Donnerstag, 25. September 2008

Von Darwin nach Alice Springs – Introducing Howard Holden und Frieren in der Wüste

Dienstag
Leider kann sich Lyn erst abends mit uns treffen, um das Auto zu übergeben. Deswegen gammeln wir den ganzen Tag erwartungsvoll in der Gegend herum. Am frühen Nachmittag halten wir es in der Hitze nicht mehr aus, flüchten in ein klimatisiertes Einkaufszentrum und schlagen dort weiter die Zeit tot.
Um halb sieben ist es endlich so weit, wir treffen uns mit Lyn um den Kauf perfekt zu machen. Wir füllen alle Papiere aus und begeben uns dann zu ihrem Computer, um die $3200 von unserem Konto auf das ihre zu transferieren. Leider stellen wir dabei fest, dass unser Tageslimit bei der Bank nur $1000 beträgt. Auch ein Anruf beim Servicecenter der Bank ändert daran leider nichts. Was nun? Wir entsinnen uns unserer deutschen EC- und Kreditkarten und machen uns auf den Weg zum nächsten Geldautomaten. Dort ziehen wir unter Zuhilfenahme wirklich aller Karten die Summe, die wir brauchen. Dummerweise geben australische Geldautomaten als größte Banknote $50-Scheine aus, so dass wir mit einem dicken Bündel Geld bei Lyn auftauchen. Wir kommen uns ein bisschen wie Gangster vor mit dem Paket Geld in der Hand. Dann ein schneller Tausch Geld gegen Auto und wir rauschen mit Miet-Van und Holden glücklich ab.

Mittwoch
Es gibt viel zu tun. Alles muss vom Miet-Van irgendwie sinnvoll in den natürlich kleineren Kombi gepackt werden. Sebastian fährt unser neues Auto erstmal zum aussaugen, bevor wir mit dem Einpacken anfangen können, denn Lyn hatte einen ziemlich haarigen Hund, der wohl öfter mal hinten drin mitgefahren ist. Ich packe derweil alles aus dem Van aus und bekomme ein bisschen Angst, dass der ganze Kram nicht ins neue Auto passt.
Wir packen dann alles zusammen und siehe da… es ist sogar noch Platz! Dann fahren wir mir beiden Autos los um den Van wieder abzugeben. Was bin ich froh dieses eklige, siffige Auto los zu sein! Anschließend sind wir den ganzen Tag unterwegs, Auto offiziell ummelden, Versicherung abschließen, alte Versicherung kündigen, alte Registrierung abmelden, Zelt kaufen et cetera et cetera.
Wir schaffen alles, so dass es am Donnerstag mit dem Reisen weitergehen kann. Wer hätte das vor zehn Tagen schon geglaubt… wir nicht!

Unsere Campingnachbarn haben unser Schicksal alle sehr teilnahmsvoll verfolgt und alle freuen sich, dass nun alles für uns wieder gut ist. Nachbar Phil drückt uns zur Feier des Abends einen Teller frisch in Knoblauch gegrillte Scampis in die Hand und Nachbarin Ellen hat einen Namensvorschlag für das neue Auto: Howard Holden. So soll es denn sein!

Donnerstag
On the road again! Als nächste große Etappe steht Alice Springs auf dem Programm. Die 1500 km wollen wir auf drei Tage á 500 km aufteilen. Erstes Etappenziel soll Mataranka sein. Dort kommen wir gegen 14 Uhr an und sind vom Campingplatz enttäuscht. Keine Bäume die Schatten spenden und nur roter Sand. Bevor wir uns endgültig entscheiden, laufen wir noch zu dem im angrenzenden Regenwald liegenden Pool, der von unserem Reiseführer hoch gelobt wurde. Der Pool stinkt ziemlich und in den Bäumen hängen abertausende von großen Flughunden, die leider entgegen ihrer sonstigen Natur ziemlich tagaktiv sind und herumflattern. Definitiv kein Platz für mich! Also fahren wir weiter und spielen mit dem Gedanken, die Strecke in zwei Tagen zurückzulegen.
Um 18 Uhr haben wir 730 km geschafft und schlagen unser Zelt auf einem kleinen Roadhouse-Campingplatz in Elliot auf. Hier laufen eine ganze Menge Pfauen frei herum, weswegen an der Tür zur Tankstelle ein Zettel hängt, man dürfe so viele fangen, wie man denn wolle.

