitverschiebung beträgt ab jetzt +8 Stunden). Anfangs ist die Landschaft flach und weitläufig mit eher spärlicher Vegetation. Ca. 100 km vor Mt. Isa wird es wieder bergiger, grüner und es gibt ein auch ein paar Kurven für Howard Holden. Wir sehen unseren ersten Dingo, leider haben wir die Kamera nicht zur Hand. Ist aber eh kein Prachtexemplar, so ausgehungert und ausgedürrt, wie er über die Straße schleicht. Tatsächlich reißt uns Mount Isa nicht von Hocker, als wir ankommen. Aber der Campingplatz bietet ein schattiges Plätzchen und Ruhe für die kommende Nacht.

Sonntag
Die Fahrt heute führt uns nach Hughenden, einem kleinen verschlafenen und typischen Ort, mit schnuckeliger Einkaufstraße, auf der man am Sonntag außer seinem eigenen Schatten niemanden antrifft. Der Campingplatz liegt am örtlichen Güterbahnhof und bietet überraschenderweise dennoch Ruhe in der Nacht zum Montag.

Montag
Heute wollen wir es bis Townsville schaffen. Auf dem Weg kommen wir in Charters Towers vorbei, einem niedlichen und keineswegs verschlafen Städtchen rund 100 km vor Townsville. Wir nehmen uns ein wenig Zeit und schlendern die Hauptstraße mit ihren vielen kleine Boutiquen, Cafés und hübsch verzierten Häusern entlang. Man merkt, dass man sich dem dicht besiedelten Osten Australien nähert. Auch auf dem Highway nach Townsville ist mehr los und wir fühlen uns ob der Verkehrsdichte an Brandenburgs Landstraßen erinnert, wenngleich die hügelige, sehr grüne Landschaft der Great Dividing Range eher dem Südosten Chinas gleicht.

Dienstag
Unser Campingplatz in Townsville, den wir am Nachmittag des Vortages bezogen haben, bietet zwar Schatten und Internet, liegt dafür aber leider an einem Stück des Highways, das gerade ausgebaut wird. Die Geräuschkulisse wird daher vornehmlich vom Verkehr und dem stetigen „Gepiepe“ rückwärts fahrender Baufahrzeuge geprägt (dieses Warnsignal ist hier Pflicht für größere Fahrzeuge). Wir beschließen, heute Ausschau nach einem Job zu halten und klappern erst einmal die Hostels in der Innenstadt Townsvilles ab. Das Zentrum vom Townsville bietet durchaus eine moderne Stadtkulisse und vom Castle Hill, dem 300 m hohen „Hausberg“ der Stadt, hat man einen wunderbaren Ausblick über die Stadt, den Pazifik und das vorgelagerte Magnetic Island. Leider erweist sich unsere Job-Suche hier als ergebnislos, selbst ein großes, landesweites Zeitarbeitsunternehmen kann uns nichts anbieten. Wir klappern telefonisch noch die umliegenden Rasenfarmen ab, die aber auch kein Personal benötigen. Weiter im Süden, so lesen wir in einer Backpacker-Broschüre, gibt es aber eine Menge Fruit-Picking und so beschließen wir, am nächsten Tag Richtung Süden aufzubrechen.

Mittwoch
Wir folgen dem Highway Richtung Bundaberg, wo wir in Airlie Beach aber nach 250 km unser Lager aufschlagen. Airlie Beach ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Kreuzfahrten zum Great Barrier Reef und den vorgelagerten Trauminseln, den Whitsunday Islands. Der Ort selbst ist äußerst touristisch und so buhlt ein Kreuzfahrt-Reisebüro am nächsten um die Gunst williger Insel-Kreuzfahrer. Nachdem wir uns heute ausnahmsweise ein Abendessen aus der Büchse besorgt haben, verbringen wir den Abend auf unserem ausgebuchten Campingplatz. Dort machen wir die Bekanntschaft mit einer netten Familie aus Adelaide, es sind im ganzen Land gerade Schulferien und viele Kinder auf dem Campingplatz.

Donnerstag
Wir wachen auf und es regnet. Also beschließen wir kurzer Hand, den Tag zu nutzen, um nach einer Werkstatt zu suchen, denn das Auto quietscht ein wenig, eigentlich quietscht der Keilriemen, obwohl er straff sitzt. Zunächst fahren wir erst einmal zum Autoteilehandel, denn unsere Scheibenwischer sind schon sehr verschlissen (was wir bisher mangels Regen nicht bemerkt haben) und vermögen es nicht, den Regen von unserer Windschutzscheibe zu wischen und für klare Sicht zu sorgen. Um die Zeit totzuschlagen fahren wir ins Landesinnere nach Proserpine, wo wir die Haupt- und Einkaufsstraße gemütlich entlang schlendern. Danach verschlägt es uns erneut nach Airlie Beach, wir spazieren ein wenig am Strand entlang und beobachten einen Kite-Surfer, der in der Bucht verzweifelt versucht gegen den böigen Wind zu kreuzen. Am Nachmittag klart es ein wenig auf und wir fahren zurück zum Campingplatz. Vorher natürlich noch schnell zur Werkstatt. Der Inhaber hat eigentlich keinen Termin mehr frei. Nachdem ich ihm meine Vermutung mit dem Riemen schildere, guckt er kurz unter die Haube und verschwindet in der Werkstatt, um schließlich mit einem kleinen Sprüher Siliconspray dem quietschenden Riemenproblem ein Ende zu machen. Dafür berechnet er nichts. Cool! Glücklich und vor allem leise kehren wir zum Campingplatz zurück. Nach Kartoffelbrei mit leckerem Rosenkohl gehen wir früh schlafen, denn am nächsten Tag haben wir einiges vor.

