So, nun kanns weitergehen mit dem Schreiben….
Ich (Johanna) sitze gerade auf in dem wunderschönen Innenhof unseres Hostels in Peking trinke meinen Morgenkaffee. Hier beginnt der Frühling. Die ersten Bäume blühen schon und über mir ist durch den Smog durchaus blauer Himmel zu erahnen.
Es ist unser dritter Morgen in Peking. Unsere letzte Nacht in der Transsib war nicht wirklich erholsam, weil ziemlich laut und unruhig. Also haben wir nicht viel geschlafen. Aber so haben wir unsere Ankunft um halb sechs morgens auch nicht verpasst.
Die „Reise“ zu unserm Hostel war sehr einfach, weil um diese Zeit die Metro noch ganz leer war und vor allem entgegen meiner Befürchtungen die Stationen und Straßennamen überall auch in lateinischer Schrift angegeben sind. Auf unserem Weg sind wir auch im Morgengrauen am Platz des Himmlischen Friedens vorbeigekommen, was ein ziemlich beeindruckender Anblick war. So haben wir uns gut durchgeschlagen und sind um sieben an unserem Hostel angekommen, wo wir auch sehr nett aufgenommen wurden. Unser Zimmer war natürlich so früh noch nicht beziehbar. So haben wir unser Gepäck abgestellt und sind erstmal in die Stadt gegangen und haben was aufgesucht? Starbucks natürlich! Dort haben wir erstmal wieder richtigen Kaffee getrunken, E-Mails gecheckt und schon mal ein bisschen die Weiterreise geplant. Wir hatten ja bis dahin nur die Jugendherberge in Peking gebucht und nichts sonst.
Mittags haben wir uns dann wieder aufgemacht ins Hostel mit einem „kleinen“ Umweg über den Tian´anmen-Platz und die Vorhöfe der verbotenen Stadt. Unser Hostel liegt genau im Stadtzentrum sozusagen an der Begrenzungsmauer zur verbotenen Stadt. Dort haben wir dann unser Zimmer bezogen, das uns so gut gefällt, dass wir es gleich noch um eine Nacht verlängert haben. Endlich ein Doppelbett und vor allem ein eigenes Bad mit toller Dusche (was für ein Luxus)! Das Bett haben wir sofort für einen Mittagsschlaf benutzt und sind danach noch mal in die Stadt gewandert Richtung Beihai-Park der hauptsächlich aus einem großen See mit einer Insel besteht, auf der wunderschön ein Tempel und eine Dagoba liegen. Abendessen gabs dann auf dem Night-Market… eine Straße voller kleiner Buden an denen man wirklich alles zu Essen bekommt, was die chinesische Küche so hergibt… Dim Sum (Teigtaschen mit Füllung), alles was man frittieren kann (inklusive Tausendfüßler, Seepferdchen, Seesterne, Hirschfleisch etc.), gedämpfte Krabben und Krebse, Obstspieße, Nudelpfanne und so weiter und so fort. Wir haben uns erstmal vorsichtig an Dim Sum gehalten und waren sehr zufrieden.
Gestern haben wir uns Fahrräder gemietet, um in der Stadt besser voranzukommen. Fahrradfahren ist hier entspannter als in Berlin, weil die Fahrradfahrer eine eigene Spur auf der Straße haben. Die ist nicht so klein wie Berliner Radwege sondern so breit wie eine normale Autospur. Außerdem sind hier so viele Radfahrer unterwegs, dass man einfach nur im Schwung mitfahren muss, dann gibt’s kein Problem.
So haben wir mit unseren Fahrrädern auch einen ziemlich großen Kreis abgefahren, der uns als erstes in den Tiantan-Park führte, in dem der sehr berühmte Himmelstempel steht. Dort sind wir zwei Stunden herumgewandert mit ganz vielen chinesischen Familien zusammen, die ihren Samstags-Familien-Ausflug gemacht haben.
Danach haben wir uns wieder aufs Fahrrad geschwungen und haben zwei Tempel im Westen der Stadt besucht, den Tempel der himmlischen Ruhe und den Tempel der weißen Wolke. Letzterer ist eigentlich ein ganzes Areal von daoistischen Tempeln. Für jede Gelegenheit einer. Die Anlage ist wunderschön. Man kommt aus der lauten und hektischen Stadt und betritt plötzlich eine ganz andere Welt voller Ruhe. In diesem Tempel leben heute sogar noch 30 Mönche, die allerdings mit dem Handy am Ohr vor einem auf den Tempelboden rotzen. Das Rotzen ist hier übrigens (bei der Luftqualität) usus. Männer tun es, Frauen auch. Für uns Europäer ist es aber selbst nach dem hundertsten Mal der Beobachtung gewöhnungsbedürftig. Ich zucke ständig zusammen, wenn sich ein Rotzer aus irgendeiner Richtung durch kräftiges Würgen und Röcheln ankündigt.
