Montag, 13. Oktober 2008

Bundaberg nach Perth – Überraschende Planänderung

Montag
Wir fahren wie geplant nach Bundaberg. Das ist ein nettes kleines Städtchen, in dem unser mittlerweile so geliebtes Ginger Beer gebraut wird. Bundaberg Rum machen sie hier natürlich auch. Nachdem in Townsville und in den anderen Fruitpicking-Zentren an der Ostküste nicht ein Job zu bekommen war, haben wir uns hier auf einem „Working Caravanpark“ eingemietet. Unsere Reisekasse ist langsam leer und wir müssen wieder ran an die Arbeit. Wir checken also auf dem Campingplatz ein und bekommen schon an der Rezeption ein schlechtes Gefühl. Das mit dem Arbeit besorgen könne ein paar Tage dauern sagt uns die ziemlich unmotivierte Dame. Der Platz ist furchtbar, kein Gras, merkwürdige Gestalten laufen durch die Gegend und spätestens nach dem Blick in den Dusch- und Toilettenblock habe ich einen dicken Kloß im Hals. Ich bekomme Beklemmungen hier. Ich versuche, meine Abscheu herunter zu schlucken und denke mir: „Es ist nur ein paar Wochen zum Arbeiten, reiß dich zusammen!“ Wir bauen unser Zelt auf und dann gehe ich mal zur Informationsbeschaffung rüber zu unseren Backpacker-Nachbarn, von denen einer sogar aus Berlin kommt. Wir können also auf Deutsch quatschen. Die drei Jungs sind seit Cairns (1000 km nördlich) auf der Suche nach einem Job und sind schon seit ein paar Tagen in Bundaberg aber einen richtigen Job haben sie hier auch noch nicht. Morgens um fünf und um sechs kommen wohl immer Busse von den umliegenden Farmen vorbei und sammeln Arbeiter ein, aber da kommt man nur schwer mit. Sie erzählen uns, dass sie bis jetzt Zucchini pflücken waren. Den ganzen Tag vornüber gebeugt stehen und man wird nach gepflückten Eimern bezahlt. Jeder Eimer bringt $2.50. Jeder von den Jungs hat 10 Eimer geschafft… nicht pro Stunde… pro Tag. Ich schaue mir die muskulösen Oberkörper von denen an und bekomme noch mehr Beklemmungen. $25 am Tag Verdienst und dann muss man auch noch $7 für den Bustransport bezahlen. Die Tränen der Verzweiflung lassen sich nur schwer zurückhalten. Wir haben eine gewagte Idee. Was ist, wenn sie auf „unserer“ Turffarm gerade Leute brauchen… es ist Saison. Ich rufe an und tatsächlich (!!!) sie suchen gerade händeringend. Allerdings muss das noch mit dem Chef abgesprochen werden etc. Patrick und Kaylie rufen mich alle zwei Stunden an und halten mich auf dem Laufenden, wie es aussieht. Am Abend kommt leider kein Anruf mehr. Also zittern bis Dienstag.

Dienstag
Wir stehen früh auf, schmieden Pläne für den Fall, dass es mit der Turffarm nicht klappt und für den Fall dass es klappt. Um halb neun unserer Zeit (also halb sieben auf der Turffarm) ruft mich der neue Manager Trevor an und sagt, wir können kommen. Ich könnte hüpfen vor Glück. Auf dem Platz neben uns kommen gerade die Jungs von ihrem „Arbeitstag“ zurück. Sie sind 115km zu einer Farm gefahren, weil ihnen das Camping-Platz-Büro gesagt hat, dort würden heute Leute gebraucht. Als sie dort ankamen wurden sie wieder weggeschickt, weil sie keine Sonnenhüte dabei hatten. Wie deprimierend… das wollen wir uns nicht antun. Wir packen alles ein, und begeben uns auf den wohl sieben Tage dauernden und ca. 4.800 km langen Trip nach Perth zurück. Wir wollen, wenn alles nach Plan verläuft dann dort bis Anfang Januar arbeiten und dann den Teil touristisch „abarbeiten“, an dem wir jetzt nur vorbeidüsen. Also dann im Januar die Südküste über Adelaide, Melbourne, Sydney und Brisbane und dann von der Ostküste aus nach Hause fliegen.
Wir gucken uns schnell in Bundaberg noch die Ginger Beer Brauerein und die Rum Distillerie an und dann rauf auf den Highway. Heute kommen wir bis Toowoomba, laut Wikipedia „nach Canberra die zweitgrößte australische Stadt, die im Inland gelegen ist und keinen Strand aufzuweisen hat“.

