Sonntag, 30. März 2008

Putuoshan – „Today I don´t know!!!“

Wie wir ja schon im vorigen Post geschrieben haben, hatten wir uns entschlossen, Putuoshan zu besuchen. Das ist eine kleine, ziemlich heilige Insel ca. 100 km von Shanghai entfernt, jenseits der Bucht von Hangzhou. Auf der Insel befindet sich der Mount Foding (ca. 300m hoch), der einer der vier für den Buddhismus bedeutendsten Berge Chinas ist.

Um mal ein neues Erlebnis zu wagen und Transport- und Unterkunftskosten für eine Nacht zu vereinen haben wir uns für die Nachtfähre von Shanghai nach Putuoshan entschieden. Nach dem umständlichen Ticketkauf waren wir sehr gespannt, was auf uns zukommen würde. Da es auf der Fähre keine 2-Bett-Kabinen gab, mussten wir uns mit einer 4-Bett-Kabine begnügen. Um es gleich vorweg zu nehmen… unsere beiden Mitreisenden waren total problemlos. Es waren zwei Damen mittleren Alters, die jeweils einzeln reisten. Eine von beiden war uns am nächsten Morgen auch sehr behilflich indem sie die chinesische Bord-Ansage für uns ins Englische übersetzte, sonst wären wir prompt auf der falschen Insel ausgestiegen. Die Fähre war nicht wirklich toll… ziemlich unwirtlich… überall das blanke Metall. Aber funktionstüchtig war sie, das ist ja das Wichtigste. In der Kajüte gab es also 2 metallene Doppelstockbetten, eine kleine Bank und ein Waschbecken. Damit es nicht zu allzu großem Gedränge kam, haben wir erstmal die Messe gesucht und uns dort niedergelassen. Nach einem Blick von außen durchs Kombüsenfenster, haben wir beschlossen, zum Abendessen auf Kartoffelchips und Erdnüsse (mehr gab´s nicht im Bord-Kiosk außer getrocknetem Fisch) zurückzugreifen.

In der Messe haben wir die Zeit bis 22 Uhr hinter uns gebracht und sind von ein paar jungen Chinesen zum Bier eingeladen worden. Als wir in die Kajüte kamen, schliefen unsere Damen schon, so dass wir uns leise in die Betten geschlichen haben. Richtig erholsam war der Schlaf aufgrund der Lautstärke an Bord nicht, aber die Fähre hat uns sicher nach Putuoshan gebracht.

Dort angekommen haben wir nach einigem Herumgeirre auch unser Hotel gefunden und unser fürstliches Hotelzimmer, das wir uns mal geleistet haben (siehe Fotos - kostet weniger als zwei Jugendherbergsbetten in Berlin), bezogen. Nach einer ausführlichen Dusche und gründlicher Bewunderung unseres tollen Ausblicks haben wir uns wieder auf die Socken gemacht und bei schönstem Wetter den Südteil der Insel erkundet. Dort befindet sich ein wirklich kleiner Ort, dessen Mitte aus drei rechteckigen Teichen besteht und dessen Namen wir bis heute nicht herausgefunden haben. Wir nehmen an, hier heißt alles auf der Insel „Putuoshan“. Viel Verwechslungsgefahr besteht ja nicht, denn die Insel ist nur 12,5 km² groß und mehr als 5 Straßen, die nach den Tempeln benannt sind, zu denen sie führen, gibt es nicht.

Nachdem unser Spaziergang uns am Hafen im Süden der Insel vorbeiführte, dachten wir uns, wir könnten ja mal gleich unser Rückfahrtickets für Montag kaufen. Haha! „Kommen Sie am Sonntag wieder, vorher gibt’s keine Tickets“ sagte man uns, nachdem wir mit Händen und Füßen klar gemacht hatten, was wir wollten. Nun gut, dann eben nicht.