Freitag
Es ist bewölkt und daher ein guter Tag zum Autofahren. Wir reißen die die restlichen 770 km nach Alice Springs herunter und fallen früh ins Bett. Howard hat den ersten Härtetest gut bestanden und es stellt sich heraus, dass er ein echter australischer „bloke“ ist: Entspannt in allen Lebenslagen und immer durstig. Denn sein großer Motor (Anm v. Seb.: 3,8 l V6 mit 147 kW) verbraucht auch bei moderater Fahrweise Überland ca. 10 l auf 100 km, ohne eingeschaltete Klimaanlage. Aber dafür fühlen wir uns sicher mit Fahrerairbag und ABS. Und weniger als Maggie verbraucht so ein PKW allemal.

Samstag
Vormittags schauen wir uns Alice Springs mit seinen vielen Aboriginie-Kunstgalerien an. Außer diesen gibt es nicht viele Sehenswürdigkeiten. Den Nachmittag verbringen wir nach der langen Fahrt mit Entspannen. Sebastian rafft sich kurz vor Sonnenuntergang noch einmal auf, um die Gebirgskette, die an Alice Springs grenzt (MacDonnell Ranges) zu besteigen. Er kommt begeistert wieder mit schönen Panorama-Fotos von Alice Springs und Berichten von vielen, vielen Kängurus am Berg.

Sonntag
Der 450 km lange Weg zum Uluru-Kata Tjuta-Nationalpark (Uluru = ehemals Ayers Rock, Kata Tjuta = ehemals die Olgas) steht auf dem Programm. Bevor wir aufbrechen, schlendern wir noch gemütlich über den Sonntagsmarkt von Alice Springs. Auf der anschließenden Fahrt sehen wir viele riesige Keilschwanzadler, die größten Greifvögel Australiens. Die Landschaft wird auch immer wüstenähnlicher… viel rote Erde mit kleinen Büschen und runden Grasbüscheln.
Um 15 Uhr kommen wir auf unserem Campingplatz an und schlagen unser Zelt auf. Zum Sonnenuntergang begeben wir uns zum Uluru um das angeblich spektakuläre Schauspiel zu erleben, wie der Berg seine Farbe bishin zu leuchtend rot wechselt. Und es ist wahr… egal wie viele Bilder man schon davon gesehen hat in natura ist dieser Berg so beeindruckend, wie keiner den ich zuvor gesehen habe. Man steht mit Staunen davor und wird ehrfürchtig. Wie oft habe ich bis jetzt gedacht, dass manches auf unseren Fotos noch viel toller aussieht als in der Realität. Aber hier ist es andersrum… man kann mit keiner Kamera die Schönheit dieser Augenblicke einfangen.
Als wir auf den Campingplatz zurückkommen stellen wir zwei Dinge fest: Erstens, unser Zelt ist dem starken, böigen Wind, der hier herrscht nicht wirklich gewachsen und biegt sich bis zum Erdboden. Zweitens, es wird in der Wüste nachts tatsächlich extrem kalt. Eigentlich hatten wir uns nach den tropischen Gefilden auf kühle Nächte gefreut, aber in den nächsten Nächten werden wir bei ungefähr 4°C trotz Schlafsäcken, Bettdecke und Ganzkörper-Fleece-Bekleidung ganz schön frieren…

Montag
Wir schälen uns um 5 Uhr morgens aus dem Bett um den Sonnenaufgang zwischen Uluru und Kata Tjuta mitzuerleben. Es ist immer noch bitterkalt. Leider ist es auch bewölkt, so dass die aufgehende Sonne zwar tolle Strahlen auf den Uluru wirft aber Kata Tjuta nicht in Morgenrot taucht.
Wir fahren zurück zum Uluru und machen erstmal ein morgendliches Picknick. Der Uluru ist wegen des starken Windes von einer Staubwolke umgeben, so dass wir von dem geplanten Spaziergang am Fuße des Berges absehen. Stattdessen fahren wir zurück zum Campingplatz und „retten“ unser Zelt vorm Windkollaps.
Da es die ganze Zeit nach Regen aussieht, verbringen wir den Vormittag in den drei Shops, die es hier gibt. Am frühen Nachmittag ist dann endlich wieder blauer Himmel zu sehen und so begeben wir uns zum „Valley of the winds“ in den Olgas. Nach dem 7,5 km-Spaziergang schauen wir uns noch den Sonnenuntergang an, bevor wir schlotternd vor Kälte das mittlerweile ziemlich ramponierte Zelt wieder aufbauen.