Mittwoch
Früh aufstehen, Zelt abbauen, alles einpacken und wieder losfahren. 720 km Strecke nach Dubbo (400 km westlich von Sydney) liegen vor uns. Unterwegs überqueren wir die Grenze nach New South Wales. Unser vierter Bundesstaat, auch wenn wir ihn im Eilverfahren durchqueren werden. Dort kommen wir um 16:30 Uhr an, denken wir zumindest. Nachdem wir im Caravanpark eingecheckt und unser Zelt aufgebaut haben, fahren wir noch mal los zum Einkaufszentrum und wundern uns, warum die meisten Geschäfte schon geschlossen haben obwohl es noch nicht 17:30 Uhr ist. Wir beschließen, das erstmal zu ignorieren und kaufen fürs Abendessen ein. Und auf dem Bon steht dann 17:59 Uhr… auf unseren Uhren ist es 16:59 Uhr. Merkwürdig! Wir sind doch nach Westen gefahren, wie können denn dann die Uhren schon wieder nach vorn gestellt werden? Und außerdem hat doch Australien nur drei Zeitzonen, die wir alle schon durchquert hatten… wir sind ratlos. Mir lässt das Rätsel keine Ruhe und ich frage auf dem Campingplatz einen Nachbarn… es ist tatsächlich hier eine Stunde später als auf unseren Uhren, denn am Sonntag hat die Winterzeit geendet und die Uhren wurden um eine Stunde nach vorn gestellt. Das hatten wir irgendwie zwei Tage lang verpasst. Dachten wir. Aber nein, nach Recherche im Reiseführer ergibt sich Folgendes: Um das Zeitzonen-Chaos in Australien nun noch perfekt zu machen, haben Western Australia, Northern Territory und Queensland keine Winter- und Sommerzeit-Umstellung. Deswegen hatten wir die Umstellung in Queensland auch nicht bemerkt. Herr im Himmel!!!
Wir beschließen, bis zur Ankunft in WA nicht mehr allzu viel auf Uhrzeiten zu geben, essen und gehen ins Bett.

Donnerstag
Die übliche Morgenprozedur… nachdem wir nach durchfrorener Nacht aus dem Zelt gekrochen kommen, Frühstück, Abbau und los. 760 km bis Broken Hill. Auf der Fahrt sehen wir viele frei auf dem Highway laufende Ziegen und Echsen. Ansonsten verläuft die Fahrt ruhig und wir kommen am späten Nachmittag in Broken Hill an. Dies übrigens nachdem wir die Uhr eine halbe Stunde zurück gestellt haben, obwohl wir die Grenze zu South Australia noch nicht überfahren haben. Broken Hill liegt zwar in New South Wales, will aber viel lieber zu South Australia gehören (warum auch immer) und hat deswegen die Telefonvorwahl und Zeitzone von South Australia „adoptiert“. Jaja… die Australier!
Broken Hill selbst ist eine Bergbaustadt und das Bemerkenswerteste ist, dass die Hauptstraßen hier „Chloride Street“, „Sulphide Street“, „Oxide Street“, „Iodid Street“ und so weiter heißen.

