Shanghai empfing uns mit bedecktem Himmel und Dauerregen. Nachdem wir im Hostel eingecheckt hatten, haben wir uns trotzdem auf den Weg nach Downtown gemacht um uns einige touristische Highlights aus der Nähe anzuschauen.
Auf unserem Weg zur Altstadt sind wir an einem Blumen- und Vögelmarkt vorbeigekommen. Der Anblick, der sich uns bot, machte uns traurig. Wasserschildkröten in Glasschüsseln ohne Wasser, eingepferchte Hunde (die anscheinend nicht als Speise bestimmt waren) und Vögel in winzigen Käfigen siechten zwischen rauchenden und rotzenden Männern dahin. Die Luft war erbärmlich.
Also wieder raus und schnell Richtung Altstadt, wo wir das „originale“ Shanghai vermuteten. Gefunden haben wir, zumindest an diesem Tag, restaurierte Häuser mit McDonalds und KFC sowie unzählige Ramschläden mit „Wanna buy a watch, t-shirt, DVD“-Verkäufern davor.
Direkt an die Altstadt schloss sich der Bund an. Mittlerweile waren unsere Hosen bis zu den Knien durchgeweicht und unsere Schuhe quietschten vor Nässe. So sind wir den Bund auf der Suche nach einem warmen, behaglichen internationalen Systemgastronomierestaurant mit einem gelben Grosbuchstaben abgelaufen, das es natürlich ausgerechnet am Bund nicht gab. Auf dem Weg bekamen wir etwas von der Geschäftstüchtigkeit der Chinesen mit und zwar in Form von ca. 10.000 Frauen und Männern, die uns mit einem energischen „Hello Sir“ Regenschirme anboten.
Wir beide haben uns den Bund ganz anders vorgestellt. Neben einer breiten, lauten Straße verläuft ein ca. 40 m breiter Uferstreifen, auf dem kleine Ladengeschäfte, Restaurants, Reisebüros und Supermärkte im Erdgeschoss untergebracht sind. Darüber (praktisch auf dem Dach) gibt es eine Promenade, die von künstlich angelegtem Grün gesäumt ist. Das Ganze verläuft über ca. 1,5 km des Huangpu-Ufers. Auf der gegenüberliegenden Flussseite Kratzen die Hochhäuser des neuen Stadtteils Pudong mit dem berühmten Oriental Pearl Tower an den Wolken, entstanden auf Boden, der vor 15 Jahren noch landwirtschaftlich genutzt wurde.
Auf der zentralen Einkaufsstraße haben wir dann noch eine McDonalds zum Aufwärmen und auf (europäische) Toilette gehen gefunden. Nachdem wir noch eine Zeitung zum Schuheausstopfen gekauft hatten, hieß es nur noch, raubkopierte DVD im Hostel ausleihen und alle Fünfe grade sein lassen.
Beim Versuch Zugfahrkarten und Tickets für die Nachtfähre nach Putuoshan (unten mehr dazu) zu bekommen, haben wir am Ostersonntag die ganze Tour noch einmal bei Sonnenschein gemacht. Nicht ganz, aber den Bund sind wir noch einmal abgelaufen. Diesmal haben die Regenschirmverkäufer vom regnerischen Vorabend übrigens Drachen und Pseudo-Rollerskates angepriesen. Als wir nach 2 Stunden „No, thanks“-Sagen immer noch kein Ticketoffice gefunden hatten, beschlossen wir die nächste „Starbucks-Oase“ aufzusuchen und damit dem Trubel zu entfliehen. Am Nachmittag sind wir dann zur weiteren Entspannung in den Lu-Xun-Park gefahren. Man stelle sich den VP Friedrichhain mit ca. 1 Mio. Menschen vor. So voll ungefähr war der Lu-Xun-Park. Dennoch haben wir wieder ruhige Plätze finden können. Für die Stadt-Chinesen ist es normal am Sonntag Nachmittag in den Park zu gehen und ein wenig Zerstreuung beim Kartenspielen, Tai Chi, Karaoke oder einfach nur Elektrobootfahren zu suchen. Das war ein sehr angenehmes Erlebnis, trotz der für unsere Berliner Verhältnisse vielen Menschen.
Gut erholt und ausführlich beraten durch unsere Hostel-Rezeptionistinnen haben wir dann am Montag die Ticketoffices gefunden, um die halbwegs gewünschten Tickets zu kaufen. Bei Sonnenschein sind wir mit der Fähre nach Pudong übergesetzt. Abgesehen von den Hochhäusern hat Pudong außer einer großen Shopping-Mall (touristisch) wenig zu bieten. Mit Eiscreme und Sir George haben wir daher ausgiebig am Ufer gesessen und Schiffe beobachtet.
Am Nachmittag sind wir noch einmal in die Altstadt zurückgekehrt, um von der touristischen Hauptstraße in eine der Neben„straßen“ abzubiegen und die tatsächliche Altstadt zu erleben. Die Verhältnisse dort sind aus europäischer Sicht erbärmlich. Die Bewohner sind jedoch auch zu Fremden sehr freundlich und wirken weitaus glücklicher als die Menschen in den „besseren“ Vierteln.
Danach haben wir uns erneut todesmutig in die Touristenmassen am Bund geworfen – die Sonne war mittlerweile untergegangen. Nach einigen Fotoversuchen ohne Stativ war das „Pflichtprogramm“ Skyline bei Nacht damit erledigt.
Der Dienstag sollte ein Entspannungstag werden. Am späten Vormittag standen zwei mächtige Buddhas auf dem Programm. Jeweils aus einem Jade-Block geschnitzt sind beide 3-4 m großen Figuren, die eine sitzend, die andere liegend, in einem Tempel im Norden der Innenstadt untergebracht. Von dort aus haben wir einen Spaziergang durch die ehemalige französische Konzession (ehemaliges Wohngebiet der französischen Kaufleute, die von Shanghai aus Opiumhandel betrieben) gemacht. Leider war wenig von französischer Architektur zu erkennen. Was uns aber sehr freute, war eine große Anzahl von gut riechenden französischen Croissanterien, in denen wir ausgiebig zuschlugen. Den Rest des Tages haben wir mit „Parkhopping“ verbracht, weil uns die Füße weh taten und weil es sehr angenehm war, den Chinesen beim Tai Chi im Park zuzuschauen.
Mittwoch war unser Abreisetag. Allerdings ging unsere Fähre nach Putuoshan erst um 20 Uhr, so dass wir noch Zeit hatten, ins schöne, moderne Shanghaier Aquarium zu gehen. Das Aquarium hat einen 120m langen, spektakulären Unterwassertunnel, in dem Haie, Rochen, Meeresschildkröten und anderes Unterwassergetier über einen hinweg schwimmen. Leider mussten wir auch hier die Unart der Chinesen, sehr laut und unsensibel zu sein, ertragen. Obwohl überall gut sichtbar Schilder angebracht waren, dass man nicht gegen die Glasscheiben klopfen soll, versuchte jeder Chinese mit aufdringlichem Geklopfe die Tiere aufzuwecken oder deren Aufmerksamkeit zu erregen um mit seinem Fotohandy gegen die Scheibe zu blitzen.
Nach unserem ausgedehnten Aquariumbesuch haben wir noch etwas die Sonne genossen und sind zurück ins Hostel gefahren um unser Gepäck einzusammeln und uns zur Fähre zu begeben. Zu unserer Nachtfahrt mit der Fähre und zu Putuoshan dann im nächsten Post mehr.
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