Dienstag
Wieder klingelt um 5 Uhr unser Wecker. Wir wollen es noch mal mit dem Sonnenaufgang versuchen und diesmal klappt es mit dem Morgenrot. Da die Nacht ziemlich unerholsam war, gehen wir nach „getaner Arbeit“ wieder ins Bett. Weil wir befürchten, dass unser Zelt noch einen Tag in diesen Böen nicht überleben wird, beschließen wir, am Nachmittag nach Alice Springs zurückzufahren. Vorher machen wir noch zwei kleine Spaziergänge am Uluru.
Auf der Fahrt nach Alice Springs begegnen uns dann wieder die riesigen Adler und ein freilaufendes Dromedar.
In Alice Springs am Abend angekommen, müssen wir leider feststellen, dass es hier genauso kalt ist, wenn auch mit weniger Wind.

Mittwoch
Vormittags kümmern wir uns erstmal um den Kauf eines neuen Zeltes. Die Erfahrung hat uns nun gezeigt, worauf wir achten müssen. Als wir dem Verkäufer von unserem alten Zelt erzählen, errät der sofort goldrichtig, wo wir es gekauft haben. Scheint also ein nur uns unbekanntes Problem zu sein. Unser neues Zelt ist jedenfalls sehr schön und ich kann sogar drin stehen.
Am Nachmittag erkunden wir die East MacDonnell Ranges. Ca. 75 km von Alice Springs entfernt befindet sich das sogenannte Ross River Homestead - eine kleine Siedlung, ähnlich einer Farm. Dieses hier ist besonders schön, wie ein alter europäischer Bauernhof und drinnen laufen tatsächlich Beethovens Klavierkonzerte, während draußen unter den Palmen Pfauen stolzieren und uns beim Kaffeetrinken zugucken. Leider wird dort zur Zeit kein Personal gebraucht…
Von dort aus klettern wir auf einen Bergkamm um die schöne Aussicht über die Gebirgskette zu genießen. Beim Abstieg muss man sich ganz schön konzentrieren, um auf dem Geröll nicht auszurutschen und herunterzufallen. Deswegen sehe ich „es“ auch erst im letzten Moment. Ich springe drei Schritte zurück bergauf und schreie, dass es in den Bergen widerhallt. Vor mir sitzt ein vorsichtig geschätzt 1,20m langer Riesenwaran (Perentie) im Schatten eines Spinifex-Büschels. Erstaunlicherweise zeigt er sich von meinem Geschrei äußert unbeeindruckt und bleibt einfach sitzen. Während mein Herzschlag sich beruhigt, macht Sebastian ein Foto und wir setzen unseren Abstieg in großem Bogen fort. Hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon gewusst, dass Riesenwarane nicht nur groß sondern auch giftig sind, hätten wir unseren Abstieg wohl ohne Foto und in größerem Bogen fortgesetzt.
Der Rest des Tages verläuft ruhig.

Donnerstag
Nach einer nicht ganz so kalten Nacht (7°C) stehen heute die West MacDonnell Ranges auf dem Programm. Wir besichtigen Standley Chasm eine rot leuchtende Felsschlucht und Simpson Gap, ein Tal, dass für seine Kolonier von Rock-Wallabies (kleine Bergkängurus) bekannt ist. Leider kommen wir zur falschen Zeit, so dass wir keine zu Gesicht bekommen.
Den Nachmittag verbringen wir mit Erholung und Organisatorischem, bevor es am Freitag auf die langen 2100 km bis zur Ostküste geht. Von dort aus dann mehr.

3 Kommentare:

claudschn hat gesagt…

sieht sehr komfortabel aus, euer neues Heim... :)

Anonym hat gesagt…

Sehr schöner ausführlicher Bericht - vielen Dank und gute Weiterreise.
Es grüßen
Irmchen und Dieter.

Unknown hat gesagt…

da Warane nur wirbeltiere bis zur größe von Hirschen fressen, ward ihr zu keiner Zeit in Gefahr ;-)
manchmal schützt doch unwissenheit siehe § 16 StGB.

gruß von der juristenfront