Sonntag, 1. Februar 2009

Von Port Lincoln nach Melbourne

Donnerstag
Auf dem Campingplatz von Port Lincoln, direkt an der Boston Bay gelegen, überrascht uns in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag erneut Regen und Wind. Wir beschließen, uns für die zweite Nacht eine Cabin (kleiner Bungalow) zu mieten, um der Witterung zu entgehen. Den nieseligen Tag verbringen wir mit Shoppen, Faulenzen und Spazierengehen, zu mehr sind wir nicht zu bewegen.

Freitag
Wir schlafen aus (es muss ja kein Zelt abgebaut werden) und machen uns auf den Weg Richtung Adelaide. Es ist wieder schönes Wetter und so fahren wir den Glen Forrest Animal Park an, der ca.10 Kiesstraßenkilometer nördlich von Port Lincoln liegt. Im Prinzip handelt es sich um einen kleinen Tierpark auf privatem Land. Die Gehege sind relativ großzügig (bis auf das der Dingos) und wir erfahren von einer Tierpflegerin, dass die meisten Tiere hier verletzt oder verwaist abgegeben und dann aufgezogen wurden. Endlich bekommen wir unseren ersten Wombat zu sehen – allerdings einen südlichen Haarnasenwombat, der grimmig dreinschaut und überhaupt eher wie eine Mischung aus Pitbull und Riesenmaulwurf - also nicht nach snuggling up - aussieht. Außerdem treffen wir noch einen Strauß, beim dem sogar ich ganz schön nach oben schauen muss – imposanter Vogel.
Mittags befahren wir in Lucky Bay die Fähre, die uns über den Spencer Gulf nach Walleroo bringen wird und uns damit 450 km Autofahrt erspart. Während der Überfahrt begleiten uns tatsächlich kurz einige Delphine, die neugierig aus dem Wasser springen, um zu schauen, was es mit unserer Fähre auf sich hat. Angekommen in Walleroo fahren wir weiter in Richtung Yorke Peninsula, weil wir unseren Campingplatz in Adelaide erst morgen beziehen können. Daher übernachten wir auf dem Campingplatz in Ardrossan, einem der vielen kleinen Townships, die es überall an der Küste gibt.

Samstag
Wie geplant fahren wir nach Adelaide hinein und wollen auf unseren Campingplatz einchecken. Wir haben reserviert – wie auch die anderen 10.000 Menschen, die an der Rezeption in der Schlange stehen. Es ist Australia-Day-Wochenende und ganz Südaustralien kommt nach Adelaide auf unseren Campingplatz. Es dauert ein wenig, dann können wir unsere Site beziehen, die keinerlei Schatten bietet. Also schnell Zelt aufgebaut und wieder ins klimatisierte Auto Richtung Downtown (oder CBG, Central Business District, wie die Aussies sagen).
Adelaide ist im Speckgürtel eine typisch australische Großstadt, d.h. es gibt viele zum Verwechseln ähnliche Vororte, die man durchfahren muss, um zum Zentrum vorzudringen. Das Zentrum in Adelaide ist geprägt von historischen Gebäuden gemischt mit modernen und weniger modernen Hochhäusern. Zwischendrin findet man niedliche kleine Straßen mit Kaffees, Restaurants und Nicht-Ketten-Geschäften. Ich mag es hier, die Stadt vermittelt Großstadtgefühl (mehr als Perth) ohne stressig zu sein. Was ich nicht mag ist der Zustand der Straßen (in ganz Südaustralien übrigens), vielleicht fährt der Verkehrsminister in Südaustralien ja einen gut gefederten 4WD. In einem normalen PKW sind die Straßen kaum zu ertragen. Dresdens Asphalt gilt in Deutschland als schlecht - ist jedoch ein Babypopo dagegen.
Als erstes steuern wir den Central Market in Chinatown an und stürzen uns ins Getümmel. Bei Pelmeni und Piroschki entspannen wir uns, bevor wir einige Artikel des täglichen Bedarfs erwerben.
Abends streifen wir noch ein wenig durch die Stadt und genießen die Atmosphäre.