Anschließend sind wir noch mal zum Beihai-Park gefahren und haben zu Fuß den See umrundet. Beim Fahrradverleih haben wir dann unsere getreuen Drahtesel abgegeben und sind zu Fuß zum Night-Market um zu Abend zu essen. Diesmal haben wir uns an Wraps getraut, wieder an Dim Sum und an frittierte Eiscreme (ist nicht so lecker, wie es sich anhört).
Nun wieder ein kleiner Zeitsprung… es ist Abend desselben Tages. Zwischendurch sind wir im Sommerpalast des Kaisers außerhalb von Peking gewesen. Wir haben uns getraut, hier Taxi zu fahren. Anders kommt man da nämlich von der letzten Metro-Station aus nicht hin. Außer mit dem Bus und das ist noch komplizierter als Taxi, es sei denn, man spricht chinesisch.
Es waren unglaublich viele Menschen dort unterwegs. Aber dadurch konnte ich auch ein paar unglaublich süße kleine chinesische Kinder fotografieren. Ich glaube, ich muss eins davon mitbringen! Nein, im Ernst.. das geht natürlich nicht, aber die sind wirklich alle sooooooooo niedlich! Nun Schluss mit den weiblichen Anwandlungen und weiter im Text:
Viele, viele Tempel gab es im Sommerpalast natürlich auch sowie einen großen See auf dem ganz viele Ruderboote und für die Touristen Drachenboote gondelten. Da mir die vielen Menschen nach vier Stunden ganz schön auf den Keks gingen und wir einen Großteil des Geländes erkundet hatten, sind wir wieder zurück zum Hostel gefahren… diesmal Metro im Berufsverkehr… man bekommt doch ne Menge Rippenstöße in dem Gedrängel.
Und nun sitzen wir im Hostel, haben was gegessen und ganz fleißig unsere Wäsche gemacht.
Für morgen planen wir einen Ausflug an die große Mauer auf eigene Faust. Na mal sehen, ob wir das hinbekommen. Morgen dann mehr.
Oh Mann… tun uns die Füße weh… Es ist Montagabend. Tag vier in Peking. Heute waren wir an, auf und unter der großen chinesischen Mauer und auch ein bisschen um sie herum. Wir haben uns der Touristenfahrt, die vom Hostel aus angeboten wird, verweigert und sind allein zur großen Mauer aufgebrochen. Ausgesucht hatten wir uns wegen der im Reiseführer als „spektakulär“ bezeichneten Blicke und weil dort am wenigsten Touristen sein sollten für das Stück zwischen Jinshanling und Simatai. Dies sollte auch das originärste Teilstück der großen Mauer sein und liegt ca. 110 km nördlich von Peking. Wir sind früh aufgestanden und erstmal mit der U-Bahn bis zu einem großen Busbahnhof im Norden der Stadt gefahren und haben gehofft, dass von dort aus ein Bus nach Jinshanling fährt. Aber leider wird der Busbahnhof wegen Olympia gerade rundum saniert und ausgebaut, so dass dort das reinste Chaos herrschte und kein Bus in die richtige Richtung zu finden war. Deshalb haben wir uns dann auf ein Angebot von einem älteren chinesischen Ehepaar eingelassen, dass einen privaten Tourservice betreibt und uns mit ihrem Minibus nach Jinshanling bringen und nach unserer Wanderung nach Simatai wieder nach Peking zurückfahren wollte. Der Service kostete 400 Yuan also ungefähr 36 Euro. Naja, man ist ja nur einmal da und man kann ja nicht in Peking gewesen sein ohne die große Mauer gesehen zu haben.
Die Fahrt dauerte dann 2 Stunden, war aber dank der sehr kommunikativen Ehefrau (die allerdings immer nur mit Sebastian sprach, weil er der „Sir“ ist) ziemlich unterhaltsam. Nur der rasante Fahrstil des Ehemannes ließ mich ab und zu tief durchatmen.
In Jinshanling angekommen starteten wir unsere Wanderung und stellten schnell fest, dass die spektakulären Ausblicke vor allem wegen der hohen Berge zu erwarten waren. Als ich das erste Mal auf der Mauer stand, dachte ich „Das schaff ich niemals bis ans andere Ende des Stücks!“. Vier Stunden später war ich eines besseren belehrt worden und ziemlich k.o. „Originär“ heißt leider eben auch „ziemlich verfallen an vielen Stellen“, so dass oft eher kraxeln als wandern angesagt war. Häufiger fehlten auch die Seitenmauern ganz während man im 60-Grad-Winkel auf lockeren Steinen die Mauer erklomm oder hinabstieg, so dass Schwindelgefühle vorprogrammiert waren. Aber es hat sich gelohnt!!!