Freitag
Heute wollen wir die Whitsunday-Inseln erkunden, die von James Cook am Pfingstsonntag 1770 besegelt wurden und nach selbigem Tag benannt sind. Leider können wir es James Cook nicht gleichtun, da ein Segelturn durch die Whitsundays auf einer gecharterten Yacht unser Budget sprengen würde. Wir haben uns für eine etwas modernere, preiswertere und noch dazu flexiblere Art des Kreuzfahrens entschieden. Mit einem Hopperticket kann man die regelmäßig verkehrenden Fähren zwischen den Inseln eine ganzen Tag lang pauschal nutzen. So stehen wir schon um halb sechs morgens auf um die erste Fähre um sieben Uhr zu erwischen, die uns nach Daydream-Island trägt. Diese Insel ist die kleinste der Inseln die wir heute besichtigen werden. Als wir um halb acht ankommen, ist in den beiden Hotelresorts noch alles ruhig und wir können die Insel erst einmal ohne Menschenkontakt erkunden. Nach einer Stunde sind wir einmal um die Insel gelaufen und versuchen uns vor dem gerade einsetzenden Nieselregen im Resort in Sicherheit zu bringen. Das Wetter scheint sich heute wieder von seiner feuchten Seite zu zeigen. Auf der Erkundungstour haben wir einen großen weißen Kakadu und ein seltenes Rock-Wallabie gesehen. Wildlife pur. Im Resort ist mittlerweile schon alles lebendig und viele Leute sind unterwegs. Bemerkenswert ist das ressorteigene kleine künstliche Riff mit Rochen und Riffhaien und vielen bunten Fischen. Wir bummeln noch ein wenig durch das Ressort, bevor wir uns gegen halb elf am Anlegesteg (Jetty) sammeln um die Fähre nach Long Island zu nehmen. Dort angekommen begeben wir uns auf Wanderschaft, um die wirklich einsamen Strände zu finden, was uns mit Palm Bay auch fast gelingt – nur das abgeriegelte Ressort dort stört ein wenig. In einem Mangroven-Strändchen beobachten wir witzigen kleine Fische, die über den Kiesstrand hüpfen und scheinbar auch für längere Zeit außerhalb des Wassers existieren können. Vielleicht weiß jemand, wie man diese Fische nennt (Fotos im Album) und kann es als Kommentar posten. Letzte Insel ist South-Molle-Island, die ruhigste aller besichtigten Inseln. Leider haben wir nur ca. ein Stunde Zeit zur Erkundung, wir müssen die letzte Fähre bekommen, denn eine unfreiwillige Übernachtung würde uns im günstigsten Fall 400 $ kosten. Blöderweise entdecken wir hier unseren einsamen Traumstrand, haben jedoch keine Zeit zur Rast und beschließen deswegen, noch einmal wiederzukommen, wenn wir im Lotto gewonnen haben sollten. Um sechs Uhr abends sind wir wieder im Hafen von Airlie Beach, kaufen noch schnell fürs Abendessen ein und gehen relativ erschöpft vom Island-Hopping früh schlafen. Angemerkt sei, dass wir nicht in den Genuss der Hauptinsel Whitsunday Island mit dem Whitehaven Beach (weißester Strand der Welt, bekannt aus der „Australien-Kinowerbung“) gekommen sind, da die Insel weiter weg vom Festland liegt und von den regelmäßigen Fähren nicht angefahren wird.

Samstag
Wir bauen unser Zelt nach einem stärkenden Frühstück ab und machen alles für die Weiterreise klar. Bei der Verabschiedung von unseren Nachbarn, schwatzen wir noch ein wenig. Craig und Lisa, so heißen die beiden, laden uns zu Bier und Pool-Billiard ein, sobald wir nach Adalaide kommen. Klasse. Einmal mehr zeigt sich, dass man mit den Einheimischen eher auf Campingplätzen als in Backpacker-Hostels ins Gespräch kommt. Die 450 km-weite Fahrt bringt uns kurz vor sechs Uhr abends ans Ziel. Wir checken kurz vor Feierabend der Rezeption auf einem ruhigen Campingplatz in Strandnähe zwischen Yeppoon und Emu Park ein und machen uns nach selbstgemachtem Cheeseburger-Abendbrot einen gemütlichen DVD-Abend.

Sonntag
Da wir am Montag nach Bundaberg weiterreisen werden, wo wir wahrscheinlich schon am Dienstag wieder Arbeiten werden, beschließen wir, den Sonntag mit Nichtstun zu verbringen. Wir schauen uns die Strände an, sammeln Muscheln, fotografieren, schreiben Blog und räumen unser Auto auf. Highlight des Tages ist ein kleiner (ca. 40 cm langer) Waran, der etwas unbeholfen aussehend, über den Campingplatz kriecht. Johanna kann er jedenfalls keinen Schreck mehr einjagen. Eigentlich ist er niedlich. (Kommentar von Johanna: Nicht wirklich!!!)

2 Kommentare:

claudschn hat gesagt…

Es handelt sich hierbei um ein sogenannten Schlammspringer (Oxudercinae).. diese pussierlichen kleinen Geschöpfe gibt es unter www.tropicarium.se/images/slamkrypare.jpg auch nochmal zu sehen... :)
und im Berliner Aquarium! hehe

Das Panorama-Bild ist mein persönliches Highlight!

Kussi

Es grüßt Frau DR. rer-nat Schlau Schlau aus Berlin!

PS.: Hab ich jetzt ein Flugticket zu euch gewonnen?

Anonym hat gesagt…

soso, Dr. rer-nat. Schlau Schlau ;-)

Fein Fein

Der Micha