Sonntag
Heute soll es ein Aktiv-Tag werden. Morgens bummeln wir auf dem Rundel Street Market. Da es nur wenige und noch weniger interessante Marktstände gibt, sind wir nach 10 Minuten mit dem Bummel fertig. Also schlendern wir ein wenig die Fußgängerzone entlang und schauen hier und da in Geschäfte. Nachmittags zieht es uns zur King William Road im Norden der City, wo heute Start/Zielpunkt der letzten Etappe der Tour Down Under sein wird und wir unserer Kamera und ihrem Teleobjektiv ein wenig Auslauf gönnen. Als wir ein paar gute Bilder von Lance (Armstrong) und Co. im Kasten haben, verlassen wir das Rennen und besuchen das Museum auf South Australia, das gleich um die Ecke liegt. Hier gibt es eine kostenfreie und dennoch interessante Ausstellung über Wale… außerdem sind die Räumlichkeiten klimatisiert.
Weil wir von Märkten noch nicht genug haben, fahren wir am späten Nachmittag nach Port Adelaide, dem Hafenviertel von Adelaide. Hier gibt es wiederum den Fishermans Wharf Market, der eher Trödelmarktcharakter hat und damit schon grundsätzlich interessant ist. Diesmal kaufen wir sogar etwas – eine legere Handtasche für Johanna.
Nach Abendbrot auf dem Campingplatz machen wir uns zu später Stunde noch auf den Weg zum Botanischen Garten. Um den Tag in der australischen Großstadt perfekt zu machen, besuchen wir das Moonlight Cinema (Kino unterm Sternenhimmel) und schauen - na was wohl – „Australia“.
Nach dem Kino kehren wir gegen 0.00 Uhr auf unseren Campingplatz zurück. Viele Australier sind noch wach und feiern in den Australia Day hinein mit ein paar Böllern und viel Bier.

Montag
Morgens sind wir überrascht, denn am eigentlichen Australia Day haben viele unserer Campingnachbarn schon eingepackt und fahren wieder nach Hause. Wahrscheinlich um die Heimreise ohne Geschwindigkeitsübertretung ganz entspannt durchzuhalten, denn wie an jedem Feiertag in Australien werden Bußgelder im Straßenverkehr heute verdoppelt, Punkte im Zentralregister übrigens auch… lustig.
In Glenelg, dem historischen Strandviertel von Adelaide soll es eine Ausstellung von Rodney Fox über Weiße Haie geben. Fox wurde in den 1960ern von einem Großen Weißen gebissen und widmet sich seitdem dem Schutz von Haien allgemein. Als wir in Glenelg ankommen, erfahren wir, dass es die Ausstellung hier im Rathaus nicht mehr gibt. Stattdessen gibt es eine Ausstellung über die Besiedlung von Südaustralien, auch nicht uninteressant. Der „Türsteher“ (ein älter Herr vor dem Rathaus, keine Ahnung, was seine eigentliche Aufgabe ist) verrät uns, dass Teile der Hai-Ausstellung jetzt im Wal-Zentrum in Victor Harbour, rund 80 km südlich von Adelaide zu besichtigen sind. Da wir sonst nichts geplant haben, machen wir uns sofort auf den Weg.
Victor Harbour ist ein kleines gemütliches Hafenstädtchen. Wir genießen Fish&Chips (panierter Fisch mit Pommes Frites) im Park und schauen uns die Ausstellung an, die zwar für mich nicht wirklich was Neues zu bieten hat, aber gut gemacht ist.

Dienstag
Wir brechen Richtung aus Adelaide auf, nicht jedoch, ohne uns vorher mit leckeren Piroschki vom Central Market einzudecken. Dort gibt es auch kostenloses WiFi, so dass wir noch zwei Stunden damit verbringen, unser Betriebssystem zu aktualisieren. Am späten Vormittag kommen wir endlich los und kommen bis Robe, einem kleinen, uninteressanten Städtchen.

Mittwoch
Von Robe aus geht’s in den Bundesstaat Victoria und auf die Great Ocean Road, eine rd. 250 km lange Küstenstraße, die an einigen Stellen spektakuläre Ausblicke bietet. Natürlich lassen wir uns Zeit und kampieren abends auf halber Strecke auf einem Campingplatz auf dem Cape Otway. Inmitten dichter Eukalyptuswälder gelegen, bietet er seinen Gästen die einmalige Gelegenheit, mit wilden Koalabären den Urlaub zu verbringen. Als wir abends noch zum Strand laufen wollen, müssen wir an jedem Eukalyptusbaum Halt machen, da Johanna wenigsten zwei Koalas darauf entdeckt. Der Auslöser unserer Kamera läuft heiß. Die meisten der „Bärchen“ schlafen (das tun sie in der Regel übrigens 20 Stunden am Tag – eigentlich müssten sie Faulbären heißen) und wir versuchen, ganz leise zu sein, um sie nicht zu stören.