Den Rückweg haben wir dann über den 100-Schritte-Strand und den 1000-Schritte-Strand gemacht. Am letzteren liegt übrigens unser Hotel. Nach leckerem Abendessen als einzige Gäste des Hotel-Restaurants mit keiner einzigen englischsprechenden Service-Kraft ging´s früh ins Bett.

Am Freitag haben wir mit einer Wanderung den Nordteil der Insel erkundet. Wir haben den „umgekehrten“ Weg der chinesischen Touristen eingeschlagen und den Foding-Berg zu Fuß bestiegen, um auf der anderen Seite die Seilbahn hinunter zu nehmen. Vorher haben wir in der Mitte der Insel noch den Fayu-Tempel angeschaut. Dort wurden wir wieder mal von Schulklassen umlagert, die unser fremdes Aussehen und Sebastians Größe bestaunten. Und wieder mal mussten wir uns mit vielen kleinen Chinesinnen zum Foto aufstellen. War nicht so schlimm… wir hatten 21 Grad und Sonne und deswegen ziemlich gute Laune. Der Tempel war sehr schön, wenn auch für unsere ungeübten Augen nicht wirklich unterscheidbar von den vielen anderen Tempeln, die wir bisher gesehen haben. Eins ist uns jedoch hier sehr aufgefallen… Viele sitzende, anscheinend in sich ruhende Buddhastatuen tragen hier auf der Insel ein Sonnenrad bzw. Rad des Lebens (das Symbol, das die NSDAP als Hakenkreuz benutzte) auf der Brust. Das ist für uns als Europäer auf den ersten Blick doch schon immer etwas befremdlich. Dabei bedeutet es in China nur Sonne bzw. Unendlichkeit oder Fruchtbarkeit. Ein Foto konnten wir natürlich im Inneren der Tempel nicht machen.

Der Samstag fiel leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, denn es hat den ganzen Tag geregnet, so dass sich das schöne Zimmer wirklich gelohnt hat. Da wir im Zimmer kostenloses Internet hatten, haben wir den Tag hauptsächlich mit Job- und Autorecherchen für Australien verbracht.

Heute (Sonntag) ist das Wetter leider nicht wirklich viel besser, aber wir mussten ja eh los, um unsere Tickets für die Fähre am Montag zu kaufen. Wir haben ja schließlich für Montagabend schon Zug-Tickets von Shanghai nach Xiamen gekauft. Und von Xiamen geht am Donnerstag unser Flug nach Hong Kong.

Also sind wir wieder Richtung Süden der Insel zum Hafen aufgebrochen. Dort haben wir tatsächlich im Ticket-Office eine englischsprachige Angestellte angetroffen, die uns allerdings mitteilte, dass es heute keine Schnellboote nach Shanghai gebe. Nun gut, Missverständnis… wir müssen ja auch erst morgen los. Das haben wir ihr dann auch klar gemacht. Tja und welche Auskunft bekamen wir?! „Today I don´t know!“ Sie könne noch nicht wissen, ob morgen eine Fähre nach Shanghai gehe. Wir sollen doch einfach morgen früh um sieben Uhr vorbeikommen und fragen. Herrgottimhimmel!!! Tja, was sollten wir machen? Wir konntens ja eh nicht ändern, also sind wir erstmal in den Ort zurück und haben uns den ältesten und wichtigsten Tempel der Insel, den Puyi-Tempel, angesehen. Ganz in Ruhe, aufregen bringt ja nichts. Dann sind wir vor dem feuchtkalten Wetter wieder ins Zimmer geflüchtet und haben schon mal mit Hilfe des Internets Notfallpläne geschmiedet, falls morgen keine Fähre nach Shanghai fährt.

Irgendwie werden wir es schon bis Donnerstag nach Xiamen schaffen. Sind ja nur ca. 600 km – das schaffen wir auch mit dem chinesischen Transportsystem.

Haltet uns die Daumen… später mehr.

2 Kommentare:

claudschn hat gesagt…

Meine Daumen sind gedrückt!! :)

Thälmann hat gesagt…

an so einer "heiligen" Stätte sollte ein Wunder doch wohl angezeigt sein!!!!