Die Mauer ist schon ein unglaubliches Bauwerk und an diesem Teilstück auch von einer wunderschönen, zerklüfteten Landschaft umgeben. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie dieses Monument von Menschen erschaffen worden sein soll. Schade nur, dass sie ihre Bestimmung, Feinde abzuwehren, nie wirklich erfüllt hat.
In Simatai holte uns wie versprochen das Ehepaar wieder ab (wir hatten auch noch nicht bezahlt…) und fuhr uns nach Peking zum Busbahnhof zurück. Nun sitzen wir mit schmerzenden Füßen im Hostel und pflegen unseren Sonnenbrand, den wir uns geholt haben. Ja, Sonnenbrand… die Mauer liegt eben ganz schön weit oben in den Bergen und es hat den ganzen Tag die Sonne geschienen. Morgen haben wir dann unseren letzten Tag in Peking bevor wir am Mittwoch nach Hangzhou aufbrechen.
Dienstag Abend im Hostel… Heute gibt es nicht allzu viel zu erzählen, denn als wir heute Morgen aufstanden war keine Sonne zu sehen und die Tür wollte man lieber auch nicht aufmachen, denn ein „kleiner“ mongolischer Sandsturm fegte über Peking hinweg. Wir haben es uns dann im Gemeinschaftsraum gemütlich gemacht und mit einem sehr redseligen Tschechen namens Michael ausführlich Kaffee getrunken. Da wir die verbotene Stadt noch nicht wirklich angeschaut hatten, haben wir dieses Unterfangen dann trotzdem tapfer in Angriff genommen. Aufgrund der sehr eingeschränkten Sicht und der enormen Bauarbeiten, die vor allem an den Hauptattraktionen der verbotenen Stadt im Gange waren, währte unser Besuch allerdings nicht lange. Fotos gibt’s dementsprechend auch keine.
Wir (also hauptsächlich ich) haben dann die gute Gelegenheit ergriffen und sind ein bisschen shoppen gegangen, weil man sich dabei in den Gebäuden verkriechen kann. Wir waren im Freundschaftsladen und auf dem sehr lauten und ramschigen Seidenmarkt (wo es kaum etwas aus Seide sondern hauptsächlich billige T-Shirts gab). Im Freundschaftsladen haben wir allerdings ein schönes verspätetes Geburtstagsgeschenk für mich erstanden.
Danach haben wir uns ins Hostel verzogen und viel Zeit damit verbracht, den Flug für morgen nach Hangzhou zu organisieren und gleichzeitig Michaels Kommunikationsbedürfnis zu befriedigen. Jetzt gehen wir packen und dann ins Bett, morgen heißt´s früh aufstehen.
Mittwoch, 19. März 2008
Smog-City
Eingestellt von
Johanna
um
22:36
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
7 Kommentare:
hier scheint die Sonne, obwohl es schenit.. naja.. jedenfalls mal ganz kurzzeitig!!!! :) Was ist besser Sandstorm, oder unbeständiges Herbstwetter im Frühling???? :)
Da wunder ich mich ein wenig (Übrigens...markus meint ich soll "Wir" schreiben!). Das Bild mit dem ErnteOpferTempel ist doch die Pagode in Hohen Neuendorf. Ihr seid eigentlich nicht in China und die Mondlandung gab es auch nicht. Ertappt.
Gruß von Scherlock Holmes und Dr. Watson
PS: Das ich...ist der Otto...und das Wir...Markus!
Sag mal, ham die schon gesagt, wann ich "mein Haus" beziehen kann?
Hab auch grad den passenden Pullover an... :)
kann man eigentlich Sonnenbrand zu Ostern bekommen, wenn ein Wintereinbruch angekündigt ist? um den Meteorologen auf Spiegel Online zu zitieren: "Worauf zu Weihnachten alle Jahre viele Deutsche hoffen, kann ich jetzt für fast alle Gebiete in Deutschland versprechen - weiße Ostern". isses nich schön?
verdammte Technik, da war der Kommentar schneller als ich. wollte noch sagen, dass ich mich darüber freue, dass es auch Sir George gut geht und er eine gesunde Gesichtsfarbe durch die Gegend trägt.
und denkt dran, ich hatte einen klitzekleinen chinesischen Buddha bestellt als Mitbringsel, kein klitzekleines chinesischen Kind ;)
hmmm, wie schön: In China ist Frühling. Großer Neid kommt da auf. Selbst kurzzeitiger Sandsturm wäre zu ertragen.Nun, dann könnt Ihr ja die Ostereier in lindgrünem Gras verstecken.
Wir werde sie einfrieren.
Irgendwas Gutes wird das Ganze schon haben!?
Leider hat der Kommentar den Namen heimlich verschluckt:
also "thälmann hat gesagt"
Kommentar veröffentlichen