Freitag
Heute liegen 870 km vor uns. Wir wollen bis nach Ceduna kommen. Morgens ist es in Broken Hill saukalt und wir sind heilfroh, als wir alles eingepackt haben und uns ins warme Auto setzen können. Auf der Hälfte der Strecke halten wir in Port Augusta und bekommen live einen Gefängnisaufstand mit. Das Gefängnis von Port Augusta liegt direkt am Highway und wir können eine beachtliche Menge Einsatzfahrzeuge und Fernsehübertragungswagen sehen. Später erfahren wir, dass sich die Gefangenen etwa vier Stunden, nachdem wir vorbei kamen ergeben haben und der Aufstand somit friedlich beendet wurde. In der Kleinstadt Ceduna, wo wir unser Zelt aufschlagen, gibt es einen Wegweiser, auf dem schon Perth angezeigt ist. Leider steht dahinter 1960 km.

Samstag
Nach der langen Fahrt gestern wollen wir heute einfach so weit fahren wie wir kommen. Unser Weg wird uns dabei durch die Nullarbor-Wüste führen, die direkt auf die Steilküste des Ozeans trifft. Außerdem bekommen wir ja heute auch 2 ½ Stunden „wieder“, wenn wir die Grenze zu Western Australia überqueren. Und so fahren wir und fahren wir und werden am Ende des Tages 1005 km geschafft haben…
Der Beginn der Fahrt durch die Wüste stimmt mich erstmal ziemlich traurig, denn es liegen viele, viele tote Wombats am Straßenrand. So hatten wir das mit dem Blogtitel nicht gemeint. Ich hoffe, wir bekommen irgendwann noch mal ein lebendiges Wombat zu Gesicht. Entschädigen tut einen für diesen Verlust auf jeden Fall der Anblick, der sich an einigen Stellen an der Küste bietet. Türkisfarbene Wellen klatschen an felsige Steilküsten. Hier endet schroff der Kontinent und in die Richtung in die man guckt kommt nur noch die Antarktis. Wunderschön und beeindruckend.
Die Nacht verbringen wir in Balladonia, einem Roadhouse am Highway. Als ich mir gerade die Zähne putzen gehen will, werde ich von unseren Campingnachbarn auf ein direkt neben mir stehendes Känguru aufmerksam gemacht. Ich hocke mich hin, um es zu betrachten und es kommt noch einen Schritt auf mich zu, steht ca. 50 cm vor mir, schaut mich an und…. lutscht am Daumen! Dabei guckt es ganz versonnen und man hat das Gefühl, es fallen ihm jeden Moment die mit langen Wimpern versehenen Augendeckel zu. Es ist wirklich ein zu niedlicher Anblick. Als ich vom Zähneputzen wiederkomme, ist es immer noch da. Als ich mich hinhocke, kommt es wieder auf mich zugehoppelt. Ich kann diesem niedlichen Wesen einfach nicht widerstehen und bitte Sebastian, einen Reiscracker aus dem Auto zu holen. Das kleine Känguru lässt sich von uns füttern und Sebastian streichelt es sogar ein bisschen.

Sonntag
… ist ein ziemlich ereignisloser Tag. Wir fahren so vor uns hin und sind erstaunt, dass wir um 17 Uhr bereits Perth’ Skyline vor uns sehen und wir somit heute fast 900 km geschafft haben. Wir werden in Perth unsere vorerst letzte Nacht im Zelt verbringen und uns dann am Montag in Ruhe zur Farm aufmachen und vorher groß einkaufen fahren. Jetzt müssen wir uns ja wieder daran gewöhnen, dass man nur einmal, maximal zweimal pro Woche einkaufen fahren kann und deswegen vorausplanen muss.
Aber wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit „unserer alten Farm“.

2 Kommentare:

claudschn hat gesagt…

cool, dass das alles so problemlos klappt!!! :) Freut mich für euch! Wenigstens wisst ihr schon, was euch erwartet!! Ich freu mich auf die nächsten Berichte! Kussi aus Berlin

Anonym hat gesagt…

oh man, na jedenfalls hat das auto gehalten, meins hat gerade den geist aufgegeben :-)

Gruß vom Micha