Freitag, 4. April 2008

Xiamen

Nun ist es Freitag (4.4.) 8 Uhr morgens. Ich kann nicht mehr schlafen, hab schon Wetterbericht geschaut und gefrühstückt, draußen regnets mal wieder, also schreib ich Blog. Wir wollen euch ja auch mal wissen lassen, dass wir auf der von uns geplanten Strecke nach Xiamen gekommen sind.

Am Montag haben wir also früh morgens beim Fährhafen angerufen und die frohe Botschaft erhalten, dass um 13 Uhr ein Schnellboot (also 4 h Fahrt) nach Shanghai geht. Diese Fähre haben wir dann genommen und wurden nach anderthalb Stunden an einer Kaimauer weit im Süden von Shanghai (wenn’s überhaupt noch zu Shanghai dazugehörte) abgesetzt. Weiter ging’s mit dem Bus bis in die Stadt. Von der Metrofahrt zum Bahnhof muss ich ausnahmsweise mal berichten. Die Bahn war natürlich am späten Nachmittag knüppeldickevoll. Und wir mit unseren großen Taschen… Nun ja, wir haben uns eben wie Chinesen einfach rücksichtslos in die Bahn gedrängelt. Und dann fährt man so in einer hochmodernen Metro durch Shanghai und an der nächsten Station steigt eine Oma ein mit einem lebenden Huhn inner Plastiktüte in der Hand! Und damit nicht genug. Sie wollte auch unbedingt in die Mitte des Waggons. Also hat sie einfach die Ellenbogen ausgefahren und hat sich durchgedrängelt. Wenn das Huhn diese Fahrt überlebt hat, sollte es mich wundern.

Nun gut, wir haben den Bahnhof und unser Gleis gefunden und sind um halb sieben in unseren Zug gestiegen. Auch hier gab es keine 2-Bett-Abteile, so dass wir gespannt waren, wer mit uns das Abteil teilen würde. Es stellte sich heraus, dass zwei junge chinesische Männer unsere Reisebegleitung sein würden. Der Zug hatte seine besten Tage definitiv schon hinter sich und nachdem ich das Klo gesehen hatte, beschloss ich, so wenig wie möglich zu trinken auf der 22-stündigen Fahrt, damit ich es nicht benutzen müsste. Nachdem wir unser Gepäck im Abteil verstaut hatten, haben wir uns erstmal in den Speisewagen begeben. Dort haben wir es mit Hilfe der Übersetzungen in unserem Reiseführer geschafft etwas zu Essen zu bestellen. Allerdings war die Gesellschaft kein Genuss. Um uns herum waren fast nur Männer, die nach Herzenslust rülpsten, rotzten, schnieften, spuckten und was weiß ich noch. Nun gut, 22 Stunden sind eine begrenzte Zeit, das hält man schon aus. Unsere Abteilgenossen waren in dieser Hinsicht auch sehr annehmbar. Um halb neun lagen sie in ihren Betten und schliefen. Die Nacht war ruhig und nachdem die beiden Chinesen am nächsten Morgen um 9 Uhr ausstiegen, hatten wir das Abteil sogar den ganzen Tag für uns allein.

Und ich muss sagen, ich bin froh, dass wir uns für die Fahrt mit dem Zug entschieden haben. Die Landschaft, durch die wir den ganzen Tag fuhren war unglaublich schön und das, was ich mir nach etlichen Reportagen unter „die Landschaft Chinas“ vorgestellt hatte. Der Zug führ den ganzen Tag durch ein Tal an einem großen Fluss entlang. Rundherum unglaublich grüne Berge mit Wäldern, Palmen, Bambushainen und Wasserfällen und an den Hängen der Berge die lang ersehnten Reis- und Teeterrassen. Sogar ein paar Wasserbüffel auf den Feldern haben wir gesehen. Leider zeigen die Fotos, die wir aus dem Zug gemacht haben, nicht wirklich die Schönheit der Landschaft, denn die Scheibe des verriegelten Fensters war sehr dreckig.

In Xiamen sind wir dann am Abend gut angekommen und haben nachdem wir unser Hostelzimmer bezogen hatten nur noch was gegessen und nichts mehr gemacht.

Mittwochmorgen erwartete uns dann erstmal ausgiebiger Regen. Xiamen hat schon tropisches Klima, was sich während unserer zwei Tage Aufenthalt leider mehr in Regen bzw. hoher Luftfeuchtigkeit und weniger in hohen Temperaturen bemerkbar gemacht hat. Nach unserem ausgiebigen Frühstück war der Regen jedoch größtenteils vorbei und es blieb lediglich eine Luftfeuchtigkeit von ungefähr 99 %. Man fühlt sich hier immer ein bisschen als würde man durch eine Waschküche laufen. Xiamen selbst ist sehr viel ruhiger als die übrigen von uns bereisten chinesischen Städte. Man hört hier selten eine Hupe (man sieht eher Lichthupen) und der Verkehr hält sich in angenehmen Grenzen.

Wir haben den Mittwoch genutzt, um einen Ausflug zu der kleinen Insel Gulangyu zu machen, die zwischen Xiamen und Taiwan liegt. Die Insel ist bis auf einige elektrisch betriebene Golf-Autos autofrei und die Architektur dort ist sehr europäisch. Wir fühlten uns ein bisschen wie im Urlaub in Spanien oder Portugal dort. Den ganzen Tag sind wir über die Insel gestreift und haben die Natur genossen. Abends waren wir nach einem Bummel durch die Einkaufsstraßen der Altstadt schön essen und haben dann per Skype mehr schlecht als recht mit der Heimat telefoniert.

Am Donnerstag verging der Regen leider erst gegen Mittag. Den Nachmittag haben wir mit einer fünfstündigen Abenteuer-Wanderung mit Kompass (die Karte im Flyerformat war doch nicht ganz genau) durch den sehr, sehr großen botanischen Garten von Xiamen verbracht. Da dieser in einem bergigen Gebiet liegt, taten mir danach die Waden und Knie so weh, dass wir den Abend faul auf dem Bett liegend verbracht haben.

Heute Mittag fliegen wir nun nach Hongkong. Dort sollen wir laut Wetterbericht vom Regen verschont bleiben und mit Temperaturen von 25 Grad verwöhnt werden. Schön wärs, ich hoffe drauf.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Die Freude ist immer sehr groß, wenn Ihr wieder einen neuen Bericht ins Netz gestellt habt - vielen Dank. Es wird alles mit Aufmerksamkeit gelesen und betrachtet. Weiter gute Reise wünschen
Irmchen und Dieter.

FMic hat gesagt…

Tolle "Berichterstattung" aus einem uns fremden Kulturkreis. Ich freue mich immer schon auf den nächsten Blog. Auch die Bilder sind sehr sehenswert. Bitte weiter so........
Frank (Arbeitskollege von Steffen)

Anonym hat gesagt…

hallo Ihr beiden, ich grüße euch beide aus dem verregneten Dresden ganz lieb! Ich kann es kaum erwaren, bis Ihr den nächsten Beitag schreibt. Gruß Micha