Donnerstag
Der zweite Teil der Great Ocean Road führt uns wieder auf kurvenreichen Straßen vorbei an Surfstränden und durch grüne Wälder, die australische Südküste entlang. Nachmittags kommen wir in Portarlington an, einem kleinen Städtchen an der Bucht von Port Phillip, südwestlich Melbourne gelegen. Am diesigen Horizont kann man au der anderen Seite der Bucht bereits die Skyline von Melbourne erkennen.

Freitag
Heute ist es heiß. Über vierzig Grad sind vorhergesagt und in Städten ist das Ganze dann immer noch mal ein wenig schlimmer. Wir haben uns für Melbourne ein kleines Apartment gemietet und beschließen, direkt nach Ankunft, die Klimanlge anzuschalten und alle Fünfe für den Rest des Tages grade sein zu lassen. Im Fernsehen erfahren wir, dass vor den südöstlichen Stadtgrenzen von Melbourne Buschbrände wüten, die für Stromausfälle in Melbourne sorgen und bislang nicht unter Kontrolle sind. Wir hoffen das Beste. Abends raffen wir uns dann doch noch auf und fahren mit Heinz und Birte, die auch in Melbourne sind, ins Partyviertel St. Kilda, wo wir bei Oettinger Bier den Sonnenuntergang am Strand genießen.

Samstag
Der Samstag ist kühler – der Wind bläst heute von der See her. Wir nutzen den Tag um die Innenstadt zu erkunden. Melbourne CBD ist ziemlich dicht bebaut. Im Rechten Winkel zueinander angeordnet durchziehen neben großen Einkaufstraßen kleine Nebenstraßen mit Kaffees und Restaurants die City und erwecken teilweise den Eindruck einer europäischen Großstadt. Große alte Bäume säumen häufig die Straßenränder und spenden Schatten. Dennoch ist es nicht wirklich entspannend hier, denn es ist verdammt voll. Autos, Straßenbahnen, Menschen. Parks gibt es in der City selbst kaum, dafür aber in den angrenzenden Wohnvierteln. Wir feiern unseren fünften Jahrestag, indem wir abends lecker beim Asiaten essen gehen.

Sonntag
Phillip Island ist uns einen Tagesausflug wert. Auf dem Weg auf die 130 km südöstlich von Melbourne gelegene Insel besuchen wir noch den Esplanade-Markt in St. Kilda. Hier gibt es neben allerlei originellem Kunsthandwerk auch ein paar nette Automobilklassiker in gutem Zustand zu sehen (ein alter Holden Kombi zum Beispiel und ein wirklich alter VW-Bus mit geteilter Windschutzscheibe), die den Marktteilnehmern scheinbar als Nutzfahrzeuge dienen.
Phillip Island selbst ist vor allem aus dem Motorradrennsport bekannt. Auf der hiesigen Rennstrecke findet einmal jährlich ein Lauf zur Superbike-WM statt. Wir sind natürlich hier, um die Natur zu genießen und am südwestlichen Rand der Insel besuchen wir so an einem rauen Küstenabschnitt mit einer Kolonie Zwergpinguine. Die Brutzeit ist größtenteils schon vorbei und so kann man einige Jungtiere beobachten. Auch die Möwen hier befinden sich in Begleitung kleiner flauschiger Küken.

Es ist jetzt gerade abends um 10 Uhr und Johanna schaut gerade das Finale der Australian Open. Federer und Nadal schenken sich nichts… es kann also noch ein wenig dauern. Wir werden noch bis Dienstagvormittag in Melbourne bleiben, bevor wir uns wieder aufmachen, das ländliche Australien zu erkunden. Bis dahin…

3 Kommentare:

claudschn hat gesagt…

Lasst euch nicht von der Hitze und den Buschbränden und anderen Widrigkeiten unterkriegen und genießt die verbleibende Zeit!

Küsschen aus Berlin

Unknown hat gesagt…

Wenn ich mich richtig an die Wettervorhersage im Sydney Morning Herald erinnere, zieht die Hitzewelle in abgeschwaechter Form jetzt zu mir nach Sydney. Genau wie Ihr singe ich ein Loblied ein Loblied auf Klimaanlagen und suche mir meine Aufenthaltsorte danach aus, ob eine Klimaanlage vorhanden ist. Kann ja nicht nur am Strand liegen, wenn ich nicht im Buero bin und arbeite.

Bis denn dann

Anonym hat gesagt…

also ich fliege hier in Dresden auf den "Baby-Popoglatten" Straßen ständig auf die Nase. ist scheiß kalt bei uns, und überhaupt. Sonne habe ich schon lange nicht mehr gesehen. dann sag ich jetzt mal zu Euch " meckern auf hohem Niveau :-) Oder sollte ich Heißem schreiben....

Bringt mir ne Knuddel Koala mit!!

Micha